Freistaat grätscht dazwischen

Steuergeld für die „Millionen-Wiese“ am Starnberger See: Ein fast einzigartiger Fall   

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Das Millionen-Grundstück in Leoni.

Der Freistaat will ein Baugrundstück am Ufer des Starnberger Sees in Leoni für die Allgemeinheit sichern. Ein Immobiliengeschäft mit Seltenheitswert.

Berg – Das Areal in Leoni ist ein Traum: 1500 Quadratmeter direkt am See, das Baurecht ist geregelt. Der Eigentümer hat bereits einen Käufer, da grätscht der Freistaat dazwischen und macht von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Er will das Areal für die Öffentlichkeit sichern und fünf Millionen dafür ausgeben. Am Markt bringt das Grundstück mehr als das Doppelte.

Seegrundstücke dieser Art sind bei Investoren beliebt und teuer und vor allem sehr, sehr selten. Ein 6500 Quadratmeter großes ähnliches Areal in der Gemeinde Feldafing steht gerade zum Verkauf. Ufergrundstück und Parkgrundstück, wo rund 690 Quadratmeter Wohnfläche möglich sind, sind allerdings durch einen Fußweg getrennt.

Rätselraten am Starnberger See: Wieso zahlt Söder fünf Millionen Euro für diese Wiese? (merkur.de)

„Der Stiftung ging damals viel Geld verloren“

Bergs Bürgermeister Rupert Monn erinnert sich, dass der Freistaat schon einmal ein Seegrundstück in Berg per Vorkaufsrecht erworben hat. „Das war Anfang der 1990er- Jahre. Er kaufte einen schmalen Uferstreifen an der Seestraße in Berg, der zu einem Stammgrundstück weiter drin gehörte, rund 75 Quadratmeter.“ Verkäufer war damals die Eicke-Stiftung, die sich um Alte und Bedürftige in der Gemeinde Berg kümmert. „Der Stiftung ging damals viel Geld verloren. Der Preis ist durch ein Wertgutachten wesentlich günstiger geworden“, erinnert sich Monn. Die Allgemeinheit kann nun auf einer Länge von knapp 30 Metern einen rund 2,50 Meter breiten Uferstreifen nutzen.

Ein Fall wie der in Leoni ist Monn jedoch noch nicht untergekommen. „Das ist ein einzigartiges Grundstück, unbebaut, mit einem großzügigen Baurecht und einem direkten Seezugang. Dort kann man die Füße in den See reinhängen.“

Was die Bürger rund um den Starnberger See nicht vergessen: Der Freistaat wollte die Schlösser in Allmannshausen und die Seeburg in Münsing verkaufen. „Meines Wissens stand aber der Uferstreifen damals nicht zum Verkauf“, berichtet Monn. Auch die Albers-Villa in Feldafing wollte der Freistaat verkaufen. Dort gibt es einen direkten Seezugang. Es ist allerdings nicht der einzige in Feldafing, weil der öffentliche Lenné-Park am Ufer verläuft. „Am See gibt es bei uns kaum Privatgrundstücke“, sagt Bürgermeister Bernhard Sontheim. Die Albers-Villa wolle der Freistaat inzwischen verpachten. In Pöcking ist aus der Vergangenheit kein Fall bekannt, in dem der Freistaat dieses Verkaufsrecht ausgeübt hätte, erklärte Vizebürgermeister Albert Luppart auf Anfrage.

Stadt kaufte Grundstück von Freistaat

Einen Fall, in dem der Freistaat ein Seegrundstück verkauft hat, gibt es in Starnberg. Vor gut zwei Jahren erwarb die Stadt das Areal, wo nun der Bürgerpark ist. Auf gut 10 000 Quadratmeter können die Bürger flanieren, Eis essen und den Blick auf den See genießen. „Die ersten sechs Meter am Ufer hat sich der Freistaat behalten“, berichtet Starnbergs Bürgermeisterin Eva John. Würde die Stadt in den nächsten Jahrzehnten dort etwas anderes entwickeln wollen, müsste sie einen Aufpreis nachzahlen.

Die Grundstückspreise am Starnberger See steigen seit Jahren. Die jüngsten Bodenrichtwerte des Gutachterausschusses im Landkreis sind von Ende 2016. Damals galt für Bergs Freizeitgrundstücke am See ein Richtwert von 5000 Euro pro Quadratmeter, für seeorientierte Grundstücke 1750 Euro. Wobei die Datenlage sehr dürftig war – Grundstücke in diesen Lagen sind rar und werden noch seltener verkauft. Grundstücke in Feldafing lagen bei 4000 beziehungsweise 1650 Euro, ähnlich war es in Tutzing und Starnberg. " Bayern

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