Starnberger Jagdflieger: Rätsel gelöst

Starnberg - Das Rätsel um das Flugzeugwrack, das vergangene Woche beim Ausheben einer Baugrube am Oberfeld in Starnberg gefunden wurde, ist gelöst.

Starnberg: Flugzeug in der Baugrube

Es war der Beginn des kalten Kriegs. Zwei amerikanische Jagdflugzeuge patrouillieren am 14. Juli 1947 über dem Starnberger See, voll bewaffnet mit jeweils sechs geladenen Bordkanonen. Doch dann machen die Piloten einen schweren Fehler: Die beiden Abfangjäger stoßen in der Luft zusammen! Einer stürzt bei Starnberg in eine Kuhweide. Teile des Flugzeugs Typ North American P-51 D Mustang nebst 50 Kilogramm Munition wurden dort vergangenen Dienstag in einer Baugrube gefunden. Gelöst hat das Rätsel um das Wrack des US-Jagdfliegers der Starnberger Lino von Gartzen (38), passionierter Experte für historische Flugzeuge.

„Spitzvoraus war es im Boden gesteckt“, erinnert sich Augenzeuge Wilhelm Haberer (72) aus Starnberg. Er war damals acht Jahre alt und beobachtete mit seinem Schulkameraden Fritz, wie das Kampfflugzeug abstürzte. Kurz darauf kam die amerikanische Militärpolizei mit einem Tieflader und einem Bulldozer. „Sie luden die großen Teile wie den Rumpf und die Tragflächen auf und schoben die restlichen Teile mit dem Bulldozer in das Loch und planierten es zu“, erzählt Haberer.

Der Pilot, er hieß Richard C. Briggs, konnte sich retten. Er stieg mit einem Fallschirm aus und landete auf der Schmalzhofwiese bei Pöcking. Alton Trull, Pilot der zweiten Maschine, hatte weniger Glück. Er schaffte es zwar noch, die havarierte P 51 bis zum Flugplatz Oberpfaffenhofen zu lenken. Dort allerdings überschlug sich der Jagdflieger bei der Landung. Der Pilot starb.

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Zunächst sah es nicht so aus, als sei das Rätsel um das Wrack in der Baugrube zu lösen. In den Starnberger Archiven fand sich nichts. Lino von Gartzen recherchierte beim US-Verein Aviation Archeology und fand dort den Unfallbericht. Nicht sofort, denn dort steht als Unfallort Sternberg und nicht Starnberg. „Für die Amis ist das ein verhältnismäßig leichter Tippfehler, das einzige Sternberg liegt bei Kiel, und da gibt es keinen Flugplatz Oberpfaffenhofen“, sagt von Gartzen. Von dort waren die Jagdflieger zu dem verhängnisvollen Patrouillenflug gestartet.

Susanne Sasse

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