Buale darf Leben: Stier wird Gnade gewährt

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Der Stier "Buale" muss nicht zum Schlachter. Das hat er einem Ehepaar zu verdanken.

Kirchdorf - In dieser Woche hätte sein Leben ein Ende gefunden – wenn es nach seinem Besitzer, Landwirt und Gastronom Benedikt Schuhbauer aus Kirchdorf gegangen wäre. Doch nun wurde dem Galloway-Stier „Buale“ Gnade gewährt. Seine weiße Fellfarbe spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Behäbig kommt „Buale“ über den Hang gelaufen. Auf die Rufe von Herrchen Benedikt Schuhbauer hört der 700 Kilo schwere Galloway-Stier ganz genau – vor allem wenn der Zweibeiner etwas leckeres zu Essen dabei hat. Zufrieden schleckt der Stier das Salz, dass Schuhbauer ihm in einer Schüssel hinhält. Zwischendurch schaut der mächtige Vierbeiner gemütlich in die Runde, ganz so als wolle er sagen: „Schaut her, mir geht’s richtig gut.“ Und damit hätte der dreijährige Bulle wahrlich Recht. Denn: In dieser Woche wäre sein Leben eigentlich beendet gewesen, er hätte zum Schlachter gemusst. Das Fleisch der Tiere ist mit diesem Alter am zartesten und sehr gefragt. Doch „Buale“ darf in seiner gewohnten Umgebung bleiben, bei seiner Herde. Die Kirchdorfer Raymund Lösch und seine Frau Monika Mötlgen-Lösch haben die Patenschaft für das Tier übernommen und es damit vor dem Schlachter gerettet. Und das kam so:

In der vergangenen Woche saßen Benedikt Schuhbauer und Raymund Lösch beim Stammtisch. Dort erzählte der Wirt, dass „Buale“ in dieser Woche geschlachtet werde. Doch Lösch redete ihm das gleich aus: „Das kommt nicht in Frage. Damit machst Du Dich zum Feind meiner Frau.“ Doch nicht nur die hat ein besonders großes Herz für den weißen „Buale“. „Eigentlich hat er das Herz aller Frauen im Ort erobert“, erzählt Lösch schmunzelnd. Und deshalb war es für ihn und seine Frau Ehrensache, die Patenschaft für das Tier zu übernehmen. Noch am selben Abend wurde eine Kaufsumme im unteren vierstelligen Bereich vereinbart – über die genaue Höhe schweigen sich beide Seiten aus. Das Ehepaar kommt zudem künftig für Futter und Tierarztrechnungen auf. Ein Handschlag der beiden Männer besiegelte die Abmachung.

Bereits am nächsten Tag stand das Ehepaar bei Schuhbauer vor der Tür, um das Geld zu überbringen und alles weitere zu regeln. „Zunächst war ich etwas stutzig, dachte es wäre am Abend zuvor eigentlich nur ein Witz gewesen“, erzählt Schuhbauer im Nachhinein. Doch die Löschs meinten es ernst. Schuhbauer stimmte zu, die Patenschaft war perfekt und „Buales“ Lebensabend gerettet.

Doch warum hat es der weiße Stier den Löschs so sehr angetan? Die Antwort ist ganz einfach: Das Tier hat ein weiches, weißes Fell. Struppige Locken, die ihm einen leicht verwegenen Blick geben, zieren den Rücken und die Nase. Die schwarzen Ohren, schwarzen Hufe und die ebenfalls schwarze Nasenspitze tun ihr übriges im Erscheinungsbild des Bullen. „Er sieht einfach kuschelig aus“, sagt Monika Möltgen-Lösch. Dabei ist die weiße Farbe keine Laune der Natur: „Das ist eine eigene Rasse, so genannte White Galloways“, erklärt Schuhbauer. Aber es gibt noch einen anderen Gund, warum der Stier in Kirchdorf so geliebt wird: Er kümmert sich rührend um seine sechs Monate alte, ebenfalls schneeweise Tochter. Diese säugt zwar bei der Mutter – übrigens ein rabenschwarzes Galloway-Rind – ansonsten verbringt sie die gesamte Zeit bei ihrem Vater. Beide weichen sich nicht von der Seite. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass beide die selbe Fellfarbe haben“, vermutet Lösch, der Biologie studiert hat.

Statistiken zufolge hat „Buale“ noch rund 17 Lebensjahre vor sich, die er nun wohlbehütet auf der rund drei Hektar großen Weide verleben darf. Und Besuch wird er dort genügend bekommen, denn eine Attraktion ist der Stier schon in der Ampertalgemeinde. Auch die Löschs werden „Buale“ regelmäßig besuchen und schauen, wie es ihm geht. Und neben dem Futter darf da eines nicht fehlen – die täglichen Streicheleinheiten.

Simone Werner

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