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Starker Dauerregen zieht über Weilheim: „40 Liter Niederschlag in 20 Minuten“ - Landratsamt unter Wasser

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Von: Boris Forstner

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Ein kleines lokales Unwetter war am Donnerstagabend in Weilheim unterwegs. Betroffen von dem ergiebigen Dauerregen war vor allem das Landratsamt.

Weilheim - So etwas hatten die Weilheimer lange nicht erlebt: Am Donnerstag gegen 18 Uhr ging ein regelrechter Wolkenbruch über der Kreisstadt nieder und sorgte in Windeseile für zum Teil überflutete Straßen und Keller. Betroffen war nur Weilheim, und selbst dort regnete es nicht überall gleich viel, wie Feuerwehr-Kommandant Stefan Herbst berichtete. „40 Liter Niederschlag in 20 Minuten“ hatte er gemessen – das ist eine Hausnummer. Die Kanäle konnten das Wasser nicht mehr fassen, vielerorts sprudelte das Wasser aus den Gullys heraus oder konnte nicht mehr abfließen.

Land unter herrschte am Donnerstag nach einem Starkregen in Weilheim.
Land unter herrschte am Donnerstag nach einem Starkregen in Weilheim. © EMANUEL GRONAU

Schweres Unwetter in Weilheim: In Windeseile überflutete Straßen und Keller

Zu zehn Einsätzen innerhalb kürzester Zeit musste die Feuerwehr ausrücken. Ein Tiernahrungs-Geschäft lief voll, da musste ebenso ausgepumpt werden wie in einigen Wohnblöcken nahe der Ammer. „Meist war das Wasser ebenso schnell wieder weg, wie es gekommen war“, sagte Herbst.

Probleme gab es vor allem im Landratsamt an der Pütrichstraße. Dort waren zwei Gebäude betroffen, sagte Herbst. Das bestätigt Florian Steinbach, zuständig für Gebäude-Management. „Wir hatten noch Glück, dass einer unserer Hausmeister am Abend rechtzeitig nach dem Rechten gesehen und gleich die Feuerwehr alarmiert hatte.“ Offenbar über einen unterirdischen Kabelkanal war das Wasser in den Keller geflossen. „Es stand dort etwa zehn Zentimeter hoch, aber nicht lange – wir haben alle Verkleidungen entfernt und sind optimistisch, dass es keine dauerhaften Schäden gibt“, so Steinbach. Technik wurde nicht beschädigt, weil der Raum mit der IT glücklicherweise zwei Treppenstufen höher liegt. „Die Mitarbeiter konnten am Freitag dort schon wieder arbeiten.“

Nach einem heftigen Starkregen waren zahlreiche Straßen in Weilheim gesperrt.
Nach einem heftigen Starkregen waren zahlreiche Straßen in Weilheim gesperrt. © EMANUEL GRONAU

Nicht so glücklich lief es im Gebäude nebenan, in dem das Jugendamt untergebracht ist. Dort waren wahre Fluten an Oberflächenwasser über Lichtschächte in den Keller geflossen, laut Herbst stand das Wasser dort knietief. „Da haben wir leider mehr Schäden zu erwarten. Zum Beispiel hat es den Raum mit dem Notstromaggregat erwischt“, sagte Steinbach. Zum Glück habe man eine Fachfirma schon für nächste Woche herbestellen können, die sich anschauen wird, ob da noch etwas zu retten ist. „Per erster telefonischer Ferndiagnose müssen wir da von einem Schaden in Höhe von 30 000 Euro ausgehen.“

Nach Dauerregen in Weilheim: Aufräumarbeiten im Landratsamt - „Wird vermutlich länger dauern“

Auch den IT-Raum habe es erwischt, doch der Server funktioniere zum Glück noch, auch der zunächst aussgefallene Strom war bald wieder da. Trotzdem war dort am Freitag an Arbeit nicht zu denken. „Zum Glück sind bei uns wegen der Ferien so viele Arbeitsplätze frei, dass die betroffenen Mitarbeiter im Nachbargebäude arbeiten konnten“, sagt Steinbach.

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Das werden sie vermutlich auch noch nächste Woche tun müssen, denn auch wenn überall schon Trocknungsgeräte aufgestellt wurden, ist unklar, wann die Mitarbeiter wieder dort einziehen können. „Vielleicht geht es schon am Montag wieder, aber vermutlich wird es länger dauern“, glaubt Steinbach.

Unwetter über Weilheim: Zahlreiche Akten im Landratsamt abgesoffen

Schließlich sind auch noch zahlreiche Akten abgesoffen, doch auch da habe man Glück im Unglück gehabt: „Die waren quasi schon im Abklingbecken, wären also ohnehin bald entsorgt worden“, sagt Steinbach. Bei drei Vierteln der Unterlagen habe man schon die Genehmigung zur Entsorgung bekommen, er hofft, dass das auch beim Rest der Fall ist. Sonst müssen die Dokumente aufwändig getrocknet werden – das könnte teuer werden. „Damit nichts mehr passiert, hat das THW eine Sandsackbarriere errichtet“, sagte Steinbach.

Auch die in der Vergangenheit bereits Hochwasser-geplagte Marktgemeinde Peißenberg ist auf Nummer sicher gegangen und hat die Anlage zur Selbstabfüllung von Sandsäcken am Festplatz aktiviert. Dort werden Sand, Säcke und Schaufeln für die Eigenabfüllung zur Verfügung gestellt. „Vorkehrungen zur Sicherung des Wasserablaufes an den Straßen der besonders neuralgischen Stellen im Ort sind durch den gemeindlichen Bauhof getroffen worden, die Situation wird laufend beobachtet und bewertet“, teilte Bürgermeister Frank Zellner mit.

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