17 Tote in 20 Jahren

Wie viele Taucher müssen hier noch sterben?

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Die Steilwand bei Allmannshausen: Im dreidimensionalen Bild wirkt sie an der Oberfläche wie eine Badewanne voller Wasser. Im unteren Teil geht es steil bergab. Ungeübten Tauchern droht hier der Tiefenrausch.

Starnberg - Am Tag nach dem Tod der beiden routinierten Taucher im Starnberger See herrscht große Betroffenheit - und auch Unverständnis: Wie konnte der Unfall passieren? Die Steilwand bei Allmannshausen ist berüchtigt...

Sie waren routinierte Taucher, hatte 20 Jahre Erfahrung und standen gut im Training. Trotzdem mussten Peter S. (67) aus Jesenwang und Franz S. aus Eichenau (47) ihren Ausflug im Starnberger See mit dem Leben bezahlen. Zusammen mit ihrem Spezl Reinhart S., der Bruder von Franz S., waren sie am Sonntag unterwegs entlang der Steilwand in Allmannshausen. Ihr Notaufstieg aus 53 Metern Tiefe scheiterte (tz berichtete).

"Alle drei waren top ausgebildet"

Versagte ihre Ausrüstung in der Tiefe? Oder hatte einer der Taucher plötzlich gesundheitliche Probleme? Zwei Tage nach dem Todesdrama liegt die Ursache noch im Dunkeln. Immerhin: Reinhart S. ist nach seiner spektakulären Rettung inzwischen ohne Folgeschäden aus dem Krankenhaus raus und wird von der Polizei vernommen. Für seine zwei Tauchkollegen kam jede Hilfe zu spät - alle Wiederbelebungsversuche scheiterten. Die beiden Leichen werden am Dienstag obduziert. Bankkaufmann Franz S. hinterlässt eine Frau, eine volljährige Tochter und Zwillinge im Teenageralter. Mehr als 30 Jahre lang wohnte er in Eichenau Tür an Tür mit Nachbar Franz K. Zur tz sagt dieser: „Wir haben von dem Unfall in der Zeitung gelesen und dachten nur: ‚O Gott, hoffentlich hat’s nicht den Franz erwischt!‘ Er war ein herzensguter Mensch. Sein Tauchanzug hing immer in der Garage.“

Alle drei Verunglückten waren in der Wasserwacht Fürstenfeldbruck aktiv. Vor wenigen Jahren erst wurde Peter R. dort für seine 50-jährige Mitarbeit ausgezeichnet. Er erhielt das goldene Ehrenzeichen und eine Anerkennungsurkunde - eine Ehrung für besondere Treue.

Am Tag nach dem Unfall herrschte beim Bayerischen Roten Kreuz große Betroffenheit. Aber auch Unverständnis, wie es zum Unfall kommen konnte. „Es ist schwer mit der Trauer umzugehen. Alle drei waren top ausgebildet. Und sie kannten die Seeburg in- und auswendig“, sagt BRK-Sprecher Rainer Bertram. Außerdem seien Rettungstaucher gerade für Stresssituationen unter Wasser ausgebildet.

Taucher verunglückt: Großeinsatz am Starnberger See

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Immer wieder passieren tödliche Tauchunfälle an der Steilwand bei Allmannshausen - 17 Wassersportler starben in den vergangenen 20 Jahren. „Der Tauchplatz ist beliebt, aber auch überlaufen. Die Sicht ist besonders schön, die Tiefe aber gefährlich. Es wird sehr schnell sehr steil“, sagt Andreas Rothaler vom TSC Starnberg. Sporttaucher mit Pressluftflaschen dürfen nur 40 Meter tief tauchen, das Unglück geschah bei 56 Metern.

Wie viele Taucher müssen noch an der Steilwand sterben? Kritiker fordern längst ein Tauchverbot. Das wird es vorerst aber nicht geben. „Wir analysieren den Unfall gründlich und warten zunächst das Gutachten der Staatsanwaltschaft ab. Davon hängt ab, ob wir die Tauchverordnung anpassen“, sagt Markus Reichart, Teamleiter Wasserrecht beim Landratsamt Starnberg. Das aber dauert einige Monate. Solange dürfen Taucher weiter die Steilwand des Todes erkunden.

Andreas Thieme, Jacob Mell

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