Mann tötet Ehefrau

Schäftlarn-Mord: Lebenslange Haft gefordert

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München - Im Juni 2012 hat ein Anwalt aus Schäftlarn seine Frau mit dem Küchenmesser erstochen. Jetzt fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den geständigen 47-Jährigen.

Im Prozess gegen den Anwalt Michael N. (47) wegen Mordes an seiner Frau Sandra (37) hat die Münchner Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haft gefordert. Zudem müsse die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, erklärte Staatsanwältin Nicole Selzam am Montag, dem letzten Verhandlungstag. Der Angeklagte habe heimtückisch und aus niederem Beweggrund gehandelt. Damit wäre auch bei guter Führung eine Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Dem Plädoyer zufolge hatte der 47-jährige Jurist und Vater am frühen Abend des 25. Juni 2012 seiner Frau ein Küchenmesser in den Rücken gestoßen und ihr weitere 16 Stichverletzungen zugefügt – und das vor den Augen der seiner damals vierjährigen Tochter. Er habe „seine eigene Befindlichkeit über das Lebensrecht seiner Frau gestellt“ und damit aus „krassem Eigennutz“ getötet, erklärte die Staatsanwältin gestern vor dem Schwurgericht. Die Mutter von vier Kindern hatte nach jahrelangen Streitigkeiten die Trennung gewollt.

Frank Eckstein, der Anwalt des Angeklagten, plädierte hingegen auf Totschlag. „Nicht mehr als acht Jahre“, forderte der Jurist. Für ihn stelle sich die Tat als klassische Affekthandlung dar. Die Ehefrau habe sich kurz vor der Tat wie so oft über die Erektionsstörungen des Angeklagten lustig gemacht. Zudem habe Sandra N. während des Streits eine SMS eines Mannes bekommen, mit dem sie ein Verhältnis hatte. Das alles und ihre Bemerkung über „fitte Sportler“ habe in diesem Moment das „Fass zum Überlaufen“ gebracht. Sandra N. habe sehr verletztend sein können. Laut Verteidiger könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob der erste Stich in den Rücken gesetzt worden war. Somit falle das Merkmal der Heimtücke weg.

Überraschenderweise plädierte auch der Anwalt von Sandras Mutter, Derek Setz, auf Totschlag. „Meine Mandantin wünscht sich eine angemessene Bestrafung des Angeklagten“, sagte der Nebenklägeranwalt. Wie auch der Verteidiger des Angeklagten sah der Jurist die Mordmerkmale Heimtücke und niedere Beweggründe als nicht gegeben.

Der Angeklagte, der äußerlich gefasst den Plädoyers gefolgt war, äußerste sich in seinem letzten Wort nochmals zur Bluttat. „Mir tut die Tat unendlich leid“, sagte Dr. Michael N. mit brüchiger Stimme. „Ich verstehe bis heute nicht, wie es dazu kommen konnte.“

Das Urteil wird Richter Michael Höhne am kommenden Dienstag ab 15 Uhr verkünden.

tz

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