Vorhersagen machten ihn zur Legende

Wetter-Experte Josef Jägerhuber gestorben: „Er wusste alles und man konnte ihn immer alles fragen“

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Josef Jägerhuber ist mit 92 Jahren in Starnberg gestorben.

Josef Jägerhuber senior, einer der bekanntesten Starnberger, ist gestorben: Legendär sind seine Wetterprognosen: Richtig lag er nicht immer - beim Winter 2018/2019 allerdings schon.

Update vom 12. März, 20.32 Uhr: Jahrzehntelang traf sich Jägerhuber jeden Donnerstag mit seinen Stammtischbrüdern in der Gaststätte Starnberger Alm. Dort wurde über alles diskutiert, was Starnberg aktuell bewegt hat. Seit Schließung der Alm kommt der Stammtisch im Wechsel im Wirtshaus im Tutzinger Hof und im Gasthof zur Sonne zusammen. Jägerhuber steuerte viele Geschichten aus der Vergangenheit bei. Ein „lebendes Starnberger Archiv“, sei er gewesen, sagt Stammtischbruder Paul Dechant. „Er konnte wunderbar von früher erzählen“, sagt er. Wenn man ihm ein altes Foto zeigte, dann wusste er meist, wer darauf abgebildet war. Von jedem habe er „ein Gschichterl“ gewusst. 

Zum Tod von Josef Jägerhuber: „Er wusste alles und man konnte ihn immer alles fragen“

Und wenn jemand vom Stammtisch Geburtstag hatte, dann habe Jägerhuber stets ein selbst verfasstes Gedicht zum Besten gegeben. Seit seiner Erkrankung konnte Jägerhuber nicht mehr am Stammtisch teilnehmen. „Es war dann nicht mehr so wie damals“, bedauert Dechant. Franz Reuber kennt Jägerhuber nicht nur vom Stammtisch, sondern auch von den ebenfalls Jahrzehnte alten Schafkopfrunden am Montag. Zum ersten Mal getroffen hat er Jägerhuber mit vier Jahren, weil sein Vater und Jägerhuber im gleichen Schützenverein waren. „Eine Respektsperson“ sei er damals gewesen. Das habe sich dann im Laufe der Jahre zu einer Freundschaft entwickelt. „Er wusste alles und man konnte ihn immer alles fragen“, erinnert sich Reuber. 

Oft erzählte Jägerhuber von der Nacht, als der Alte Peter in München brannte. „Das war ein Feuerwehreinsatz, der ihn besonders geprägt hat“, sagt Dechant. Es war die Nacht zum 25. April 1944. Die Alliierten hatten die bayerische Landeshauptstadt unter Beschuss genommen. Nach dem zweistündigen Bombenhagel war das Zentrum der Landeshauptstadt ein einziges Flammenmeer. Auch Feuerwehren aus dem Münchener Umland wurden gerufen, um der Feuersbrunst Herr zu werden. „Gegen 2 Uhr früh ertönte die Feueralarmglocke in meiner elterlichen Wohnung“, erzählte Josef Jägerhuber einmal in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Schon um Mitternacht war der erste Löschtrupp aus Starnberg gen München aufgebrochen. Jägerhuber folgte mit dem zweiten Trupp. Die Nacht war sternenklar und kühl, erinnerte sich der Starnberger. In München erhielten sie den Einsatzbefehl zur Rettung des Alten Peter. Mit einem C-Rohr stiegen Jägerhuber und ein Kamerad in den Kirchturm hinauf. Aber die Spitze war nicht mehr zu halten. „Wir hatten das große Glück, dass wir uns noch rechtzeitig vor einem herabstürzenden Glockenstuhl in die Empore retten konnten“, berichtete Jägerhuber. Der Turm samt Glockenstube brannte in dieser Nacht aus. Jägerhuber und seine Kameraden waren bis 19 Uhr im Einsatz. „Wir kamen gegen 21 Uhr völlig erschöpft und verrußt in Starnberg an“, erzählte der Starnberger. 

Wetter-Experte Josef Jägerhuber Mitglied des FC Bayern München: „Da war er ziemlich stolz drauf“

Jägerhuber musste schon in jungen Jahren Verantwortung in der elterlichen Druckerei übernehmen. Er war gerade 21 Jahre alt, als er das Traditionsunternehmen als Nachfolger seines zu früh verstorbenen Vaters weiterführte. „Ich bin im Landkreis von Haus zu Haus gezogen, bis wir 2000 Abonnenten hatten“, erzählte Jägerhuber dem Starnberger Merkur anlässlich seines 90. Geburtstages. Bis 1990 druckte er den Land- und Seeboten.

Josef Jägerhuber war vielseitig interessiert. Er war viele Jahre Mitglied des FC Bayern München. Zuletzt war seine Mitgliedsnummer kleiner als 100. „Da war er ziemlich stolz drauf“, erzählt Reuber. Und er engagierte sich in Starnberger Vereinen. Bei der Feuerwehr war er 30 Jahre lang Vorstand, was ihm die Auszeichnung eines Ehrenvorsitzenden einbrachte. Als Vorsitzender kämpfte er dafür, dass die Feuerwehr mit der ersten Drehleiter und dem ersten Tanklöschfahrzeug ausgestattet wurde. Auch setzte er sich für den Neubau des Feuerwehrgerätehaus ein. „Damals musste man richtig dafür kämpfen“, sagt Hermann Kaufer, Ehrenvorsitzender der Feuerwehr. Jägerhuber erhielt die Goldene Verdienstmedaille des Deutschen Feuerwehrverbandes und für 40 Jahre aktiven Dienst das Feuerwehrehrenzeichen in Gold. 

Kaufer behält von Jägerhuber nicht nur dessen Wissen über Starnberg in Erinnerung, sondern auch dessen Humor. Jägerhuber gehörte dem Schützenverein D’Oberlandler und der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft an. „Er war ein hervorragender Schütze“, sagt Reuber. Bei den Oberlandlern sei er immer nur der „Blattlkönig“ genannt worden, weil er so viele „Blattln“ geschossen habe, erzählt Vorsitzender Heinrich Saal. „Er war ein hervorragender Mensch“, fügt Saal hinzu. Jägerhuber sei sehr aufgeschlossen und zugänglich gewesen. Insgesamt war er in beiden Vereinen dreimal Schützenkönig. Auch dem Heimat- und Volkstrachtenverein gehörte er an und dem TSV Starnberg. Bei der Raiffeisenbank bekleidete Jägerhuber mehrere Jahre die Position des ehrenamtlichen Vorstands und saß später im Aufsichtsrat. Die Bank ernannte ihn 1991 zum Ehrenvorsitzenden.

iru/mül

Erstmeldung: Wetter-Experte Josef Jägerhuber gestorben

Starnberg – Der Name Starnbergs hat Wohlklang, weit über seine Grenzen hinaus. Dazu hat Josef Jägerhuber senior beigetragen. An seiner Telefonleitung standen die Vertreter von Medien sowie Landwirte Schlange, um zum Jahreswechsel zu erfahren, wie das Wetter des neuen Jahres wohl werden wird. Auch unterm Jahr war der Starnberger gefragt, wenn Organisatoren von Freiluftveranstaltungen Schönwetterperioden suchten. Erstmals seit fast 60 Jahren blieb zum jüngsten Jahreswechsel der Zettel leer, auf dem Josef Jägerhuber seine Vorhersagen aufzeichnete. Eine langwierige Krankheit hatte ihn im vorigen Jahr abgehalten, täglich Lufttemperatur und Niederschlagsmenge zu notieren. Und auch in Zukunft wird der Wetterprophet stumm bleiben. Josef Jägerhuber ist am Samstag zu Hause verstorben. Das hat sein Sohn Ludwig am Montag bestätigt. In wenigen Tagen wäre sein Vater 93 Jahre alt geworden.

Josef Jägerhuber aus Starnberg gestorben - Trauer um legendären Wetter-Experten

1960 hat Josef Jägerhuber mit seinen Wetteraufzeichnungen begonnen. Mit der Meteorologie hatte er nicht wirklich viel am Hut. Die professionellen Wetterfrösche haben ihn daher auch für seine Prognosen belächelt und gescholten. Aber der Starnberger war sich sicher: Das Wetter wiederholt sich alle sieben Jahre. Diese Zahl hat nicht nur einen biblischen Hintergrund. Sie deckt sich auch mit den Aufzeichnungen des Starnbergers. Bauernregeln bezog er in seine Beurteilungen mit ein sowie die Stellung der Planeten.

Wetter in Bayern: So ist die aktuelle Lage im Freistaat

Jägerhuber lag nicht immer richtig. Aber es ging meist nur um zeitliche Verschiebungen. Im eigenen Interesse hatte er 1987 einen Volltreffer, wie er gerne erzählte. In jenem Jahr feierte die Freiwillige Feuerwehr Starnberg 125. Jubiläum, zugleich verabschiedete sich Jägerhuber nach 35 Jahren als Vorstand. In dieser Funktion hatte er den Termin des Jubelfestes ein Jahr zuvor festgelegt. 3000 Besucher kamen – und waren glücklich, dass trotz schlechten Wetters in den Tagen zuvor und danach ausgerechnet zur Feierlichkeit die Sonne schien.

Josef Jägerhuber aus Starnberg gestorben - Er war nicht nur der Wetterfrosch

Josef Jägerhuber auf den Wetterfrosch zu reduzieren, würde seiner Lebensleistung nicht gerecht. Er hat sich stets ehrenamtlich engagiert. Nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch bei den Schützen. Und Jägerhuber hatte ein phänomenales Wissen angehäuft, vor allem mit historischen Ereignissen. Nicht zu vergessen: Als Druckereibesitzer und mit der Herausgabe der Heimatzeitung „Land- und Seebote“ hat er Stadtgeschichte geschrieben. Für seine Verdienste um Starnberg erhielt er die Goldene Bürgermedaille. Der Beerdigungstermin stand gestern noch nicht fest. 

Interessante Rückschau: Das war Jägerhubers Prognose für das Jahr 2018.  

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