Am „Strandhouse“

Restaurantbesucher haben freien Blick auf Saunagäste: Starnberger Stadtrat diskutiert erneut darüber

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Von oben gut zu sehen: Von der Terrasse (große Sonnenschirme) gibt es eine Sichtachte zwischen den Saunahütten (vorne links) hindurch. Ob eine Pergola angebracht werden soll, ist Sache des Stadtrates.

Sieht man von der Terrasse des Seebads zu viel von Saunagästen zwischen den Saunahütten? Von einigen Stellen ist der Sauna-Bereich einsehbar. Nun tagt der Stadtrat. 

Update vom 8. Mai: Die Restaurant-Besucher des Strandhouse im Starnberger Seebad haben weiterhin Blick auf nackte Saunagäste. Angelika Kammerl (Parteifreie) hatte im Stadtrat am Montagabend beantragt, den Gang zwischen den Saunahäusern mit einer Pergola aus schräg gestellten Brettern auszustatten. Am Ende stimmten allerdings nur vier von 29 Stadträten für den Antrag. Kammerl sagte, die Stadt habe eine Sorgfaltspflicht, dass auf ihrem Grund keine „Peepshow“ veranstaltet werde.

Stadtrat: „Werde mich in meiner vollen Pracht zur Verfügung stellen“

Tim Weidner (SPD) zeigte sich „überrascht, dass das Thema so hohe Wellen schlägt“, sagte er. „Starnberg ist doch eigentlich eine liberale Stadt – und keine verklemmte.“ Er verwies auf das Trimini in Kochel am See mit ähnlichen Bedingungen: „Wer sich gestört fühlt, kann ja wegschauen.“ Außerdem sei die Frage, ob das Seebad wirtschaftlich betrieben wird, viel wichtiger. Weidner bat dazu um einen Bericht. Kammerl schlug eine Ortsbesichtigung vor, „um der Ernsthaftigkeit des Themas gerecht zu werden“. Es könnten sich dann auch Stadträte zu einem Saunabesuch bereit erklären. 

Über Weidners Kommentar mussten einige Kollegen lachen: „Ich stelle mich gerne in meiner ganzen Pracht zur Verfügung.“ Ein Sichtschutz ist bereits angelegt – aber langfristig. Den Blick einschränken sollen Pflanzen, die allerdings noch ein gutes Stück wachsen müssen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Gegen zu viel Grün auf der Strandhouse-Terrasse argumentierte Anton Wiesböck (FDP): „Ich will nicht nur Blumen sehen und die Spitze der Saunen.“

Ursprungsartikel vom 29. April: Diskussion über Saunagäste am Starnberger See

Starnberg – Wer beim strahlendem Sonnenschein und milden Frühlingstemperaturen der vergangenen Wochen ein Glas Wein oder einen Aperol auf der Terrasse des Restaurants Strandhouse im Starnberger Seebad genoss, bekam unter Umständen nicht nur einen Ausblick auf den See, sondern auch nackte Tatsachen. Denn von der Terrasse des Restaurants haben Gäste von einigen Stellen weitgehend ungehinderte Sicht auf die unbekleideten Besucher der Saunaanlage des Seebads. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird nun aber zum Politikum.

Mehrere Besucher hätten sie kontaktiert und sich darüber beschwert, dass sie ungewollt Beobachter der Saunagäste wurden, schreibt Stadträtin Angelika Kammerl (Parteifreie) in einem Brief an Bürgermeisterin Eva John. Weil Gäste den Ausblick als unangenehm empfinden würden, beantragt sie nun, einen Sichtschutz in Form einer so genannten Pergola mit schräg gestellten Brettern über dem Bereich der Hütten. Damit sollen die Saunagänger von den Restaurantbesuchern abgeschirmt werden.

Wegen Blick auf Saunagäste: Diskussion über Sichtschutz

John und „Strandhouse“-Inhaber Frank Kunzlmann können die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich bin relativ oft zu Gast im ,Strandhouse‘ und habe anderes zu tun, als die Leute in der Sauna anzusehen“, sagte John auf Nachfrage. Kunzlmann hat eigenen Angaben zufolge keine Beschwerden bekommen. Er ist auch der Meinung, dass durch eine Pergola das Problem nicht komplett gelöst wird. „Es gibt ja immer noch Motor- und Segelboote, die auf dem See fahren“, sagt Kunzlmann. „Die Leute auf den Booten sehen die Saunagäste dann auch.“ Wenn man eine Sauna am See haben wolle, könne man sie nicht vollständig von allem abtrennen, findet der Restaurantbetreiber. Die Pergola hält er daher nicht für unbedingt notwendig. „Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass sie sinnvoll ist“, räumt Kunzlmann ein.

Sichtschutz auf Bodeniveau: Mit Zäunen ist der Saunabereich vom Strandbad abgeteilt, nach vorne ist er wegen des Stegs offen.

Der Antrag von Kammerl wird dem Stadtrat am Montag, 6. Mai, vorgelegt (18.30 Uhr, Kleiner Saal Schlossberghalle). „Wenn die Stadträte den Beschluss fassen, wird die Pergola in Abstimmung mit den Architekten installiert.“ Zwar sei ohnehin geplant, die bestehende Sichtbeziehung durch Pflanzentröge zu unterbrechen, erklärt die Bürgermeisterin. Diese Art von Sichtschutz sei bereits angelegt, jedoch dauere es eben seine Zeit, bis die Pflanzen hoch genug seien. „Ich persönlich würde einfach warten, bis die Pflanzen gewachsen sind“, sagt John. Generell sieht die Bürgermeisterin die ganze Situation recht entspannt: Leben und leben lassen sei in diesem Zusammenhang ihr Motto.

Das Thema geistert schon seit Inbetriebnahme des Seebads im Juli vorigen Jahres durch die Stadt. Es war sogar einmal kurz Thema in der Bürgerversammlung vor einem halben Jahr. Zwischen den drei Saunahütten – Aushängeschild des Saunabereichs – gibt es in der Tat eine direkte Linie zur erhöhten Terrasse des Seebads. Von der zu freien Sicht sind allerdings nur Plätze in der äußersten Ecke der Terrasse betroffen, nicht mehr.

cia, ike

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