Raphael (12) im Stich gelassen?

Segler schildern nun ihre Sicht der Dinge

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Der 12-jährige Raphael in dem Elektro-Boot. 

Starnberg – Hilflos musste Raphael mitansehen, wie ein 99-Jähriger im Starberger See ertrank. Einige Segler reagierten nicht auf die Hilfeschreie des Jungen. Nun sagen diese Segler aus.

Der erste Schultag lief hervorragend für Raphael. Seine Lehrerin ist nett, die Schüler wurden innerhalb der Klassen doch nicht so durcheinander gewürfelt wie befürchtet. Und Raphaels Freunde sind stolz auf sein mutiges Handeln am vergangen Sonntag. „Ein paar haben mich drauf angesprochen und fanden das Wahnsinn, was da passiert ist“, sagt Raphael.

Der Zwölfjährige hatte versucht, einem alten Mann das Leben zu retten. Dieser stürzte sich von Raphaels Boot aus in den Starnberger See, um zu sterben. Ein Segelboot, das in unmittelbarer Nähe seinen Runden drehte, kam dem Buben trotz dessen Rufen nicht zur Hilfe. Mittlerweile haben sich zwei der drei Segler bei der Starnberger Polizei gemeldet.

Sie schilderten dort ihre Sicht der Dinge. Bernd Matuschek, verantwortlich für die Ermittlungen der Starnberger Polizei in dem Fall, sagt: „Sie haben nachvollziehbar begründet, warum sie nicht zur Unfallstelle kommen konnten.“ Näher wollte sich Matuschek nicht äußern, um mögliche Zeugen nicht zu beeinflussen.

Nach Informationen unserer Zeitung führten die Segler, zwei Männer und eine Frau aus dem Münchner Umland, mehrere Gründe an, warum sie Raphael nicht halfen. Der Abstand zwischen dessen Boot und ihrem Segelschiff sei größer gewesen, als der Bub angab. Die Rede ist von 30 Metern und nicht von fünf. Desweiteren habe zu dem Zeitpunkt Flaute geherrscht, die Segler hätten keinen Außenbordmotor gehabt. Gute Argumente oder Ausflüchte?

Mittlerweile liegt der Fall auch bei der Staatsanwaltschaft München II. „Wir prüfen derzeit, ob es Anhaltspunkte für unterlassene Hilfeleistung gibt“, sagt Oberstaatsanwältin Andrea Titz. Dabei handele es sich um Vorermittlungen. Sie bestätigte jedoch, dass dabei die Entfernung zwischen den beiden Booten eine wichtige Rolle spielt. Dass sich die Segler freiwillig bei der Polizei gemeldet haben, wird ihnen in jedem Fall gut geschrieben. Ermittler Matuschek sagt, sonst hätte er nach einem weißen Boot auf dem Starnberger See suchen müssen. „Schwierig“, sagt er.

Der Zeitpunkt, den die Segler dazu wählten, war auch kein Schlechter. Am Dienstagvormittag meldeten sie sich bei der Polizei, wenige Stunden bevor der zwölfjährige Raphael nochmals von den Beamten vernommen wurde.

Der blieb seiner Mutter zufolge bei seiner Version der Geschichte. Die Segler seien nur wenige Meter entfernt gewesen, hätten ihn nur angestarrt und nicht geholfen.

Die Mutter des Buben glaubt nicht, dass die Ermittlungen gegen die drei Segler zu Konsequenzen führen. „Ein Zwölfjähriger widerspricht der Sicht von drei Erwachsenen“, sagt sie. „Das ist wie David gegen Goliath.“

Wichtiges Puzzlestücke in dem Fall könnten die Aussagen der Ruderclubmitglieder sein. Sie kamen dem Buben vom Ufer aus zu Hilfe. Die Ruderer sind laut Polizei aber gerade im Urlaub.

P. Wehner

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