Reaktionen vom Münchner Flughafen

Stewardess nach Germanwings-Absturz: "Ich blende das aus"

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Flugzeug als zweites Zuhause: Stewardess Eliana M..

München - Die Germanwings-Katastrophe in Südfrankreich war am Montag auch am Münchner Flughafen allgegenwärtig. Die tz hat sich vor Ort umgehört.

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Reges Treiben herrscht in den Terminals am Münchner Flughafen. Es ist fast so, als sei der schreckliche Flugzeugabsturz einer Germanwings-Maschine über den französischen Alpen mit 150 Toten nie passiert. Doch fragt man nach dem Gefühl, mit dem einige in den Flieger steigen, wird klar: die Tragödie ist allgegenwärtig.

„Einfach nur tragisch“, sagt Bernd H. Der 52-jährige technische Leiter ist Vielflieger. „Ich bin auf Kurzstrecken quer durch Europa unterwegs.“ Nach dem Absturz des Airbus A320 wird dem Österreicher klar: „Das könnte mir auch zustoßen. Jederzeit!“ Dann passiert er die Sicherheitskontrolle Richtung Berlin.

Als Vielflieger durch Europa ist Bernd H. ständig in der Luft

Wir machen uns auf die Suche nach Flughafenpersonal. Eine Mitarbeiterin gibt uns Einblicke in ihre Gefühlswelt, will aber anonym bleiben — verständlich! „Wir müssen Haltung bewahren. Innerlich sieht‘s ganz anders aus. Unsere Aufgabe ist es, die Fluggäste zu beruhigen.“ Gut möglich, dass Angehörige von Passagieren der Unglücksmaschine auch in München warten. „Vielleicht gab es Anschlussflüge von Düsseldorf nach München.“ Ihre größte Angst: „Familien über den Tod ihrer Liebsten zu informieren. In der Ausbildung wird das thematisiert, aber mit dem Ernstfall hat man keine Erfahrungen.“

Ciprian S. hat von dem Absturz eben erst erfahren. „Das ist eine Katastrophe“, entgegnet uns der rumänische Ingenieur. Der 31-Jährige fliegt in seine Heimat und gesteht: „Ich steige mit einem sehr mulmigen Gefühl ins Flugzeug. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass sich am selben Tag so ein Unglück wiederholt?“ Sein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen. „Erst letztes Jahr habe ich einen Freund bei einem Unfall verloren. Nachvollziehen kann ich die Trauer also schon.“

Bis zu fünf Kurzstreckenflüge an einem Tag absolviert Eliana M. Als Stewardess ist das Flugzeug ihr zweites Zuhause. „Das ist unser Job und da entwickelt man Routine. Ich würde lügen wenn ich sage, dass mich das schreckliche Ereignis nicht berührt“, erklärt die 28-Jährige Italienerin. Gerade bei europäischen Fluggesellschaften, bei denen derart hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, rechnet man nicht mit einem Absturz, meint M. „Aber ich blende das aus, ansonsten müsste ich mir einen anderen Beruf suchen.“

Die Polizei hat auch am Münchner Flughafen eine Auskunfts- und Vermisstenstelle eingerichtet. Seit gestern ist für Anfragen von Angehörigen die Telefonnummer 0800/7766350 freigeschaltet. An die Vermisstenstelle sind mehrere Flughäfen angeschlossen. Sie soll Informationen von Angehörigen möglicher Absturzopfer sammeln. Wichtig: Die Nummer ist ausschließlich für besorgte Angehörige freigeschaltet.

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Johannes Heininger

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