„Ein besseres Fleisch...“

Biber sollen auf die Speisenkarte! Wird am Staffelsee bald eine neue Delikatesse serviert?

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Biberfleisch darf nach einer Beschau eines Amtsveterinärs gegessen werden.

Das Töten von Bibern ist nicht unumstritten. Bis Mai wurden im Landkreis über 50 der Tiere „entnommen“. Doch was geschieht eigentlich danach mit den Nagern?

Landkreis – Die Rückkehr des Bibers hat im Landkreis Garmisch-Partenkirchen schon für reichlich Debatten gesorgt. Bauern klagen über Schäden auf ihren Flächen, Naturschützer freuen sich hingegen darüber, dass das Nagetier in der Region wieder heimisch geworden ist. Doch die Population nahm überhand. Ein Brennpunkt ist die Region um den Staffelsee. Heimisch geworden ist der Biber aber auch bei Farchant. Selbst am Eibsee wurde er gesichtet. Bis Mai 2019 wurden im Landkreis über 50 der streng geschützten Tiere per Ausnahmegenehmigung getötet

Bei Mönchen kam früher Biberfleisch während der Fastenzeit auf den Tisch, weil die Tiere wie Fische im Wasser leben. Und heute? „Sie dürfen von den mit der Entnahme beauftragten Personen verwertet werden“, erklärt Franziska Ostler von der Pressestelle des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen. Dabei handelt es sich um örtliche Jäger.

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Die Biber vom Staffelsee dürfen verspeist werden - kommerzielle Vermarktung ist verboten

Ein Waidmann, der im Nordlandkreis zuhause ist und anonym bleiben will, hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Biber-Exemplare erlegt und zu Gulasch verarbeitet. „Das Fleisch ist sehr sehr gut“, erzählt der Jäger. Geschmacklich ordnet er es „zwischen Rind und Reh“ ein. Wobei man das Fleisch vor dem Kochen von Sehnen und Fett befreien müsse. Braten hat er auch schon mal aus Biberfleisch zubereitet. Das Gulasch wurde „in geschlossener Gesellschaft“ konsumiert, mit Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten. Dazu wurden Knödl oder auch Spätzle gereicht – „was es halt zu einem Gulasch dazu gibt“. Grundsätzlich gilt: Nach der Beschau durch einen Amtsveterinär kann das Biberfleisch gegessen werden. Kommerziell vermarkten darf man es jedoch nicht. Dies liegt am Artenschutz. Zudem ist es nicht erlaubt, Bibergerichte auf die Speisenkarte einer Gastwirtschaft zu setzen.

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Auch die Pelze der Biber vom Staffelsee werden verwendet

Auch für die Pelze hat der Jäger Verwendung. Er lässt sie gerben und verschenkt sie. Seine Philosophie lautet: „Wenn ich ein Tier töte, dann verwerte ich es ganz.“ Ein Biberpelz ist besonders dicht an Haaren und schützt gut vor Kälte und Feuchtigkeit. Ein weiterer Jäger aus dem Nordlandkreis – er will ebenfalls nicht namentlich genannt werden – hat auch schon Biberfleisch konsumiert. Er ist begeistert. „Ein besseres Fleisch kriegt man nicht. Das war richtig klasse. Geschmacklich zwischen Hase und Geflügel. Es fischelt nicht, und es wuidelt nicht.“ Der Mann war selbst an der Jagd beteiligt. Der kleine Biber wurde dann zu Gulasch verarbeitet. „Das hat für vier Personen gereicht.“

Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl fordert, dass der Schutzstatus des Bibers aufgrund seiner Ausbreitung und der damit verbundenen Probleme überdacht werden müsse. Er findet: „Statt auf die Rote Liste gehört der Biber auf die Speisenkarte.“ Heidl regt an, dass das Fleisch von den geschossenen Nagetieren auch vermarktet werden darf.

Roland Lory

Sehen Sie im Video, was der Biber so treibt

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