Eltern warten auf Prozess

Vor vier Jahren starb Leo (13) beim Rudern: Bis heute ist ungeklärt, wer den Unfall verschuldete

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Verzweifelte Suche nach Leo: Sechs Tage nach seinem Unfall wurde der 13-Jährige tot geborgen. 

Über vier Jahre sind seit dem tödlichen Ruderunfall eines Münchner Schülers (13) vergangen – und noch immer gibt es keinen Prozesstermin. 

Starnberg – Dass sie so lange auf die Aufarbeitung des Unglücks warten müssen, sei „unmenschlich und entwürdigend“. Seit mehr als vier Jahren warten die Eltern von Leo (13) darauf, dass der Tod ihres Sohnes aufgeklärt wird. Leo ist im Starnberger See ertrunken. Der angesetzte Prozess verschiebt sich immer wieder. Grund dafür ist aktuell ein Gutachten zur Wetter-, Wasser- und Sicherheits-Situation am Unfalltag. 

Laut Karin Jung, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München II, haben die Verteidiger der beiden angeklagten Übungsleiter (53 und 70 Jahre) Fragen zu dem Gutachten. Deshalb liegen die Akten auch wieder bei der Staatsanwaltschaft und nicht beim Amtsgericht Starnberg, wo verhandelt werden soll. Eine Terminierung ist in weite Ferne gerückt.

Rechtsanwältin empört: „Das ist ein Skandal“

„Das ist ein Skandal“, sagt Rechtsanwältin Annette von Stetten. Sie vertritt die Mutter des verunglückten Buben. Der Schüler des Münchner Wilhelmsgymnasiums ertrank am 19. April 2015 während des Ruder-AG-Trainings im acht Grad kalten Starnberger See. Erst sechs Tage später wurde seine Leiche geborgen, aus 35 Metern Tiefe, 425 Meter vom Starnberger Ufer entfernt. „Mein schlimmster Alptraum ist wahr geworden“, sagte die Mutter im Februar im BR-Magazin „kontrovers“. Und ihr Mann fügte traurig hinzu: „Für uns ist eine Welt zusammengebrochen, man hat uns die Lebensfreude geraubt.“

Die beiden Übungsleiter wurden wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, gegen die Aufsichtspflicht des Deutschen Ruder Verbandes (DRV) verstoßen zu haben. Einer der Männer ist ein Münchner Mediziner. Aus Sicht von Nebenklage-Anwältin von Stetten haben die Betreuer sträflich gehandelt, indem sie den Ruder-Anfänger in ein Einer-Boot setzten, ohne Schwimmweste, ohne Neopren-Anzug und ohne Handy und ihn fernab der Gruppe allein trainieren ließen.

Starnberg: 13-Jähriger beim Rudern tödlich verunglückt

Der Wind war böig an diesem Frühjahrstag und produzierte auf dem See Wellen, die Ruder-Anfängern generell zu schaffen machen. Zwei Mädchen wurde es durch den Wellengang so übel, dass sie freiwillig das Training beendeten und nach Hause fuhren.

Widersprüchlich sind die Anweisungen, die der 13-Jährige erhalten haben soll. Angeblich sollte er vor dem Ufer seine Kreise ziehen und dann der Gruppe folgen. Der Bub wurde abgetrieben, kenterte und versuchte ans Ufer zu schwimmen – ein tödliches Unterfangen.

Leos Eltern warten auf Aufarbeitung: „Finden es unmenschlich und entwürdigend“

Die Eltern des 13-Jährigen wollen, dass das Unglück in einer Gerichtsverhandlung aufgearbeitet wird. Dabei soll festgestellt werden, wer Schuld am Tod ihres Sohnes hat. Für sie ist es unerträglich, dass kein Gerichtstermin zustande kommt. Ursprünglich sollte der Ruderunfall vor dem Schwurgericht München II verhandelt werden. Doch das Gericht war mit Mordverfahren total überlastet, so dass das Unglück ans Amtsgericht Starnberg verwiesen wurde. Doch auch hier geht es nicht weiter. „Wir finden es unmenschlich und entwürdigend, dass wir als Hinterbliebene eines Tötungsdeliktes so lange auf eine Aufarbeitung warten müssen, umso mehr, als das Opfer der Straftat unser einziges Kind ist“, sagt die Mutter im Fernsehbeitrag. Sie und ihr Mann trauern um ihren Sohn und können nicht abschließen.

Der Pressesprecher des Amtsgerichts Starnberg, Franz von Hunoltstein, hofft, dass der Prozess noch in diesem Jahr stattfinden kann. Wie rasch dann allerdings ein Urteil gesprochen wird, ist völlig unklar. Zu befürchten ist, dass es wegen technischer Fragen zum Geschehensablauf und zur Situation vor Ort immer wieder zu langen Unterbrechungen kommt. Keine rosigen Aussichten – auch für die Zeugen, deren Erinnerungsvermögen stetig weiter verblassen dürfte.

Angela Walser

Unheimliche Serie: Im Juni waren im Raum Starnberg mehrere Personen bei Badeunfällen tödlich verunglücktIm Allgäu ist ein junger Mann im Großen Alpsee tödlich verunglückt - während sein Freund alles mit ansehen musste.

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