Pyramide stürzt ein

Tänzerin nach Bubenstreich schwer verletzt

Fahrenzhausen - Tragisches Ende eines dummen Bubenstreichs: Weil vier Jugendliche (alle 14) die Hallenbeleuchtung ausgeschaltet haben, stürzt eine Gardetänzerin (22) aus einer Formation fünf Meter in die Tiefe und verletzt sich schwer.

Ihr Brustwirbel und ihr Zeh sind gebrochen, das Schulterblatt angeknackst, die Wirbelsäule geknickt: Eine 22-jährige Gardetänzerin des Faschingsvereins Kammerberg-Fahrenzhausen muss Silvester auf der Intensiv-Station des Klinikums Schwabing verbringen. Sie wurde bereits an der Wirbelsäule operiert. Ob eine zweite OP nötig ist, wird sich herausstellen. Es ist das schlimme Ende eines dummen Streichs von vier Jugendlichen am vergangenen Freitagabend.

Die Fasching-Tanzgarde probt in der Grundschul-Turnhalle in Fahrenzhausen. Die Mitglieder formieren sich gegen 21.40 Uhr zu einer fünf Meter hohen Pyramide, die nun abgebaut werden soll. Trainerin Marion Schranner gibt das Kommando, die oberste Gardistin lässt sich fallen, soll von den Armen einiger männlicher Gardetänzer aufgefangen werden. Doch in diesem Moment geht das Licht aus. Die 22-Jährige stürzt ins Dunkel und schlägt auf dem Hallenboden auf. Sie verletzt sich schwer am Rücken, bekommt kaum Luft. Die Gardisten verständigen den Notarzt. Ein Rettungswagen bringt die junge Frau in ein Münchner Krankenhaus.

Derweil machen sich andere Garde-Mitglieder auf die Suche nach dem Quartett, das beobachtet worden war, als es die Turnhalle verlassen hatte. Sie suchen die nähere Umgebung ab, finden einen der Jugendlichen und übergeben ihn der Neufahrner Polizei. Die Beamten machen dann die drei anderen ausfindig. Die 14-Jährigen räumen die Tat ein. Neben einem Strafverfahren wegen Körperverletzung werden auf sie auch Schadensersatzforderungen einschließlich Schmerzensgeld zukommen, meldet die Polizei.

„Es war wie in einem schlechten Krimi. Wir alle sind noch geschockt“, sagt Trainerin Marion Schranner. Sie hat mit der Verletzten telefoniert. „Sie ist auch geschockt und hat es noch nicht ganz realisiert. Sie ist furchtbar traurig, dass sie nicht mehr mittanzen kann und hat natürlich Schmerzen.“ Die 22-Jährige war das zweite Jahr bei der Garde, sie sei sehr talentiert und habe besonders bei den Hebefiguren geglänzt, sagt Marion Schranner. „Beim Training hatte immer alles wunderbar funktioniert. Die Pyramide war auch schon im vergangenen Jahr Teil des Auftritts. Sie hat immer zu 100 Prozent geklappt.“ Nun musste das Programm für den Inthronisationsball des Faschingsvereins Kammerberg-Fahrenzhausen am 10. Januar geändert werden. Die Garde musste auf einige Figuren verzichten. Die Zeit ist knapp, es bleiben noch eineinhalb Wochen zum Üben, „da stoßen wir an unsere Grenzen“.

Marion Schranner kann sich das Verhalten der Jugendlichen, die sie nicht kennt, nicht erklären: „Ich habe keine Ahnung, wie sie auf die Idee gekommen sind.“ Die 23-Jährige leitet die Garde seit 2010, die Halle sei bei den Proben nie abgesperrt gewesen, das sei ja auch nicht üblich. „In Zukunft werde ich aber zusperren.“

Teresa Pancritius

Rubriklistenbild: © dpa

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