2018 sollen die Bagger anrollen

Stadtrat Starnberg entscheidet sich für einen Tunnel

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Verkehrsgedränge gestern am Spätnachmittag in der Starnberger Innenstadt: Die Ortsdurchfahrt soll in Zukunft in einen Tunnel verlegt werden.

Schlussstrich nach 40 Jahren Diskussion: Der Stadtrat von Starnberg hat sich in einer denkwürdigen Sitzung dafür ausgesprochen, die B 2 in der Ortsdurchfahrt in einen Tunnel zu verlegen.

Starnberg – Die Anspannung und Konzentration war fast körperlich zu spüren, als Starnbergs Stadträte am Montagabend zur alles entscheidenden Sitzung in der ewigen Frage „Tunnel oder Umfahrung“ zusammenkamen. Und als Bürgermeisterin Eva John nach mehr als fünf Stunden Beratung um kurz vor Mitternacht das Abstimmungsergebnis verkündete, brandete unter den noch verbliebenen knapp 300 Zuhörern Applaus auf. Stadträte unterschiedlicher Fraktionen lagen sich in den Armen. Vereinzelt waren aber auch Buhrufe zu hören.

Mit einer Mehrheit von 19:12 Stimmen haben sich die Stadträte dafür ausgesprochen, die mitten durch die Stadt führende B 2 auf einer Länge von 2180 Metern in einen Tunnel zu verlegen. Gleichzeitig wollen sie, dass konkrete Planungen für eine sogenannte ortsferne Umfahrung zwischen Starnberg und Gauting bis zur A 95 aufgenommen werden. „Tunnel und Umfahrung“ also.

Kann der Tunnel die Gräben in Starnberg kitten?

Hat dieser Beschluss die Kraft, die tiefen Gräben in der Starnberger Bevölkerung zu kitten? Und hat diese Entscheidung die Auswirkung, dass Pendler in einigen Jahren schneller durch das Nadelöhr Starnberg kommen? „Endlich geht’s weiter“, sagte Landrat Karl Roth in einer ersten Stellungnahme zu nächtlicher Stunde. Bürgermeisterin John bleibt dagegen skeptisch. Sie war vor drei Jahren als Kandidatin einer Umfahrungsallianz gewählt worden – und gehörte am Montagabend auch zu den zwölf Politikern, die den Tunnel-Kompromiss ablehnten.

Gleichwohl will sie bereits Anfang nächster Woche aktiv werden. „Dann werden wir über das Staatliche Bauamt Weilheim und die Oberste Baubehörde einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schicken und um sofortige Baufreigabe und die Bereitstellung der Bundesmittel bitten“, sagte sie am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung.

2018 soll es losgehen - acht Jahre dauern die Arbeiten

Diesen Schritt habe Dobrindt bereits in einem Schreiben vom vergangenen Freitag „umgehend“ in Aussicht gestellt, erklärte der Vertreter der Obersten Baubehörde, Ministerialrat Thomas Linder, am Montagabend. Im Staatlichen Bauamt wurden gestern die nächsten Schritte für den Tunnel besprochen. Nach Aussagen von Amtsleiter Michael Kordon sollen bereits im kommenden Jahr die Bagger in Starnberg anrollen und erste vorbereitende Arbeiten erledigt werden. Insgesamt rechnet Kordon mit einer Bauzeit von acht Jahren, allein vier davon für den Tunnel. Als Fertigstellung wird das Jahr 2025 anvisiert.

Der einröhrige Tunnel soll auf einer Länge von 2180 Metern in Nord-Süd-Richtung durch Starnberg verlaufen und vor allem den Durchgangsverkehr aus Richtung Weilheim in Richtung A 95 aufnehmen. Prognosen gehen davon aus, dass schon in drei Jahren auf dem Teilstück bis zu 40 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs sind. Der Tunnel kann laut Prognose 18 000 Fahrzeuge aufnehmen.

Die Kosten für das Projekt werden bislang mit 162 Millionen Euro angegeben, die nahezu vollständig vom Bund aufgebracht werden.

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