In Steinhöring

Mysteriöser Brummton raubt Anwohnern den Schlaf

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Blick auf Steinhöring. In manchen Teilen der Flächengemeinde leiden Bewohner unter einem Brummton.

Steinhöring - Plötzlich wach, der Schlafanzug ist durchgeschwitzt, der Puls hoch. Herzrasen, mitten in der Nacht - eine Tortur. Schuld soll ein Brummton sein: tief, nervig, penetrant. Auch tagsüber ist er zu hören, immer.

Seit Jahren leiden Menschen bei Steinhöring darunter. Es brummt. Leise, tief, dumpf. Im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, in der Küche, überall im Haus. Auch draußen, auf dem Balkon und im Garten, und weit um das Haus herum - eigentlich im ganzen Umland. Und das seit Jahren. Es klingt so wie der laufende Motor eines Bulldogs. Oder wie ein Lastwagen, der irgendwo in der Ferne herum fährt. Mal ist es lauter, mal leister. In der Nacht ist der Brummton fast unerträglich, er raubt Schlaf, zermürbt, und soll sogar krank machen.

Das alles berichten Betroffene. Über 30 Menschen haben sich gemeldet, sie sollen das nervige Brummen hören. Sie wohnen in und um Steinhöring, genauer: im nördlichen Gebiet der Gemeinde, in der Berger Straße, in Berg, Zaißing, Dietmehring und Abersdorf.

„Wir schlafen furchtbar schlecht“, berichtet Ludwig Linner, 76, aus Zaißing. Er klingt bedrückt. Ihn und seine Frau nimmt das elende Gebrumme richtig mit, es hält wach, belastet. „Wir hören es immer wieder“, dort im eigenen Haus. Etwa seit einem Jahr. Das tiefe Summen, es ist lästig. Auch die Tochter, die nebenan wohnt, hört’s. Linner hat das Gefühl, der Brummton, der schalle auf sein Haus „irgendwie von vorne“, sagt er.

Andere Betroffene berichten so: „Es ist, wie wenn ein Panzer in der Nähe fahren würde.“ Mit wenigen Ausnahmen hört eine Familie das leidige Brummen 24 Stunden lang. Mit wechselndem Wetter wird es mal heftiger, mal schwächer. Nachts ist der Brummton für die Familie schier unerträglich. „Zunächst kann deswegen niemand einschlafen. Dann, mitten in der Nacht, wacht man auf - oft gleichzeitig.“

Dann schießt der Puls nach oben, Herzrasen, man schwitzt. „Alles zieht sich zusammen. In der Brust, da ist ein richtig beklemmendes Gefühl von Enge, ein Druck“, sagt die Familie. Sie berichtet zudem von Unruhe und Nervosität. Besonders empfindlich sind die Kinder. „Ich habe den durchgeschwitzten Schlafanzug meiner Tochter schon zweimal pro Nacht gewechselt.“ So könne es nicht weitergehen. Drei Jahre schon hört die Familie das nervige Brummen - jetzt soll Schluss sein.

„Wir wollen die Quelle der Qual finden!“ Die haben die Betroffenen zunächst bei sich selbst gesucht, waren beim Arzt. Ein Tinnitus? Nein, das sei es nicht, wurde ihnen versichert. Dann, bereits im vergangenen Jahr, hat die Familie Fachleute angeheuert, aus eigener Tasche verschiedene Messungen gezahlt. Ein Teilerfolg: „Woher das Brummen kommt, konnte uns bisher niemand sagen.“ Doch zumindest wurde festgestellt, dass es den Brummton gibt. Verrückt scheint also niemand zu sein. Der Ton lag bei etwa 50 Dezibel. „Das ist kein Flüstern mehr!“

Georg Haas kennt sich da aus. Er ist Umwelttechniker im Landratsamt München-Land. Er hatte schon oft mit solchen Brummtönen zu tun. „Es gibt hier zwei Möglichkeiten. Wahrscheinlich handelt es sich um tieffrequente Töne, die über Luftschall transportiert werden.“ Solche Töne liegen unter 90 Hertz und erzeugen Schwingungen, sehr lange Wellen, die sich auch auf Bauwerke, also auch auf die Wohnhäuser, übertragen. „Oder: Es gibt dort Schwingungen im Boden, sehr leichte, ständige Erschütterungen“, sagt Haas.

Als Verursacher der Brummens verdächtigt der Fachmann große Pumpen, zum Beispiel für Luftwärme oder Grundwasserwärme. Oder doch ein Gasmotor? Bis zu zwei Kilometer kann der Ursprung der Brummtons entfernt sein von den betroffenen Wohngebieten. Und dort muss der Schall nicht zwingend als störend empfunden werden.

Carolin Nuscheler

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