Wilde Verfolgungsjagd

Auf diesen Taxler ist die ganze Branche stolz: Gäste flüchten, ohne zu zahlen - doch damit haben sie nicht gerechnet

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Hartnäckigkeit und kriminalistischen Spürsinn hat Taxifahrer Metincan Cumali bewiesen.

Diesen Einsatz wird Taxifahrer Metincan Cumali nicht vergessen. Vier Fahrgäste flüchten, ohne zu zahlen. Der Taxler ist baff - doch dann beginnt eine wilde Jagd.

Garmisch-Partenkirchen/Starnberg – Das Gesicht der zwei jungen Männer – Metincan Cumali grinst, wenn er daran denkt. „Ja, das war ein schöner Anblick.“ Da saßen sie in ihrem Zugabteil und schauten ihn „richtig blöd“ an. Mit ihm hatten sie nicht gerechnet. Auch nicht damit, dass ihre Flucht vor dem Taxifahrer scheitern würde. Und dass sie am Ende im Polizeiauto nach Hause gebracht werden.

In der Nacht auf Donnerstag hatten vier junge Männer versucht, Cumali um gut 120 Euro zu prellen. Am Bahnhof in Starnberg rannten sie davon. „Aber sie haben sich mit dem Falschen angelegt“, sagt der 28-Jährige. Gut – der Garmisch-Partenkirchner hatte Glück. Doch bewies er kriminalistischen Spürsinn. Und er kapitulierte nicht einfach. Obwohl er seinen Lohn schon abgeschrieben hatte.

Ursprünglich wollten sich die vier am Mittwoch gegen 23 Uhr nach Pöcking fahren lassen. Nach dem Eishockeyspiel SC Riessersee gegen Rosenheim hatten sie den Zug verpasst, also bestellten sie Cumali an die Kreuzung St.-Martin-Straße/Olympiastraße. Sofort erkundigten sie sich nach dem Preis. Über 100 Euro – passt. Die vier stiegen ein. Cumali erkundigte sich noch, ob sie eine Bank brauchen. Ein Umweg, den der Taxifahrer gerade nachts für Kunden immer wieder einlegt. Nein, nein, verkündeten die vier. Sie haben Geld.

Gespür für Ärger - Aber kein Grund für Skepsis

In seinen vier Jahren im Geschäft habe er ein Gespür für Ärger oder Diskussionen entwickelt, sagt Cumali. In diesem Fall aber ließ ihn nichts zweifeln – alles normal. Dass die vier nach Alkohol rochen – ebenfalls Alltag in seinem Geschäft. In Starnberg aber kam ihm die Sache langsam komisch vor. Links, rechts, links, rechts: Die Fahrgäste dirigierten Cumali auf den Parkplatz am Bahnhof. Von Pöcking war keine Rede mehr. Kaum hielt das Taxi, „sprangen die Türen auf, und die vier rannten weg“. In Schockstarre saß Cumali hinter dem Lenker. Was war da gerade passiert? Bis er reagiert und sich vom Sicherheitsgurt befreit hatte, waren die Burschen in der Nacht verschwunden.

Frustriert setzte sich der 28-Jährige wieder in seinen Mercedes-Bus. „Scheiße, das Geld ist weg.“ 121,90 Euro. Knapp zwei Stunden Fahrt, Benzin – alles umsonst. Er wollte sich gerade auf den Rückweg machen, da kam ihm ein Gedanke: Mindestens einer der vier wollte nach Pöcking, Starnberg war nicht ihr Ziel. Am Bahnsteig jedoch auch keine Spur von ihnen. Die Anzeigentafel verriet Cumali: In fünf Minuten kommt die nächste S-Bahn. Er versteckte sich und wartete. Nichts. Der Zug fuhr ein. Nichts. Das warnende Gleich-Schließen-die-Türen-Piepsen ertönte – da schossen zwei Gestalten aus der Dunkelheit und sprangen in den Zug. Cumali rannte hinterher. Und die S-Bahn fuhr los.

Polizei misst bei 20-Jährigem 1,3 Promille Alkohol

Da saßen sie, zwei der jungen Betrüger. Kleinlaut. Immer wieder entschuldigten sich der Pöckinger (20) und der Germeringer (18) bei Cumali, der ihnen als Begrüßung nur eine Frage stellte: „Für wie blöd haltet Ihr mich eigentlich?“ Auf ihr Angebot – bezahlen, aber bitte keine Polizei – ließ er sich nicht ein. Am Bahnhof Possenhofen, wo ihr Auto stand, versuchten sie es noch einmal: Er solle einsteigen, sie bringen ihn zur Bank, dort bekommt er sein Geld. Mit zwei Betrunkenen mitfahren? Wo die Polizei längst verständigt ist? Cumali lehnte dankend ab, notierte sich das Kennzeichen, als sie den Motor starteten. In diesem Moment gaben die zwei dann doch auf. Wenige Minuten später traf auch schon die Streife ein. Beim Pöckinger stellten die Beamten über 1,3 Promille Alkohol fest. Einen Wert von 0,6 ergab der Schnelltest beim Germeringer. Im Polizeiauto fuhren Cumali und der 20-Jährige schließlich zur Bank, wo er endlich seine 121,90 Euro bekam. Nach etwa eineinhalb Stunden Verfolgungsjagd und Polizeieinsatz.

Das Lob der Kollegen ist ihm sicher. Am Freitag bekam er eine Nachricht aufs Handy: „Sauber hast das gemacht. Allen Respekt.“ Auch Cumali freut sich über den Erfolg. Einfach abzuhauen – „eine Frechheit. Wir sind ja nicht die Deppen“. Bis zu dieser Nacht hat er das auch noch nicht erlebt.

Gegen die Männer ermittelt die Polizei wegen vorsätzlichen Betrugs. Die zwei weiteren Verdächtigen hat sie noch nicht ausfindig gemacht. Konkrete Hinweise gibt es aber.

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