Eine Sache macht ihm Sorgen

Starnberger See: Manfred Moser campt ganz allein am Ufer - den ganzen Winter lang

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Leben auf dem Campingplatz: Manfred Moser wohnt seit 19 Jahren am Starnberger See. 

Ganz allein im ewigen Weiß: Dauercamper Manfred Moser verbringt den Winter in Wohnwagen und Zelt am Starnberger See. Nur eine Sache bereitet ihm Sorgen. Ein Besuch.

Münsing –Nur wenige Schritte vor der Haustür erstreckt sich der Starnberger See, dahinter erhebt sich majestätisch die Zugspitze. Zu hören ist nur das leise Schnattern der Enten. Was so idyllisch klingt, passt am ehesten zu einer Villa am Ufer des Sees. Weit gefehlt. Manfred Moser, der diese Aussicht und Ruhe genießt, lebt in einem Wohnwagen mit Vorzelt. Er ist Dauercamper und verbringt auch die Winter in seinem Heim auf Rädern.

Während draußen die Schneeflocken vom Himmel fallen, sitzt Moser im Warmen und freut sich über sein unkompliziertes Leben. „Seit 19 Jahren wohne ich hier draußen, und mir fehlt es an nichts“, sagt der 75-Jährige. Für die kalte Jahreszeit hat er einige Tricks entwickelt, die ihm das Leben erleichtern. „Wenn ich morgens zum Duschen die Straße hochgehe, nehme ich mehrere Plastikflaschen mit, die ich mit heißem Wasser auffülle“, erklärt er und deutet auf drei Behälter. Das benutze er dann tagsüber, um Teewasser aufzukochen und abzuspülen.

Für eine gemütliche Temperatur bullert zwischen den Zimmern ein Gasofen. „Meine einzige Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass immer genug Gasflaschen da sind“, sagt der Senior lachend. Zum Einkaufen fährt er mit dem Auto. Sein Wagen ist ihm wichtig. „So entlegen ist es nützlich, mobil zu sein, natürlich auch für Notfälle.“

Dauercamper: „Es ist ruhig, und das genieße ich“

Die anderen Dauercamper verbringen nur ihre Sommer am Ufer des Starnberger Sees. Für den Winter ziehen sie zurück in ihre Wohnungen. Als einsam würde sich der Ambacher trotzdem nicht bezeichnen. „Es ist ruhig, und das genieße ich“, sagt er. Körper und Geist haben sich aber erst daran gewöhnen müssen. Statt eines Linienbusses kommen Enten vorbei. „Man lernt, nicht ständig abgelenkt und in Eile zu sein.“

Seinen Lebenswandel beschreibt der 75-Jährige als einfach, aber gesund. Stolz zeigt er seine Obstvorräte, die auf dem Gästebett im Schlafzimmer liegen. Er trinke keinen Alkohol mehr, rauche nicht und koche gerne auf dem Gasherd im Vorzelt. Die Zeit vertreibt sich Moser ansonsten mit Lesen und Fernsehen. Im Winter begeistert ihn besonders Biathlon. Auch ausgedehnte Spaziergänge gehören zu seinen Hobbys. „Sobald man sich daran gewöhnt hat, braucht man’s und könnte ewig weiterlaufen.“

Ein wenig wehmütig wird Moser, wenn er sich an die Wirtschaft das Campingplatzes erinnert, die vor drei Jahren zugemacht hat. Sie war ein beliebter Treffpunkt und habe der Gemeinschaft auf dem Campingplatz gutgetan. „Damals haben sich noch einige im Winter hergetraut und sind ein bisschen geblieben, weil’s so nett war“, erinnert sich Moser. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Dauercamper am Starnberger See: Eine Sache macht ihm Sorgen

Ums Älterwerden macht sich der 75-Jährige ein wenig Sorgen. „Ich bin so verwöhnt mit dieser Aussicht und Freiheit. Das kann wahrscheinlich kein Seniorenheim bieten.“ Wenn er eines Tages auf Hilfe angewiesen sei, gäbe es einiges, das er vermissen werde. Aber soweit ist es noch nicht. Für kleine Wehwehchen geht er zu seiner Ärztin im Nachbarort. Die grüßt ihn manchmal vom Fahrrad aus, wenn sie auf einer Tour um den See an seinem Wohnwagen vorbeikommt.

Auch die Spaziergänger, die vor seinem Fenster vorbeigehen, kennt Moser alle mindestes vom Sehen. Mit einigen unterhält er sich dann und wann, manche kommen auf ein Getränk herein. „Ich könnte es wirklich nicht besser haben“, sagt Moser lächelnd, während er die Vögel beobachtet, die sich vorm Fenster an seinem Vogelhäuschen zu schaffen machen.

Leonora Mitreuter

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