Besteigung des Nanga Parbat

Starnberger will Todesberg bezwingen

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David Göttler will nach der Besteigung des Makalu (8485 m, China) jetzt  über die Schell-Route auf den Nanga Parbat, benannt nach dem österreichischen Bergsteiger Hanns Schell.

München - Der Starnberger Extrem-Bergsteiger David Göttler will den 8125 Meter hohen Nanga Parbat in Pakistan besteigen – ohne künstlichen Sauerstoff.

Eis. Einsamkeit. Todes­gefahren. Temperaturen bis zu minus 60 Grad. Es ist, heißt es, die letzte alpine Herausforderungen: Der Starnberger Extrem-Bergsteiger David Göttler will den 8125 Meter hohen Nanga Parbat in Pakistan besteigen – ohne künstlichen Sauerstoff. Im Winter hat das noch niemand geschafft. Der Todesberg ruft! Start der dreimonatigen Expedition: heute. Das berichtet der Münchner Merkur.

Für den 35-Jährigen ist es der erste Versuch, einen Achttausender im Winter zu bezwingen. Die Tour auf den Nanga Parbat im Himalaya gilt als eine der extremsten der Welt; neben dem K2 ist es der einzige Achttausender, den noch niemand im Winter bestiegen hat. Es gab bisher 16 Versuche, alle erfolglos. „Mich reizt das Thema Winter an einem 8000er ungemein“, sagte David Göttler dem ­Onlinemagazin airFreshing. „Ich will es wenigstens einmal ausprobieren.“

Die Bayern Toni Kinshofer, Siegfried Löw und Anderl Mannhardt haben den Nanga Parbat bereits 1962 bestiegen. Hans Kammerlander gelang 28 Jahre später die erste Skibefahrung. Die Jagd nach immer neuen Rekorden – sie hört nicht auf. Göttler macht die waghalsige Tour zusammen mit der italienischen Bergsteigerlegende Simone Moro, der 2012 seine Expedition abbrechen musste. Der Italiener gilt als hartgesotten und cholerisch. Erst kürzlich war er am Mount Everest in eine Schlägerei mit Sherpas verwickelt (tz berichtete). Der Italiener fragte Göttler, ob er mit von der Partie sein wolle. Moro: „Ich werde im Winter gehen. Ja, im Winter. Weil es einfach mein Traum ist. Weil das Abenteuer nie endet.“ Göttler konnte nicht anders: Er sagte sofort zu.

Mit Konditionstraining und endlosen Bergläufen hat er sich auf das Abenteuer vorbereitet. Dennoch sind beide Extrem-Bergsteiger vorsichtig. Der Respekt vor dem Nanga Parbat ist gigantisch.

Die Erfolgschancen schätzen sie auf lediglich 15 bis 20 Prozent ein. Göttler war auch schon mit Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits unterwegs. Er ist ein erfahrener Kameramann bei Extremtouren. Auch den Weg zum Nanga Parbat wird er zusammen mit dem Dritten im Bunde, dem Italiener Emilio Previtali, mit der Kamera festhalten. Das Basislager liegt mehr als 5000 Meter unterhalb des Gipfels.

Während ihres Aufstiegs werden die drei Männer Nachrichten, Bilder und Videos ins Internet stellen. Damit die ganze Welt daran teilhaben kann – am Leiden, am Frieren und vielleicht auch am größten Triumph ihres Lebens.

Stefan Sessler

tz-Stichwort: Nanga Parbat

Der Nanga Parbat ist mit 8125 Metern Höhe der neunthöchste Berg der Erde. Der Name bedeutet „nackter Berg“ – wegen seiner fast eisfreien Krone. Er liegt im Westhimalaya im pakistanischen Teil der Kaschmir-Region. Der erste, der den Berg bezwang, war der Österreicher Hermann Buhl am 3. Juli 1953. Der Nanga Parbat gilt als extrem gefährlich: Bisher starben hier bereits 68 Bergsteiger. Einer von ihnen ist Günther Messner, der Bruder des bekannten Bergsteigers Reinhold. Im Juni 1970 brachen die Brüder auf. Bis heute ist unklar, was genau mit Günther passiert ist – möglicherweise wurde er beim Abstieg von einer Eislawine getroffen. Das Bruder-Drama wurde 2010 von Regisseur Joseph Vilsmaier verfilmt.

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