Verzicht auf Höllenmaschinen

Starnberg sagt Laubbläsern den Kampf an

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Bewaffnet mit einem Laubbläser nimmt ein Mann den Kampf mit den Blättern auf.

Starnberg - Es dröhnt allerorten: Bauhofmitarbeiter und Hausmeister kämpfen mit Höllenmaschinen gegen das Laub. Die Stadt Starnberg hat sich zum Laubbläser-Verzicht entschlossen. Ob dieses Projekt gelingt?

25 Laubbläser weg, im Betriebshof hinter Gittern eingesperrt. Für ein Jahr sollen sie dort bleiben. Mindestens. Die Stadt Starnberg hat ihren Hausmeistern und Bauhof-Mitarbeitern die teilweise Presslufthammer-lauten Helferlein kurzerhand weggenommen – auf Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Starnberg will mit gutem Beispiel voran gehen. In einem Wurfblatt ruft die Stadt auch ihre Bewohner zum Verzicht auf Laubbläser auf. Stadt-Sprecher Karl-Heinz Springer erklärt, wie es zum selbst auferlegten Verzicht kam: „Der Grund war ein sehr eifriger Hausmeister aus der Nachbarschaft. Wenn der mit seinem Laubbläser arbeitet, müssen wir im Rathaus alle Fenster schließen, das ist ein Höllenlärm.“ Und so fragte Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger irgendwann: „Kann man das nicht verbieten?“

Kann man nicht, zumindest nicht komplett. „Da fehlt die rechtliche Grundlage“, sagt Springer. Aus Immissionsschutz- oder Lärmschutzgründen ist nur eine Begrenzung der Einsatzzeiten möglich. Darum die freiwillige Selbstverpflichtung der Starnberger. Neu ist die Diskussion um den Einsatz von Laubbläsern nicht. In Garching (Kreis München) scheiterte im November 2011 ein Grünen-Antrag auf Laubbläser-Verbot für Bauhofmitarbeiter im Stadtrat. Ein allgemeines Verbot bewertete der zweite Bürgermeister Peter Riedl damals nüchtern: „Laubblasen können wir den Grundstücksbesitzern ebenso wenig verbieten wie dreimal die Woche den Rasen zu mähen.“

Die Gemeinde Gröbenzell (Kreis Fürstenfeldbruck) hat ein Verbot nur zwei Monate durchgehalten. Im März 2009 beschloss der Gemeinderat den Verzicht auf die Geräte auf öffentlichen Flächen – mit Ausnahme von Sportflächen. Schon im Mai des selben Jahres wurde dieser gute Vorsatz aber wieder beschränkt – seitdem darf wieder im ganzen Ort laubgesaugt und laubgeblasen werden. Außer auf kleinen Flächen bis etwa 40 Quadratmeter, für die es ein Gebot der Reinigung per Hand gibt.

Eine ähnliche Regelung gibt es seit Herbst 2009 auch in Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck), wo erst ab 300 Quadratmetern Fläche der Laubbläser ran darf. In München war das Thema schon mehrfach Gegenstand von Stadtratsbeschlüssen. 2004 wurde entschieden, dass bei der Straßenreinigung und auf städtischen Grünflächen keine Laubbläser und Laubsauger eingesetzt werden dürfen. Diesen groß angelegten Verzicht hielt man aber nicht auf Dauer durch. Für die Verkehrssicherheit auf Gehwegen und Wegen durch Grünanlagen dürfen die 250 Stadt-Arbeiter mittlerweile wieder mit Laubbläsern arbeiten – jedoch nur dann, wenn auch wirklich viel Laub anfällt. Oder wenn ohne den Einsatz Folgeschäden zu befürchten wären, etwa durch verstopfte Abflüsse. „Der Einsatz der Geräte ist auf ein möglichst niedriges Maß beschränkt. Ganz darauf verzichten können wir bei der Größe unserer zu bearbeitenden Flächen leider nicht“, erklärt Dagmar Rümenapf vom Baureferat der Stadt München.

In Starnberg will man den Selbstversuch auf jeden Fall durchziehen und den jährlich rund 400 Kubikmetern Laub mit Rechen und Besen Herr werden. „Die Grünflächen müssen ja nicht wie geleckt aussehen, ein bisschen Laub schadet da ja gar nicht“, sagt Stadt-Sprecher Karl-Heinz Springer. Der Verkehrssicherungspflicht müsse man freilich weiter nachkommen. Die Muskelkraft wird also vor allem auf Gehwegen gebündelt. Und was halten die Mitarbeiter vom Verbot ihrer stärksten Waffe im nicht enden wollenden Kampf gegen die Blätter? „Die sind schwer begeistert“, sagt Springer augenzwinkernd. „Sie haben die Maschinen als Begleiter lieb gewonnen.“ In einem Jahr wird der Pilotversuch bewertet und neu verhandelt. Bis dahin gilt Springers Argument: „Laub gibt es definitiv schon länger als Laubbläser. Und irgendwie hat man es noch immer weggebracht.“

Von Johannes Markmann

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