Betrügereien per Telefon und Internet

Skeptische Seniorin erkennt Gauner an Stimme

Immer öfter versuchen Gauner, zumeist ältere Leute per Telefon übers Ohr zu hauen. Doch auch junge Leute sind vor Betrug nicht gefeit, wie Fälle am Starnberger See zeigen.

Starnberg/Feldafing – Betrüger versuchen derzeit verstärkt, per Telefon und Internet Opfer in den Orten am Starnberger See zu finden. Die Polizei mahnt nachdrücklich zum Misstrauen und zur Vorsicht.

Der Enkeltrick funktioniert zum Glück immer seltener, aber einige versuchen es dennoch. Dieser Tagen riefen Unbekannte bei zwei Starnberger Seniorinnen an, gaben sich als Angehörige aus und baten um Geld, weil sie einen Verkehrsunfall gehabt hätten. Das Vorgehen ist immer ähnlich, erklärt Polizeihauptkommissar Oliver Jauch von der Starnberger Polizei: „Zu der Masche der Betrüger gehört es, dass sie die Angerufenen zunächst im Unklaren lassen, wer anruft, und den Ball damit den Opfern zuspielen.“ 

In einem Fall glaubte eine Seniorin erst, den Sohn des Nachbarn zu erkennen, bemerkte aber dann doch, dass es der Nachbarn war – der brauchte offenbar Geld. Sie legte auf. Fälle aus dem direkten Umfeld sind jedoch eher die Ausnahme, vielfach sind es organisierte Banden. 

Ob es ein Täter aus dem Umfeld oder dem Ausland war, ist im Fall einer 80-Jährigen unklar. Es dürfte aber eher ein auswärtiger Täter gewesen sein, denn ihm unterlief ein verhängnisvoller Fehler. Zwar meldete er sich mit „Hallo Oma“ und tischte der Frau die Geschichte vom Autounfall auf, jedoch wusste er nicht, dass der Enkel erst 13 Jahre alt ist. Das Gespräch endete schlagartig. 

Angeblicher Gewinn führt Frau in die Irre

Vor den Gaunern seien auch jüngere Menschen nicht sicher, warnt Oliver Jauch. Eine Feldafingerin (30) fiel auf den Gewinnspiel-Trick herein. Ein Anrufer machte ihr überzeugend weiß, sie habe 28 000 Euro gewonnen, müsse aber rund 900 Euro für Notar- und Verwaltungskosten auslegen. „Hierzu solle sie Guthabenkarten erwerben. Auf diesen Karten sind Codes aufgebracht, mit denen es möglich ist, zum Beispiel Internetkäufe zu zahlen. Die Feldafingerin kaufte so genannte ,Steam-Cards’ und übermittelte dem Anrufer die Codes am Telefon“, erklärte Jauch. Skeptisch wurde die Frau erst, also ein Anrufer ihr einen noch höheren Gewinn ankündigte. 

Auch auf Kleinanzeigen-Börsen im Internet lauern Betrüger auf Opfer. Eine Starnbergerin (19) wollte eine Tasche für 200 Euro kaufen und überwies den Kaufbetrag, nachdem ihr die angebliche Verkäuferin eine Ausweiskopie zugeschickt hatte. Es war nur nicht ihrer: Die Kopie eines echtes Ausweises einer Unbeteiligten sei schon mehrfach für Betrügereien verwendet worden, stellte die Polizei fest. Auf die Tasche wartet die junge Frau noch heute. Dass sie auf einem Portal mit Käuferschutz war, half ihr wenig – der gilt bei Käufen, nicht beim Überweisungen zwischen Privatleuten.

Das rät die Polizei

Mit gesundem Misstrauen und einigen Vorsichtsmaßnahmen kann man sich vor Betrügereien per Telefon und Internet schützen. Die Polizei rät, sich bei Anrufen nicht überrumpeln zu lassen und lieber einmal mehr kritisch nachzufragen. „Seien Sie aufmerksam, wenn angebliche Bekannte oder Verwandte Sie am Telefon um Geld bitten, das sie so schnell wie möglich benötigen“, empfiehlt Oliver Jauch von der Starnberger Polizei. Betrüger seien außerdem äußerst „dankbar“, wenn ihnen am Telefon Codes von Zahlungskarten überlassen würden. Wenn solche Karten verlangt werden, sollten also alle Alarmglocken läuten. „Seien Sie vorsichtig“, so Oliver Jauch, „wenn Sie gebeten werden, eine Kopie Ihres Ausweises an Unbekannte zu übersenden. Überlegen Sie genau, ob Sie sich auf Wünsche der Verkäufer einlassen, die Sie benachteiligen können. Ein vermeintliches Schnäppchen kann sich dann ganz schnell zum Gegenteil entwickeln.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / Arno Burgi/dp / Arno Burgi

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