Unterhaching färbt Fahrbahn ein

Straße angestrichen: Anwohner sehen rot

Die Anwohner der Ter-Meer-Straße haben die Schnauze voll: (v.l.) Günter Müller, Wolfgang Wenger, Rudolf Zunhamer, Ingrid Köberl mit Tochter Vanessa (10), Wilhelm Zeitler und Dieter Engelsmann verstehen nicht, warum die Gemeinde Unterhaching einen 25 Meter langen Fahrbahnabschnitt rot eingefärbt hat.

Unterhaching - Seit zwei Wochen ist die Ter-Meer-Straße in Unterhaching kaminrot. Die Anwohner sind empört. Welchen Sinn hat der rote Belag?

Ingrid Köberl wohnt direkt an der Kreuzung Ter-Meer-Straße, Alfred-Lingg-Straße in Unterhaching. Als die Kindergärtnerin eines Abends von der Arbeit nachhause kam, traute sie ihren Augen kaum: Die ganze Straße – kaminrot. „Mich hätte bald der Schlag getroffen“, sagt Köberl. Sie hatte sich am Morgen schon gewundert, was die Straßenarbeiter da vor ihrer Haustür abkleben. „Damit hab’ ich wirklich nicht gerechnet.“ Auch die Kinder fänden das Rot scheußlich. „Am liebsten würde ich es mit dem Hammer weghauen“, sagt Tochter Vanessa (10).

Dieter Engelsmann wohnt schräg gegenüber. „Vielleicht ein Scherz von unserem SPD-Bürgermeister Wolfgang Panzer zum 150-Jährigen seiner Partei“, sagt er. Zum Lachen ist ihm nicht. „Oder doch der Beginn eines Rotlicht-Viertels?“, vermutet Anwohner Wilhelm Zeitler. „Dann brauchen wir nur noch rote Straßenlaternen.“ Auch Zeitler hat nicht den Hauch eines Lächelns auf den Lippen.

Keiner der Anwohner findet den rund 25 Meter langen roten Teppich, der jetzt ihre Straße ziert, besonders komisch. „Ein Streifen, um den querenden Fahrradweg zu kennzeichnen, ok“, sagt Anwohner Wolfgang Wenger. „Aber die ganze Straße rot einfärben – was soll das bringen?“ Und was hat der Streifen für verkehrsrechtliche Konsequenzen?

Keine, sagt Simon Hötzl von der Gemeindeverwaltung. „Am Vorrang für Autofahrer ändert die Markierung nichts.“ Sie solle als Warnung verstanden werden: Achtung, hier queren Fußgänger und Fahrradfahrer die Fahrbahn. Die Größenordnung sei genau so beabsichtigt gewesen. Sie solle den Grünstreifen kennzeichnen, der sich durch das Viertel zieht.

Und damit nicht genug: Weitere rote Teppiche selben Ausmaßes sind in der Carl-Duisberg-, der Willmanns- und der Andresenstraße geplant. Das steht im Bebauungsplan. Simon Hötzl versteht die ganze Aufregung nicht: Der Bebauungsplan war Thema in mehreren Gemeinderatssitzungen, sagt er. „Schon Anfang Dezember 2011 habe ich in der Anliegerversammlung darauf hingewiesen.“

Und wer bezahlt die rote Straße? Die Anwohner, zu rund 80 Prozent. Die Straßen des Viertels sind allgemein neu gemacht worden. Was die Rotfärbung im einzelnen kostet, kann Hötzl noch nicht sagen. „Zumindest haben wir auf die geplante Erhöhung verzichtet. Die wäre um einiges teurer gewesen.“

Zusätzlich zur Straßenerneuerung hat es auch noch LED-Lampen gegeben – die ersten in Unterhaching. „Das hat das Fass vollgemacht“, sagt Anwohner Engelsmann. Ein ganz unangenehmes, grelles, kaltes, weißes Licht sei das. „Wie in einem Industriegebiet.“ Die rote Straße leuchte in dem Licht auch nachts besonders schön. Er könne jetzt im Bad um Mitternacht Zeitung lesen, sagt Zeitler.

Man habe sich bei der Beleuchtung für die billigere Variante entschieden, informiert Hötzl. Daher sei eine Farbänderung nicht möglich. Über eine Dämmung werde nachgedacht. „Da sind wir dran“, verspricht der Gemeindemitarbeiter.

Die Anwohner besänftigt das alles nicht. Sie sehen weiterhin rot. „Was bleibt uns auch anderes übrig bei der Straße?“, sagt Ingrid Köberl. „Und von wegen Verkehrssicherheit“, sagt Engelsmann. „Die ganze Zeit, in der wir hier stehen, kam kein einziges Auto.“

Der Termin dauerte etwa eine Dreiviertelstunde und tatsächlich: kein Auto. Nur die Katze der Familie Köberl wollte über die Straße, traute sich aber nicht. „Da sehen Sie’s“, ruft Köberl triumphierend, „selbst die Katze mag die rote Straße nicht.“

Klaus-Maria Mehr

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