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Große Sorgen um Biotop am Wilden Kaiser: Mountainbiker zerstören Böden – „Muss doch wirklich nicht sein“

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Von: Peter Schiebel

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Anstrengend, aber auch eine Arbeit, die Freude bereitet: Die Vorsitzende des Bund Naturschutz in Starnberg, Irmgard Franken (vorne), und ehrenamtliche Helfer bei der Heu-Aktion am Wilden Kaiser bei Neusöcking.
Anstrengend, aber auch eine Arbeit, die Freude bereitet: Die Vorsitzende des Bund Naturschutz in Starnberg, Irmgard Franken (vorne), und ehrenamtliche Helfer bei der Heu-Aktion am Wilden Kaiser bei Neusöcking. © Michael Schönwälder

Der Wilde Kaiser ist so etwas wie die Keimzelle des Naturschutzes in Starnberg. Doch nun macht sich der Bund Naturschutz große Sorgen um die Fläche – und appelliert an Freizeitsportler.

Söcking – Der Wilde Kaiser bei Neusöcking, oberhalb der Mozartstraße in Richtung Maisinger Schlucht gelegen, ist eine ganz besondere Fläche in Starnberg. Denn das Biotop ist nicht nur traumhaft schön, sondern hinsichtlich der Schmetterlinge auch das reichhaltigste aller Starnberger Biotope, wie eine wissenschaftliche Untersuchung vor einigen Jahren ergeben hat. Nicht zuletzt begann an dieser Stelle vor einigen Jahrzehnten auch die Starnberger Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) mit der Biotoppflege. Dieser Tage haben rund zwanzig ehrenamtliche Helfer wieder zu Rechen und Heugabeln gegriffen und die Mahd auf der teils sehr steilen Fläche weggeschafft.

So sehr sich BN-Vorsitzende Irmgard Franken über die diesmal vielen Helfer freut, so sehr sorgt sie sich um den Fortbestand der Schmetterlingswiese. „Jahr für Jahr kümmern wir uns um die artenreichen Wiesen“, sagt sie. „Aber leider gibt es immer größere Narben in den Flächen, die vor allem von E-Mountainbike-Fahrern verursacht werden.“

Mountainbiker fahren durch die Wiese am Wilden Kaiser - „Immer größere Narben in der Fläche“

Was das Problem daran ist? „Wenn Mountainbiker bestimmte Rillen immer wieder befahren, verdichtet sich der Boden und es kommt kein Samen mehr rein“, erklärt die BN-Vorsitzende. In letzter Konsequenz kann das zur Erosion des Bodens und zu dauerhaft kargen Flächen führen. Nun ist Irmgard Franken niemand, der mit dem erhobenen Zeigefinger auf Probleme aufmerksam macht. „Das Gelände ist toll, sehr abwechslungsreich und nah an Starnberg“, sagt sie auch jetzt. „Ich bin niemand, der sagt, da darf keiner hin.“

Aber dennoch appelliert sie an den gesunden Menschenverstand der Freizeitsportler und hofft, dass diese verstärkt darauf achten, dass sie mehr Rücksicht auf solche wertvollen Flächen nehmen, anstatt sie zu schädigen. „Den Flächen schadet es sehr, wenn mittlerweile immer mehr Menschen für einen schnellen Workout mit lockerem Tritt akkugestützt durch die Hügellandschaft ziehen“, sagt Franken. „Die Reifen sind immer breiter, die Narben in den Flächen werden größer und größer.“

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Dabei kritisiert die Naturschützerin nicht nur die Radfahrer: „Ich habe auch schon mal einen Quad-Fahrer während der Orchideenblüte am Wilden Kaiser gesehen“, sagt Franken. „Das muss doch wirklich nicht sein. So viele kostbare Wiesen haben wir auch nicht mehr.“

Naturschutz am Wilden Kaiser: „So viele kostbare Wiesen haben wir auch nicht mehr“

Umso mehr hat es sie gefreut, dass so viele freiwillige Helfer diesmal ihrem Aufruf zur Heu-Aktion gefolgt sind. Unter den rund zwanzig Teilnehmern seien viele bekannte Gesichter gewesen, aber auch vier junge Leute aus der Ukraine und ein junges Paar mit einem einjährigen Kind in der Kraxe. Das Gras wird mit einem Balkenmäher abgeschnitten und anschließend zu Wegen ober- und unterhalb des Wilden Kaisers gerecht. Von dort wird das Heu dann mit dem Traktor abtransportiert. Diese Pflege sei wichtig, um den Artenreichtum des Biotops zu erhalten.

Wie wertvoll gerade der Wilde Kaiser ist, ließ sich zuletzt auf einer großen Wiese zwischen dem benachbarten Biotop Berg- und Talbahn und der Bründlwiese beobachten. Dort sei es den Naturschützern gelungen, nur mit Saatgut vom Wilden Kaiser, ohne jeden Dünger ein Sekundärbiotop anzulegen, freut sich Franken. „Da sieht man, was alles möglich ist. Und das vor den Toren der Stadt.“ Neben den vielen Schmetterlingen besticht der Wilde Kaiser auch durch einen großen Reichtum an Pflanzen, darunter Doldenblütler und Witwenblumen.

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