Leidensgeschichte einer 46-Jährigen

Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen

Starnberg – Dreimal ist eine 46-Jährige an Legionellose erkrankt. Arbeiten kann sie zurzeit nicht mehr. Sie macht das Gesundheitsamt und Nachbarn dafür verantwortlich – letztere beschuldigen Lena M.. Der Fall landet vor Gericht.

Lena M. (Name geändert) lebte ihren Traum. Schon vor zehn Jahren hat sich die 46-Jährige am Starnberger See eine 119 Quadratmeter große Wohnung gekauft. Hohe Decken, dicke Holzbalken, vom Balkon aus blickt die PR-Beraterin auf eine große Wiese mit zwei Pferden und hört das Rauschen eines Bachs. Fünf Minuten sind es von hier zum Starnberger See. Nachdem sie drei Mal an Legionellose erkrankt ist, ist die 46-Jährige allerdings froh, dass sie überhaupt noch laufen kann. Sie ist sich sicher: Die Untätigkeit des Gesundheitsamts und Intrigen ihrer Nachbarn im Haus haben einen gewaltigen Anteil daran.

Vor vier Jahren hat sich M. das erste Mal mit Legionellen infiziert. Sie vermutet, in der eigenen Wohnung. Beim Baden, Duschen oder Hände waschen. „Es fing an wie eine Grippe“, sagt sie. „Aber sie hörte nicht mehr auf.“ Atemnot, Gliederschmerzen, Ekzeme im Gesicht. Erst eine Reha in der Hochgebirgsklinik im Sommer 2013 in Davos bringt M. wieder auf die Beine. Währenddessen haben Handwerker Boiler und Wasserleitungen gereinigt. „Ich habe mich wieder getraut, mich unter die Dusche zu stellen“, sagt M.. Doch schon im Winter erkrankt sie erneut an Legionellose. „Dieses Mal war es noch viel extremer.“ Ihre Finger, Knie und Sprunggelenke entzünden sich. „Meine Hände sind angeschwollen wie Luftballons. Ich konnte nicht einmal mehr mit Stützen gehen.“ Ihr Arzt sagt, die Lungen-Peripherie ist komplett zerstört. Von dieser zweiten Infektion hat sie sich bis heute nicht erholt.

An einem Abend im November 2016 spürt M. Glieder- und Kopfschmerzen, entdeckt Ekzeme im Gesicht. Sie weiß sofort Bescheid: Legionellose. „Da dachte ich, ich überlebe die Nacht nicht.“ Früher ging die sportliche Frau Dressurreiten oder Segeln auf dem Starnberger See. Heute ist es ein Erfolg, wenn sie selbst zur Post gehen kann. Freunde und Ärzte hatten ihr längst geraten, die Wohnung aufzugeben. Doch so einfach ist es nicht. Mit einem Verkauf der Wohnung könnte sie sich strafbar machen, betont M.. Schließlich seien die Bakterien noch immer in der Wasserleitung. Und ihre Traumwohnung möchte sie auch nicht aufgeben. Also bleibt sie. Und kämpft.

Ihre Gegner sieht sie im Gesundheitsamt und im eigenen Haus. „Das Gesundheitsamt schläft“, sagt sie. Im Juni 2013 wurden in dem Haus das erste Mal Legionellen festgestellt. Das Gesundheitsamt stellte eine „extrem hohe Kontamination“ und eine „ernst zu nehmende Gefährdung der Gesundheit“ fest. Die nächste Probe wurde dann erst vier Monate später entnommen, kritisiert M.. Die Hausverwaltung scheue die Kosten einer richtigen Desinfektion der Leitungen. „Die chemische Reinigung einzuklagen dauert zu lange.“ Deshalb solle das Gesundheitsamt aktiv werden.

Alle erforderlichen Proben lägen vor, sagt Landratsamts-Sprecher Stefan Diebl auf Anfrage. Und weiter: „Der Eigentümer oder die Hausverwaltung ist verantwortlich, dass die Werte in Ordnung sind, Proben durchgeführt werden und Maßnahmen umgesetzt werden.“

Die übrigen Wohnungseigentümer im Haus sehen das Problem wo anders als M.. Einer von ihnen spricht von einem Labor-Befund. Der beweise, dass „der Legio-Herd ausschließlich in ihrer ,Privat-Leitung’ liegt“. Die führe von Küche zum Gäste-WC – die restlichen Hausleitungen wären demnach nicht betroffen. Über die erste Probe 2013 sagt er: „Wir führten unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung durch und hatten fortan innerhalb des gemeinschaftlichen Warmwasser-, Erzeugungs- und Verteilungssystems keine Legio-Überkontamination.“

Klarheit in dem Streitfall könnte eine heutige Beprobung im Haus geben. Könnte. Zum ersten Mal wird nach Abkappung der „Privat-Leitung“ beprobt – die Wohnungseigentümer hoffen, dass daher nun keine Legionellen mehr gefunden werden. Die Wasserfilter von M. sollen vor der Probe abgenommen, die Leitungen durchgespült werden. Doch genau damit werden die Ergebnisse verfälscht, sagt sie. Der Streit wird wohl auch heute nicht beigelegt.

Beide Seiten wollen klagen und sehen sich vor Gericht wieder. Somit geht für M. und auch ihre Nachbarn im Haus der jahrelange Albtraum in die nächste Runde.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Doppelmord von Höfen: Polizei nimmt Sohn der Pflegekraft fest
Doppelmord von Höfen: Polizei nimmt Sohn der Pflegekraft fest
Triebwerksprobleme: Boeing 737 muss in München notlanden
Triebwerksprobleme: Boeing 737 muss in München notlanden
So will Malinas Vater potenzielle Mitwisser unter Druck setzen
So will Malinas Vater potenzielle Mitwisser unter Druck setzen
Alarm im Landratsamt Ebersberg: Gebäude evakuiert
Alarm im Landratsamt Ebersberg: Gebäude evakuiert

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare