So wütend sind die Attachinger

3. Startbahn: "Eine Diktatur ersten Grades!"

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Rein rechtlich darf die 3. Startbahn gebaut werden. Dagegen protestierten gestern aufgebrachte Anwohner im Gerichtsaal.
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Korbinian Sgoff (59), Attaching: "Man schimpft über Putin, doch in Bayern haben wir genauso eine Diktatur ersten Grades! Aus Willfährigkeit gegenüber der Wirtschaft und der Politik lassen die Richter es zu, dass ein Dorf mit 1000 Einwohnern vernichtet wird. Menschenverachtend!"
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Guido Langenstück (54), Eching: "Den Richtern müsste man den Marsch blasen! Dieses Urteil ist menschenverachtend und verkennt völlig die Realität. Der ganze Prozess war ein absurdes Theater, man hielt sich an Gefälligkeits-Gutachten. Für mich ist das der Beweis, dass die bayerische Justiz nicht ganz sauber ist."
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Helga Widhopf (66), Pulling: "Als ich das Urteil hörte, hat es mir die Sprache verschlagen. Ich kämpfe schon seit 40 Jahren für die Rechte der Flughafen-Anwohner. Und nun das. Bei uns zählen offenbar nur die Lobbyisten, die Gesundheit der Menschen und die Zukunft der Kinder ist denen egal."
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Maria Wittmann (66), Freising: "Natürlich schafft der Flughafen Arbeitsplätze. Die Kehrseite: Mehr Druck auf den Wohnungsmarkt, mehr Zersiedelung der Landschaft, noch mehr Verkehr und zusätzliche Luftverschmutzung. Das betrifft nicht nur uns Anwohner, das betrifft alle Menschen in ganz Oberbayern."
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Flughafen-Chef Kerkloh wurde ausgebuht

München - 17 Klagen. Alle abgeschmettert. Die Revision: nicht zugelassen. Wut und Empörung herrschte am Mittwoch unter den Startbahngegnern.

Denn falls sie wirklich gebaut wird, droht den Menschen in Attaching die Absiedlung. „Mit dem Urteil wird das 1224 Jahre alte bayerische Dorf und damit die Heimat von 1000 bayerischen Bürgern zerstört“, sagte Franz Spitzenberger von der Bürgerinitive. Für ihre Grundstücke würden den Attachingern als Entschädigung 270 Euro pro Quadratmeter angeboten. Lediglich im Süden könnten ein paar Häuser bewohnt bleiben.

Einige der 52 per Bus angereisten Attachinger weinten gestern bittere Tränen bei der Urteilsverkündung. Gegen 12 Uhr mittags beflaggten sie ihre Häuser schwarz. Täglich 400 Landungen drohen – in je 75 bis 100 Meter Höhe würden die Flieger über die Dächer rauschen. „Dadurch wird der Fluglärm vervierfacht“, sagt Spitzenberger. Auch die Orte Eittingermoos und Berglern wären davon teilweise betroffen.

„Das Urteil bedeutet aber weder, dass sie nötig ist, noch dass sie gebraucht wird“, sagt Hartmut Binner von der Initiative AufgeMUCkt.

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Die Zahlen zum Urteil: Flüge sind eher rückläufig!

Die Bürgerinitiativen kritisieren das Urteil des VGH. Denn: Der Bedarf stehe „im krassen Gegensatz zu den über Jahre sinkenden Flugbewegungen“, sagt Franz Spitzenberger aus Attaching. Gab es im Jahr 2007 noch 431.815 Flugbewegungen, waren es 2013 nur noch 381.951, hat AufgeMUCKT-Sprecher Hartmut Binner errechnet – prognostiziert waren zwischenzeitlich für 2010 etwa 470.000 Flüge, tatsächlich waren es aber nur 390.000. In den kommenden zwei Jahren werden die Flugzahlen nochmals um 0,5 Prozent sinken – die Kapazitätsgrenze des Flughafens von 480.000 Flügen sei längst nicht erreicht. Die Flughafen-Gesellschaft selbst rechnet für 2015 dagegen mit rund 540.000 Flügen.

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