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Schornsteinfeger dürfen alte Holzöfen wieder freigeben – wenn dadurch Gas eingespart wird

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Von: Stefan Reich

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Manch alter Holzofen, der wegen hoher Schadstoffwerte nicht mehr genutzt werden darf, kann dank einer Allgemeinverfügung des Landkreises vorübergehend wieder eingeschürt werden.

Landkreis Starnberg – Sie sorgen für Behaglichkeit und Wärme. Und selbst wenn in ihnen kein Holzfeuer mehr lodert, können Kamin- und Kachelöfen eine Zier sein. So steht in manch guter Stube noch ein alter Ofen, für den wegen neuer Schadstoffrichtlinien in den vergangenen Jahren die Betriebserlaubnis erlosch. Angesichts explodierender Energiepreise und drohenden Gasmangels fragen sich manche Besitzer, ob sie nun nicht doch wieder einschüren dürfen. In einigen Fällen lässt der Gesetzgeber das auch tatsächlich wieder zu.

Gemütlich, aber nicht gesetzeskonform: Holzöfen mit hohen Schadstoffwerten mussten ab 2014 außer Betrieb gehen. Einige dürfen Bezirksschornsteinfeger wie Andreas Haberzett im Landkreis Starnberg wieder freigeben.
Gemütlich, aber nicht gesetzeskonform: Holzöfen mit hohen Schadstoffwerten mussten ab 2014 außer Betrieb gehen. Einige dürfen Bezirksschornsteinfeger wie Andreas Haberzett im Landkreis Starnberg wieder freigeben. © Andrea Jaksch

Beim Verbrennen von Holz entstehen giftiges Kohlenmonoxid und gesundheitsschädlicher Staub. Seit 2014 gelten Grenzwerte. Viele Feuerstätten, die die Normen nicht erfüllten, mussten, in Abhängigkeit von Alter und Bauart, stillgelegt werden. Viele ließen die Kamin- oder Kachelöfen – offene Kamine waren ausgenommen – so nachrüsten, dass sie die Grenzwerte einhielten. Andere bauten ihre Öfen ab oder trennten sie zumindest vom Kaminzug.

Es gab aber noch eine andere Möglichkeit, rechtskonform mit der Situation umzugehen: Man ließ den Ofen technisch unverändert stehen und unterschrieb beim Bezirksschornsteinfeger eine Erklärung, dass man ihn nur noch in Notsituationen, etwa bei Stromausfall oder im Katastrophenfall benutzen würde. Besitzer, die so vorgingen, können Holzfeuerstätten nun ohne Nachrüstung wieder regulär benutzen, unter einer Voraussetzung: Im Haus befindet sich auch eine Gasheizung, mit dem Betrieb wird also Erdgas eingespart.

Wie viele Besitzer von Holzöfen von der Allgemeinverfügung profitieren ist nicht zentral erfasst

Die Staatsregierung hatte die Landkreise aufgefordert, entsprechende Allgemeinverfügungen zu erlassen. Im Kreis Starnberg gilt sie seit 1. September. Wie viele Besitzer von Holzöfen von der Allgemeinverfügung profitieren ist nicht zentral erfasst. Man gehe von etwa 1000 in ganz Bayern aus, teilt der Landesinnungsverband für das bayerische Kaminkehrerhandwerk auf Anfrage mit, auch weil im Freistaat der Anteil an Ölheizungen hoch sei.

„In meinem Kehrbezirk gibt es fast keine Gasheizungen. In Pähl gibt es schlicht keinen Anschluss an das Gasnetz“, sagt Christian Mühlbauer, der als Bezirksschornsteinfeger im Kehrbezirk Tutzing etwa 3000 Kunden betreut. Insgesamt hätten vielleicht fünf Besitzer mit Holzofen und Gasheizung bei ihm in den letzten Jahren das Merkblatt für den Notbetrieb unterschrieben. Andreas Haberzett dagegen, der im Kehrbezirk Wörthsee 2200 Anwesen betreut, berichtet, die meisten Betroffenen hätten ihre Öfen nachrüsten lassen.

Er habe aber auch etwa 150 Merkblätter zum Notbetrieb von Holzfeuerstätten erhalten. Etwa ein Drittel der Heizungen in seinem Bezirk seien Gasheizungen, es könnten also wohl bis zu 50 Holzfeuerstätten mit der Allgemeinverfügung ohne Nachrüstung wieder in Betrieb gehen.

Haberzett hat dazu auch schon Anfragen von Kunden. Einer von ihnen hatte 1983 ein Haus gebaut, in dem nun die Tochter wohnt. „Wir hatten damals eine alte Bauernstube aus Südtirol aufgetrieben. Dazu gehörte auch ein Kachelofen. Der durfte dann vor ein paar Jahren nicht mehr betrieben werden“, erzählt der Mann. „Unsere Tochter brauchte den Ofen nicht. Aber abbauen wollte sie ihn auch nicht.“ Jetzt wolle man aber angesichts eines möglichen Gasmangels zumindest die Option haben, ihn zu nutzen.

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Zwei Kunden seien seit 1. September schon auf Schornsteinfeger zugekommen

Haberzetts Kollege Daniel Keppler hat in seinem Kehrbezirk Gilching 2 in den vergangenen Jahren etwa 100 Holzfeuerstätten gezählt, die außer Betrieb genommen werden mussten. Rund 85 Besitzer hätten das Merkblatt unterschrieben. Zwei dieser Kunden seien seit 1. September schon auf ihn zugekommen, um den Ofen wieder in Betrieb nehmen zu dürfen.

Gleich nebenan, im Kehrbezirk Gilching 1, zählte Bezirksschornsteinfeger Andreas Raschke nicht mal eine Handvoll Kunden, die bei ihm das Merkblatt unterschrieben hatten. „Ich halte die neue Regelung auch wirtschaftlich für nicht sehr bedeutsam“, sagt Raschke. „Die Holzpreise steigen ja derzeit.“ Und da sei noch der Aufwand, etwa durch die vorgeschriebene vorherige Begutachtung durch den Bezirksschornsteinfeger. Dieser muss einen aktuellen Feuerstättenbescheid ausstellen.

Auch der Kunde von Andreas Haberzett, dessen Tochter ihren Kachelofen wieder anmelden will, denkt nicht primär ans Geld. „Wir haben zwar schon vor Jahren viel Holz günstig gekauft. Aber es geht vorrangig um das Sicherheitsgefühl“, sagt er. Bald werde man den Ofen wohl auch nachrüsten. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst nur bis zum 31. Mai 2023.

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