Bei Pullach

Streit um geplante Baumfällungen am Isarhochufer

Pullach - 500 Bäume sollen im Hochleitenwald am Isarhochufer bei Pullach gefällt werden. Die Aktion der Bundesforsten ist umstritten. Jetzt wurde sie aufgrund der Witterung bereits zum zweiten Mal verschoben.   

Die Fällungen in dem Wald zwischen Waldwirtschaft, Burg Schwaneck und BND sollten eigentlich schon vor ziemlich genau einem Jahr stattfinden. Sie wurden verschoben, weil der Winter zu mild und damit der Boden mangels Frost zu weich war, um mit dem schweren Gerät in den Wald vorzurücken. Die Maschinen würden so den Forstboden schädigen, das wollte man ausschließen. Auch heuer wird es erst einmal nichts mit dem geplanten Holzeinschlag, wie der Bundesforstbetrieb per Pressemitteilung am Freitagabend mitteilte - aus exakt dem gleichen Grund.

Maßnahme verschoben - aber nicht vom Tisch

"Die für die Jahreszeit zu warme und feuchte Witterung" lasse "erneut keinen Maschineneinsatz zu. Somit kann der für die nachhaltige Pflege des Waldes bedeutsame Eingriff nicht wie angekündigt am 26. Januar beginnen", heißt es in dem Schreiben. Auch für die nächsten Wochen seien laut Wetterprognose keine günstigeren Verhältnisse zu erwarten. Die Maßnahme sei damit aber nicht vom Tisch und soll bei passender Gelegenheit nachgeholt werden.

Die geplanten Fällungen sind umstritten

Am Freitag erklärte der Bundesforstbetrieb auch noch einmal den Zweck der Aktion, denn die ist stark umstritten. In einer Online-Petition setzen sich mittlerweile knapp 15.000 Unterzeichner dafür ein, die Fällung zu verhindern und damit die Bäume zu retten.

Die Gegner bezeichnen die geplante Aktion als "Baummassaker" und  "vielfach überzogen". Sie kritisieren, dass es um eine wirtschaftliche Nutzung des Waldes gehe. Gerade so nah an einem Ballungsraum solle aber die Erholungsfunktion Vorrang vor der wirtschaftlichen Nutzung haben. Außerdem sei der Hochleitenwald bereits ein stabiler Mischwald und ein wichtiges Naturrefugium.   

Die Bundesforsten bezeichnen die Vorwürfe als "Falschdarstellung". Die Maßnahme diene "einzig und allein dem Ziel, den Wald auf der Isar-Hochleiten in einen strukturierten, ökologisch wertvollen und dauerhaften Buchen-Edellaubholz-Bestand zu überführen." Durch die Auflichtung vor allem dort, wo hauptsächlich Fischten wachsen, komme mehr Licht an den Boden, und andere Bäume hätten mehr Platz. So werde die natürliche Verjüngung des Waldes gefördert. Fehlende Baumarten, wie die Weißtanne, sollen für mehr Artenreichtum im Wald neu gepflanzt werden. Höhlenbäum und Totholz, die als Habitat für viele Tierarten dienen, sollen wo immer möglich erhalten bleiben.

Naturnahe Umgestaltung des Waldes

Diese Argumentation hat selbst den SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn überzeugt, der sich in der Vergangenheit leidenschaftlich gegen die Fäll-Aktion engagiert hatte. Nach einem Ortstermin mit den zuständigen Förstern vor gut einem Jahr, bei dem, wie er sagte, die ganze Aktion genauestens erklärt wurde, änderte seine Meinung. "Es geht hier um eine naturnahe Umgestaltung des Waldes", sagt von Brunn. Aus dem Wald solle ein klimaresistenter Mischwald werden, der sich so selbst verjüngen kann und dessen Baumbestand auch Stürmen standhalten kann. Die Bundesforsten hätten außerdem vorbildlich aus der Kritik gelernt, ihre Informationspolitik stark verbessert und seien auf viele Kritikpunkt von damals eingegangen. "Mein Eindruck ist, dass hier sehr sensibel sowohl auf die Funktion als naturnaher Wald als auch als Erholungswald eingegangen wird", so von Brunn. "Natürlich sind das viele Bäume, aber von einem Kahlschlag kann man hier nicht sprechen", so von Brunn. "Und dass das irgendwann gemacht werden muss, ist nicht von der Hand zu weisen". 

Die Kritiker der Fällung scheinen noch nicht ganz überzeugt zu sein. Kurz vor dem eigentlich geplanten Termin am 26. Januar regte sich noch einmal großer Widerstand. Der ist ja nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Streit um den Hochleitenwald wird also scheinbar so schnell nicht beigelegt.  

Myriam Siegert

Rubriklistenbild: © dpa

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