Stadt wendet sich an Dobrindt

Starnberger Tunnel: So geht’s nach dem Ja weiter

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Tunnel-Bauer: Ministerialrat Dr. Thomas Linder (r.) von der Obersten Baubehörde und Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts. 

Starnbergs Stadtrat hat sich mit 19:12 Stimmen entschieden: Der Tunnel unter der B 2 soll gebaut werden. Bürgermeisterin Eva John will bereits nächste Woche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt anschreiben.

Starnberg – Es war kurz vor Mitternacht, als das Ergebnis einer denkwürdigen Stadtratssitzung feststand: 19 Stimmen für den sofortigen Bau des B 2-Tunnels bei gleichzeitigem Einstieg in die Planungen für eine ostferne Umfahrung (siehe Wortlaut), zwölf Stimmen dagegen. Aber was heißt „sofortiger Bau“? So sehen die nächsten Schritte aus:

Anfang nächster Woche will Bürgermeisterin Eva John über das Staatliche Bauamt in Weilheim und die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schicken. „Darin werde ich um die sofortige Baufreigabe und die Bereitstellung der Bundesmittel bitten“, sagte John gestern gegenüber dem Starnberger Merkur. „Außerdem werden wir die Vergabe von Leistungen vorbereiten, die sich damit befassen, die ortsferne Umfahrung zu realisieren“, sagte John.

Beim Staatlichen Bauamt hatte Amtsleiter Michael Kordon am Dienstagvormittag bereits die erste Besprechungsrunde in Sachen Tunnel anberaumt. Dabei beauftragte er unter anderem seine Grunderwerbsabteilung damit, den Kauf der erforderlichen Grundstücke anzugehen.

Auch Gespräche mit der Deutschen Bahn werden kurzfristig terminiert. Dabei geht es um den erforderlichen Neubau der Bahnbrücke am Seilerweg. „Die Abmessungen stehen fest, jetzt brauchen wir ein konkretes Bauwerk“, erklärte Amtsleiter Kordon gestern.

Parallel dazu nehmen die Fachleute Kontakt zu den Ingenieurbüros auf, die bis zur zwischenzeitlichen Einstellung der Tunnelpläne bereits mit dem Projekt betraut waren. Sie müssen nun die Baupläne für den Tunnel, die sechs Notausstiege und den an der Schlossbergstraße geplanten Abluftkamin detailliert ausarbeiten, also die so genannte Baureifplanung vornehmen. Auf deren Basis werden auch die Ausschreibungen für die Baufirmen formuliert. „Es hat zum Beispiel noch niemand errechnet, wie viel Stahl erforderlich ist“, sagte Kordon. Wie lange dieser Prozess dauern wird, vermag er nicht zu sagen. „Ein Jahr ist da schnell vorbei.“

Dennoch ist er zuversichtlich, dass bereits im nächsten Jahr die ersten Bagger in Starnberg anrollen werden. Was genau die Arbeiter dann in Angriff nehmen, steht aber noch nicht fest. Denkbar sind als erste Baumaßnahmen die Umgestaltungen der Kreuzungsbereiche Gautinger Straße/Uhdestraße oder Moosstraße/Perchastraße. „Da waren wir in der Planung bislang schon am weitesten.“

Eine Alternative sei, mit dem Verlegen von Leitungen entlang der B 2 zu beginnen. Telekom, Wasser, Abwasser... – alles, was dem Tunnel im Weg sein könnte, muss im wahrsten Sinn des Wortes rechtzeitig zur Seite geschafft werden. „Das würde vermutlich in verschiedenen kleinen Bauabschnitten geschehen“, sagte Kordon.

Mindestens zwei, vielleicht sogar drei Jahre dürften damit ins Land ziehen, bis der eigentliche Tunnelbau beginnt. Der überwiegende Teil des 2180 Meter langen Tunnels soll nach dem bergmännischen Verfahren hergestellt werden, also unterirdisch. Die Tunnelbohrmaschine frisst sich dabei vom Südportal (Weilheimer Straße in Höhe Franz-Heidinger-Straße) in Richtung Nordportal (Münchner Straße in Höhe McDonald’s) vor. Der Aushub soll größtenteils über das Südportal abgefahren werden.

Die Tunnelbohrmaschine ist übrigens ein Einzelstück und wird eigens für den Starnberger Tunnel hergestellt. Allein dafür ist rund ein Jahr erforderlich. Insgesamt geht Kordon nach wie vor von acht Jahren Bauzeit aus, vier davon allein für den Tunnel.

Wann dann die ersten Fahrzeuge durch den Tunnel rollen können? Im offiziellen Protokoll zu den Gesprächen einer Starnberger Delegation mit der Obersten Baubehörde im Januar heißt es wörtlich: „Aus heutiger Sicht wäre eine Fertigstellung bis 2025 realistisch.“

Aufgrund des großen Bürgerinteresses überlegt Kordon auch bereits, wie er die Starnberger mit Informationen über die Baustelle versorgen wird. Sogar ein fester Infostand ist im Gespräch. Bürgermeisterin John wird’s gerne hören. „Wir werden von Seiten der Stadt auf eine große Öffentlichkeitsarbeit drängen“, sagte sie. Wie groß das Interesse ist, hat alleine die Zahl der Zuhörer bei der Stadtratssitzung am Montagabend bewiesen: Viele der über 500 Starnberger harrten so lange aus, bis die Entscheidung um kurz vor Mitternacht gefallen war.

Der Starnberger Merkur berichtete in einem Live-Ticker aus der entscheidenden Stadtratssitzung. Hier gibt es das Protokoll des Abends zum Nachlesen. 

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