Sie wurde nie ganz aufgebaut

Warum diese Halle den Landkreis 30.000 Euro im Jahr kostet, ist kaum zu fassen

+
Ansehnlich, aber überflüssig: So in etwa hätte die Leichtbauhalle aussehen sollen. Für das Feuerwehrzentrum hat sie sic h als unbrauchbar erwiesen.

Der Landkreis bleibt auf einer Leichtbauhalle sitzen. Eigentlich sollte sie für das Feuerwehrtechnische Zentrum verwendet werden, doch ist dieses Projekt Landrat Karl Roth viel zu teuer. 

Landkreis/Frieding – Das Feuerwehrtechnische Zentrum, das der Landkreis in Frieding errichten will, liegt auf unbestimmte Zeit auf Eis. Grund sind die Kosten. Aufgeben will Landrat Karl Roth das Projekt aber nicht – die eigentliche vorgesehene Leichtbauhalle wird für den Landkreis nun aber zu einer teuren Altlast.

Der Plan für das „Zentrum für Feuerwehr, Rettungs- und Zivilschutzwesen“, wie es offiziell heißt, sah vor, die vor Jahren während der Flüchtlingskrise erworbene, aber nie ganz aufgebaute Leichtbauhalle in Frieding neben dem dort geplanten neuen Feuerwehrhaus aufzustellen, mit einem Anbau zu versehen und sowohl als Lager als auch als Übungsstätte zu nutzen. In dem Zentrum wollte der Landkreis auch eine neue Atemschutzübungsstrecke einrichten. Zudem sollten in Frieding auch Fahrzeuge des Katastrophenschutzes stationiert werden. Das Grundstück hat der Landkreis bereits erworben.

Das Bauwerk wird zum Klotz am Bein

Architekten planten das Zentrum grob durch und schätzten die Kosten – und diese Zahl bedeutete das Ende des Vorhabens für die nächsten Jahre. 3,6 bis vier Millionen Euro sollte es kosten. „Das ist mir zu viel“, erklärte Roth, weil diese Summe unverhältnismäßig sei. Kreisbrandrat Peter Bauch sehe dies ebenso. Der Kreisausschuss votierte am Donnerstag auf Vorschlag des Landrates dafür, zwar gemeinsam mit der Gemeinde die baurechtlichen Grundlagen zu schaffen, das Zentrum aber vorerst nicht zu bauen. Die Halle, so scheint ist, kommt als Option nicht mehr in Betracht.

Damit wird das Bauwerk, das vor drei Jahren in Gauting teilweise aufgebaut worden war, endgültig zum Klotz am Bein. Der Landkreis hatte in der Flüchtlingskrise mehrerer dieser Hallen bestellt, sie sollten als Unterkünfte dienen – damit keine Sporthallen verwendet werden müssen. In Gauting hatte der Bau bereits begonnen, als das Vorhaben wegen sinkender Flüchtlingszahlen gestoppt wurde. Die anderen geplanten Hallen konnte der Kreis stornieren, die Gautinger nicht. Sie ist nicht vollständig – das Dach fehlt – und ist seither eingelagert. Als Neupreis wurde seinerzeit eine Summe von 675 000 Euro genannt. Ursprünglich sollten die Hallenteile verkauft werden, was aber nicht geklappt zu haben scheint. Bauwerke dieser Art werden normalerweise unter anderem in der Landwirtschaft eingsetzt.

Die Einzelteile liegen in einem Lager bei Kaufbeuren

Derzeit liegen die Einzelteile der Leichtbauhalle in Kaufbeuren in einem Lager – weil dort die Mietpreise niedriger sind. Trotzdem muss der Landkreis pro Jahr zwischen 25 000 und 30 000 Euro für die Einlagerung berappen. Was nun aus dem Bausatz wird, ist nach Angaben von Kreissprecher Stefan Diebl noch unklar und müsse geprüft werden.

Das vorläufige Scheitern des Feuerwehrzentrums birgt noch ein anderes Risiko: die Atemschutzübungsstrecke. Die ist nach rund 30 Jahren schlicht am Ende und gerade so noch nutzbar, nachdem sie der Landkreis hatte instandsetzen lassen. Absehbar ist, dass beim nächsten größeren Problem eine Reparatur nicht mehr lohnt – eine Anlage dieser Art kostet mehrere hunderttauschend Euro. Im Moment und auf absehbare Zeit erfüllt die Übungsanlage im Keller des Landratsamtes die Anforderungen der Feuerwehren. Den Keller hätte die Verwaltung aber gerne selbst genutzt, zumal der Anbau keinen haben wird.

Lesen Sie auch: 

Brandmeldeanlagen kosten die Feuerwehren zunehmend Nerven – wegen vieler unnötiger Einsätze. Starnbergs Kommandant fordert schärfere Kontrollen. Kreisbrandrat Peter Bauch rät Kommunen, bei vermeidbaren Auslösungen Rechnungen an die Anlagenbetreiber zu schicken. Rowdys haben derzeit Sportplätze im Landkreis Starnberg als Ziele für Schleuderpartien mit Autos auserkoren, berichtet Merkur.de*. Nach Fällen in Weßling und Breitbrunn traf es in den vergangenen Tagen Percha und Herrsching. Im Starnberger Ortsteil müssen Spiele abgesagt werden.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Seltenes Wetterphänomen: Tornado fegt über Starnberger See -  „Es war sehr schön anzuschauen“
Seltenes Wetterphänomen: Tornado fegt über Starnberger See -  „Es war sehr schön anzuschauen“
Polizei schnappt 18-jährigen Feuerteufel - er hatte schon dreimal zugeschlagen
Polizei schnappt 18-jährigen Feuerteufel - er hatte schon dreimal zugeschlagen
Aufregung am Münchner Flughafen: Mann dringt in Sicherheitsbereich ein - Terminal muss gesperrt werden
Aufregung am Münchner Flughafen: Mann dringt in Sicherheitsbereich ein - Terminal muss gesperrt werden
Nach neun Jahren Suche traurige Gewissheit: Vermisste tot aufgefunden - Kripo ermittelt
Nach neun Jahren Suche traurige Gewissheit: Vermisste tot aufgefunden - Kripo ermittelt

Kommentare