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Sehr niedriger Pegel: Mann (20) springt kopfüber in Starnberger See - danach spürt er seinen Körper nicht mehr

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Von: Veronika Mahnkopf

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Das Wasser reicht nur bis zu den Knien oder der Hüfte: Die Kreiswasserwacht warnt derzeit ausdrücklich davor, dass Sprünge in den Starnberger See derzeit lebensgefährlich sein können.
Das Wasser reicht nur bis zu den Knien oder der Hüfte: Die Kreiswasserwacht warnt derzeit ausdrücklich davor, dass Sprünge in den Starnberger See derzeit lebensgefährlich sein können. © Andrea Jaksch

Der Starnberger See führt derzeit so wenig Wasser wie seit drei Jahren nicht mehr. Das dürfte auch der Grund sein, warum sich ein Mann aus Berg (20) am Montagabend schwere Verletzungen zuzog.

Landkreis – Bei der Hitze noch mal schön abkühlen und danach mit Freunden den Abend beschließen. Für einen 20 Jahre alten Mann aus Berg endete diese Vorstellung am Montagabend tragisch. Wie die Starnberger Polizei berichtet, sprang er gegen 22.50 Uhr vom Badesteg in Percha aus in den Starnberger See. „Anschließend sahen seine Freunde den jungen Mann bewegungslos im Wasser treiben“, berichtet Hauptkommissar Kai Motschmann. „Aus diesem Grund wurde er von ihnen geborgen und an Land gebracht. Der 20-Jährige war ansprechbar, spürte seinen Körper jedoch nicht mehr.“ Aufgrund des Verdachts einer Wirbelsäulenverletzung flog ihn ein Rettungshubschrauber ins Klinikum Murnau.

Unfall bei Sprung ins Wasser: Pegel im Starnberger See 45 Zentimeter niedriger als vor einem Jahr

Nach Angaben von Oliver Jauch von der Kreiswasserwacht ist das Wasser dort derzeit nicht einmal einen Meter tief. Generell ist der Pegel des Starnberger Sees derzeit deutlich niedriger als im vergangenen Sommer. Das Bayerische Landesamt für Umwelt gab ihn gestern mit 584,03 an – 45 Zentimeter niedriger als am 19. Juli vergangenen Jahres. So niedrig war der Pegel auch schon mal im April, nachdem es längere Zeit nicht geregnet hatte. Seitdem hatte sich der Pegel zwischenzeitlich zwar um zwölf Zentimeter erholt, sank seit Anfang des Monats aber kontinuierlich wieder. „Der derzeit sehr niedrige Wasserstand liegt an der hohen Verdunstung. Dazu kommt, dass es sehr lange nicht mehr geregnet hat“, sagt Stefan Raab vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. „Das hätte der See jedoch dringend nötig.“

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Wasserwacht warnt: Ein Sprung in den Starnberger See kann lebensgefährlich sein

Oliver Jauch berichtete gestern von „mehreren Einsätzen der Wasserwachten in den vergangenen Wochen, bei denen unvorsichtige Springer medizinisch versorgt werden mussten“. Die Badegäste unterschiedlichen Alters hätten sich vor allem an den Sprunggelenken verletzt, „weil sie unterschätzten, wie schnell und mit welcher Kraft sie am Boden aufkommen“, erklärte der Sprecher der Kreiswasserwacht – und warnte: „Ein Sprung vom Steg kann lebensgefährlich sein. Beachten Sie die niedrigen Wasserstände und springen Sie nicht ins Wasser, auch wenn es sonst gefahrlos möglich erscheint.“ Im Übrigen sollte man auch bei Normalpegel nur dann ins Wasser springen, wenn man sich sicher ist, dass es auch tief genug ist und dass unter Wasser keine Hindernisse lauern.

Während die Wasserwacht mit ihren Booten bereits wegen des niedrigen Wasserstands nur sehr langsam aus einigen Bootshütten fahren kann und soweit möglich die Boote lieber hinausschiebt, ist der niedrige Pegel für die Seenschifffahrt bislang noch kein Problem. „Der Betrieb läuft normal“, sagte Geschäftsführer Michael Grießer gestern. Allerdings müssten die Passagiere beim Einsteigen und Aussteigen vereinzelt „ein gewisses Gefälle auf der Gangway“ überwinden.

Niedriger Pegel am Starnberger See: Bislang noch keine Auswirkungen auf Seenschifffahrt

Thomas Büdel, Vorsitzender des Fischereivereins Wörthsee, blickt indessen mit Sorge auf die Wasserstände des Wörthsees und des Pilsensees. „Wir warten schon seit März auf bessere Bedingungen“, sagt er. Derzeit liegt der Pegelstand des Wörthsees bei 560,29 – das sind 16 Zentimeter weniger als im Vorjahr. Beim Pilsensee fehlen sogar 27 Zentimeter. „Das ist ein wahnsinnig geringer Wasserstand“, findet Büdel. Den Fischen gehe es jedoch noch ganz gut. Sie hätten eher mit der Wärme ein Problem. „Der See ist zum Glück bis zu 33 Meter tief. Dort hat es immer sieben, acht Grad, und Renken beispielsweise können sich dorthin verdrücken.“ Für Karpfen allerdings wären Wärme und niedriger Wasserstand nicht so angenehm. Und auch der Zander reagiere empfindlich auf den mangelnden Sauerstoff durch Erwärmung.

Fischer am Starnberger See: Wir brauchen dringend Regen und Wind

In Zeiten wie diesen schauen die Fischer auch auf die kleine Schleuse bei Bachern, durch die Wasser in Richtung Inning abgeleitet wird. „Darüber wird seit Langem diskutiert“, sagt Büdel. Die Fischer würden sich wünschen, wenn die Schleuse etwas höher wäre. Die Entscheidung liegt bei Behörden wie dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim und dem Landratsamt Starnberg. „Die Sache ist schwierig. Denn das Wasser fehlt ja dann auch an anderer Stelle, wenn weniger aus dem Wörthsee abläuft“, sagt Büdel. Dieser wird ohnehin nur aus Grundwasser gespeist im Gegensatz zum Pilsensee, der 21 Zuläufe hat. So oder so: „Wir brauchen dringend Regen und Wind.“ ps/ike/hvp/lf

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