Nach der Beerdigung in Olching

Sterben jetzt die Abi-Streiche?

Fürstenfeldbruck - Abiturstreiche - früher an allen Gymnasien gang und gäbe - werden immer seltener. Auch in Olching wurde das Thema jetzt zu Grabe getragen.

Der Grund: Die Schüler müssen sich zunehmend mit Auflagen der Schulleitung herumschlagen. Vielen ist da die Lust vergangen. Auch in Olching wurde der Abi-Streich jetzt zu Grabe getragen - bei einer symbolischen Beerdigung mit Sarg und allem drum und dran.

Am Morgen des 24. Juni 2015 versammelten sich die Abiturienten des Olchinger Gymnasiums auf dem Pausenhof, um ihrem geliebten Freund, der immer für einen Spaß zu haben war, die letzte Ehre zu erweisen. Sie trugen alle schwarz, zogen mit Trauerflor und Kerzen zu den melancholischen Klängen der Carmina Burana durch die Schule. Vereinzeltes Schluchzen war zu hören. Und wie auf einer echten Beerdigung viel Wehklagen. „Es ist so schrecklich!“, „Er ist viel zu früh von uns gegangen“ oder „Wie konnte es so weit kommen?“, hörte man von den Trauernden.

Wie im Absolutismus

So humorvoll die Inszenierung auch war, sie wirkte auch anklagend. Und das mit voller Absicht. Denn als Todesursache des Streiches hatten die Abiturienten die vielen Auflagen ausgemacht. „Die Belastung war einfach zu groß“, so eine Schülerin voll beißender Ironie. Manche witterten gar ein Komplott. Der Abi-Streich sollte sukzessive von der Bildfläche verschwinden, hieß es. Und nun wechseln die Schüler vom Beerdigungs-Theater zurück in die Realität „Es hat sich angebahnt“, sagte ein Abiturient. „Erst wurde uns verboten, Abi-Plakate aufzuhängen, dann durften wir am Tag vor dem Abi-Streich nicht auf dem Sportplatz übernachten.“ Letzteres war am Gymnasium bisher übliche Praxis. „Dann verbot man uns sogar noch das Verwenden von Wasserspritz-Pistolen - eine uralte Tradition!“

Ein Abiturient fasste das alles in einem Gedicht zusammen. In einer Strophe kann man zwischen den Zeilen herauslesen, gegen wen sich der Groll der Absolventen richtet. Da heißt es: „Verbote, Wahnsinn und Zensur / Abi-Plakate sag ich nur / Nach guter alter Reichs-Manier: / Absolutismus ham wir hier.“ Klare Kritik an der Linie der Schulleitung. Nach der Beerdigungszeremonie fanden trotzdem noch einige lustige Spielchen mit den Lehrern und Schülern statt.

Das Wasserverbot

Auflagen von der Schulleitung bekamen auch die Gröbenzeller Gymnasiasten. So wurde die Verwendung von Wasser im Schulhaus im Vorfeld verboten. Doch die Abiturienten ließen sich ihren Streich davon nicht vermießen. Er fand in der Turnhalle statt. Unter anderem musste Schulleiter Hermann Baumgartner mit seinem Stellvertreter ein Tänzchen wagen.

Eine Organisatorin zeigt sogar ein gewisses Verständnis für Auflagen, auch wenn sie manchmal übertrieben seien - etwa das Wasserverbot.

„Dieses Jahr haben die Schüler sogar darum gebettelt, dass wir ihnen Wasser über den Kopf schütten.“ Direktor Baumgartner hat beobachtet, dass sich Abi-Streiche generell ein wenig geändert haben. „Früher war noch mehr Kritik an der Schule dabei.“

Dass sich Schüler und Schulleitung vorher absprechen, sei schon immer Usus gewesen. Der Begeisterungs-Rückgang hänge auch mit dem G 8 zusammen. „Die Belastung in der Oberstufe ist vielleicht der Grund, dass es ein wenig abfällt.“

Strenge Eltern

Am Viscardi-Gymnasium in Bruck gehören Abi-Streiche ganz der Vergangenheit an - und das just seit dem achtjährigen Gymnasium. Schulleiter Walter Zellmeier: „Ich habe den Eindruck, dass die Schüler dermaßen beschäftigt sind mit ihren Abi-Vorbereitungen, dass Zeit und Lust fehlent.“ Abiturientin Nicole Asbeck erklärt es so: „Die Stufe ist arg unmotiviert und wir haben auch nicht viel Geld.“

Als ziemlich streng empfand Xenia Nikolakopoulou (18) auch die Auflagen am Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering. Wasserschlachten oder Hüpfburgen - nicht erlaubt. Das traditionelle Abiturienten-Lehrer-Fußballturnier - vor Jahren wegen Verletzungsgefahr eingestellt. „Die Direktoren wären nicht so streng, wenn sich die Eltern nicht über alles beschweren würden.“

Am Max-Born, ebenfalls in Germering, steppte unterdessen der Bär, inklusive Wasserschlacht. Der Schulleiter wurde sogar mit Eiswasser übergossen.

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