1. tz
  2. München
  3. Region

Unglaublicher Fund - Bayer stößt in Belgien auf Infos zu seinem im 2. Weltkrieg abgeschossenen Großvater

Erstellt:

Von: Bernd Heinzinger

Kommentare

Ungläubiges Staunen: Florian Arndt im belgischen Museum Archeocentrum Velzeke vor Überresten aus dem Messerschmitt-Flugzeug seines Großvaters Winfried.
Ungläubiges Staunen: Florian Arndt im belgischen Museum Archeocentrum Velzeke vor Überresten aus dem Messerschmitt-Flugzeug seines Großvaters Winfried. © Archeocentrum Velzeke

Es ist geradezu unglaublich: Auf der Suche nach der Geschichte seines Großvaters Winfried ist der 39-jährige Wartenberger Florian Arndt nach langen Bemühungen endlich fündig geworden. Eine E-Mail nach Belgien sollte den Durchbruch nach jahrelanger Erfolglosigkeit bringen. So kurios es klingt: Der Schlüssel zum Erfolg war, dass sein Opa im Zweiten Weltkrieg als Pilot abgeschossen wurde. Er überlebte.

Wartenberg – „Wie ein Sechser im Lotto“ war es für Arndt, nun endlich Informationen über seinen Opa zu bekommen, den er aufgrund schwieriger Familienverhältnisse kaum kennenlernen durfte. Der Wartenberger durfte immerhin zu dessen Beerdigung Ende der 1990er Jahre nach Kaufbeuren kommen. Im Anschluss verlor sich – den Familienverhältnissen entsprechend – der Kontakt zur Verwandtschaft, den Wartenberger packte aber der Ehrgeiz, mehr über das Leben seines Großvaters zu erfahren.

Unglaublicher Fund: Wartenberger stößt auf Infos zu seinem im 2. Weltkrieg abgeschossenen Großvater

Ihm kam zu Ohren, dass dieser 1943 über Belgien abgeschossen worden war. Also durchsuchte er über viele Jahre die Internetseiten der Belgischen Luftfahrt, allerdings erfolglos. Enttäuscht beendete Arndt zunächst die Suche, das betreffende Lesezeichen befand sich aber weiterhin auf dem Smartphone.

(Unser Erding-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Vor kurzem versuchte der Kfz-Mechaniker einen neuen Anlauf: „Ich schrieb einfach eine E-Mail, ob der Flieger meines Großvaters existiert und ich ihn mir sogar anschauen könnte.“ Große Erwartungen hatte er nach dieser Mail ins Blaue nicht, aber: „Am gleichen Abend bekam ich eine Rückantwort, dass in Belgien in Kürze eine Luftfahrtausstellung eröffnet werde und ich als Ehrengast kommen solle.“ Der sagenhafte Grund: Genau bei dieser Ausstellung wurden Teile der Messerschmitt seines Großvaters das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert. „Meine ersten Gedanken nach dieser Nachricht kann ich gar nicht genau beschreiben. Ich war einfach sprachlos“, sagt der Wartenberger.

Auch ein größerer Teil der Messerschmitt wird ausgestellt. Florian Arndt vor Ort links im Bild.
Auch ein größerer Teil der Messerschmitt wird ausgestellt. Florian Arndt vor Ort links im Bild. © Archeocentrum Velzeke

Arndt sprang sofort in sein Auto und machte sich auf den 850 Kilometer langen Weg. Am Eröffnungstag der Ausstellung – sie läuft noch bis September 2023 – im Museum, dem Archeocentrum Velzeke, erreichte er sein Ziel in aller Früh und bei strömendem Regen. Die Belgier hatten zum Glück bereits ein Hotel für ihn gebucht, sodass der 39-Jährige sich noch ein paar Stunden lang ausruhen konnte: „Ich hielt es aber bald nicht mehr aus und rief bei den Organisatoren an.“ Arndt bekam schon ein paar Stunden vor dem offiziellen Beginn als Allererster eine Führung durch die Räume und sah dabei erstmals die Teile des Flugzeugs seines Großvaters: „Das war für mich absolut überwältigend.“

Der Abschussbericht von 1943.
Der Abschussbericht von 1943. © Repro: Bernd Heinzinger

Bayern: Mann findet Infos zu Großvater - er wurde im zweiten Weltkrieg erschossen

Arndt durfte sich sogar einen detaillierten Abschussbericht des amerikanischen Piloten durchlesen und erfuhr: „Ihm ging beim Angriff die Munition aus, und nur dadurch konnte sich mein Opa mit dem Schleudersitz noch retten.“ Beim Wartenberger kamen die Emotionen hoch, verständlicherweise floss die eine oder andere Träne. Bei der offiziellen Eröffnung mit rund 400 Gästen stand er später als Ehrengast neben hochrangigen belgischen Politikern. Auch Mitglieder der Belgian Aviation History Association (BAHA), einer anerkannten Vereinigung von Luftfahrtarchäologen, traf der 39-Jährige dort und konnte sich dabei noch intensiver über den Fund des Flugzeugs unterhalten. Ein Fotoshooting gab’s auch, und bei der Ausstellung durfte Arndt sogar die Bordkarte seines Opas berühren: „Das war ein ganz komisches Gefühl.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Erding finden Sie auf Merkur.de/Erding.

Tags drauf folgten noch Führungen in anderen Museen, ehe sich der Wartenberger wieder auf die Heimfahrt machte. Parallel hatte er Kontakt zum Historiker Jan Bernd Uptmoor geknüpft und von ihm Fotos aus dem Nachlass seines Großvaters bekommen – ebenfalls eine tolle Geschichte für den Wartenberger.

Wer weiß mehr über sie? Die Großeltern Henriette und Winfried.
Wer weiß mehr über sie? Die Großeltern Henriette und Winfried. © Repro: Bernd Heinzinger

Die ganzen Eindrücke und neuen Informationen freuten Arndt zwar sehr, brachten in ihm aber auch noch andere Gefühle hervor. Er will unbedingt wissen, wie es mit seinem Großvater nach dem überlebten Abschuss weiterging, wie er sein Leben gestaltete. Bei dessen Beerdigung sah er zudem ein letztes Mal seine Großmutter Henriette: „Mich würde ebenfalls brennend interessieren, wie sie weitergelebt hat. Generell, was für Menschen meine Großeltern waren.“

Sie lebten bis zu ihrem Tod in Kaufbeuren im Allgäu, und Arndt hofft, dass es vielleicht Menschen gibt, welche die beiden kannten – und sich bei ihm melden. Jetzt freut er sich aber erst einmal über das Erlebte in Belgien und ist immer noch begeistert: „Ich wurde dort vollkommen herzlich aufgenommen und habe tolle neue Bekanntschaften gemacht.“

Auf Info-Suche

Wer Informationen zum Leben von Henriette und Wilfried Arndt hat, kann gerne mit Florian Arndt per E-Mail an arndtflo@web.de Kontakt aufnehmen.

Auch interessant

Kommentare