Gestüt wird zum Streitfall

Hü oder Hott: Was wird aus Isarland?

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Das Gestüt Isarland - hier auf einem Foto aus dem Jahr 2011. Seit dem vergangenen Jahr ist die Einrichtung geschlossen.

München - Der Verkauf des städtischen Gestüts Isarland am Starnberger See droht zur Belastungsprobe für das rot-grüne Rathaus-Bündnis zu werden. Soll es eine Therapieeinrichtung werden oder steht das Geld im Vordergund?

Die Grünen wollen (wie auch die Rathaus-CSU) das Gelände an den Deutschen Tierschutzbund verkaufen, der dort eine Therapie-Einrichtung einrichten will. Für die Rathaus-SPD steht dagegen die wirtschaftliche Verwertung im Vordergrund. Hü oder Hott?

Der Streit um das Gestüt bei Starnberg schwelt schon seit 2011. Das Revisonsamt hatte moniert, dass der Münchner Verein zur Förderung der Pferdezucht , der traditionell aus Mitgliedern des städtischen Kommunalausschusses bestand, seit 1990 keine Pacht mehr für das 75-Hektar-Areal bezahlte hatte. Der Stadtrat beschloss, 41 Hektar der Koppeln und Felder sowie die denkmalgeschützten Gebäude zu verkaufen.

Datrauf meldeten sich 15 Bewerber, darunter die Besitzer der Großmetzgerei Vinzenz Murr, Baron Helmut von Finck sowie der Circus Krone. Das höchste Gebot hatte nach tz-Informationen der Betreiber eines Reiterhofes in der Nähe abgegeben, der seine Flächen erweitern möchte. Das Gebot lag allerdings angeblich immer noch ein Drittel unter den 3,5 Millionen Euro, auf die das Kommunalreferat den Wert der Immobilie schätzt. Darum beschloss der Stadtrat im November, die Ausschreibung aufzuheben und nochmals mit den Interessenten zu verhandeln. In der Zwischenzeit hatte auch der Tierschutzbund Interesse angemeldet. Der möchte im Gestüt ein Pferdeschutz- und Informationszentrum einrichten, in dem Reittherapie angeboten wird. Außerdem sollen dann Ausbildungs- und Arbeitsplätze für 20 Behinderte entstehen.

Grüne und SPD sind sich nicht einig

Grünen-Stadtrat Florian Vogel zur tz: „Die Stadt sollte dem Tierschutzbund den Zuschlag geben und nicht nur das höchste Gebot zum Zuschlag kommen lassen.“ Die Pferdetherapie und Beschäftigung von Behinderten würde eine kommunale Aufgabe erfüllen. „Das würde ein privater Reiterhof sicher nicht“, so Vogel.

Doch SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält dagegen: „Die Stadt ist verpflichtet, ihr Vermögen nicht unter Wert zu verkaufen.“ Eine Ausnahme wäre nur dann möglich, wenn die Nutzung dann einen kommunalen Zweck erfülle. Reissl: „Den kann ich aber bei der angestrebten Nutzung durch den Tierschutzbund nur bedingt erkennen.“

Johannes Welte

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Kommentare

Gast
(3)(0)

Es ist erschreckend, dass die SPD als Partei mit dem schönen Begriff "sozial" im Namen immer noch gegen einen Verkauf an den Tierschutzbund ist. Hier wird ein unfassbar schönes Areal für uns Bürgerinnen und Bürger erhalten, in dem man an eine Organisation verkauft, die sich mit ihrem Konzept verpflichtet alles so zu erhalten, wie es in den letzten Jahrzehnten immer war. Kein Hotel, keine Wohnungen und kein plötzliches Bauen in den nächsten Jahren mit Hilfe eines rechtlichen Schlupfloches...

Dazu werden Schulen und Kindergärten ausgebildet, Menschen mit Behinderung finden eine neue Heimat und werden integriert und das Beste für alle Pfennigfuchser: die Stadtkasse nimmt einen Millionenbetrag ein. Ganz zu Schweigen von den Beträgen, die sich die Stadt München durch dieses Projekt des Tierschutzbundes Jahr für Jahr bei der Integration von Menschen mit Behinderung spart. Ich kann es nicht fassen, wie man da auf Seiten von Ude & Co. noch überlegen kann!!! Das höchste Ziel der Politik ist das Gemeinwohl!
Das steht über allen anderen Zielsetzungen. Also los Herr Ude, es wäre schön, wenn Sie für uns das Gemeinwohl im Blick hätten:

* Isarland für die Öffentlichkeit erhalten
* Ausbildungs - und Bildungsangebot
* Integration von Menschen mit Behinderung
* kontinuierliche Entlastung des Haushaltes durch Übernahme städtischer Aufgaben durch den Tierschutzbund und die beteiligten Verbände
* Tierschutz

Und was manche "Kritiker" hier schreiben kann keiner nachvollziehen. Ich muss meinem Vorschreiber Recht geben. CSU und die Grünen haben endlich erkannt, welche Möglichkeiten sich bei einem Verkauf des Gestüts an den Tierschutzbund bieten.

S.M.
(2)(0)

Kenne niemand, der das Areal kennt, der für den Verkauf an eine Privatperson ist und radle dort oft durch. Das zeigt auch die Unterschriftensammlung, die vor längerer Zeit lief. Und Grüne und CSU kann man nicht genug loben, hier eine wichtige Landschaft für alle zu erhalten. Die contra Kommentare hören sich an, als seien sie von Interessenten selbst gepostet??? Zumindest von Nicht-Informierten: Der Tierschutz zahlt und übernimmt zusätzlich Aufgaben der Stadt München: Ausbildung von Behinderten, also bekommt die Stadt zusammen addiert deutlich mehr als die Zahlen, die im Raum stehen, lt. Zeitungen. Und tut viel auch für ihre anderen Bürger, die hier ihre Freizeit genießen. Bevor man schreibt, sollte man sich mal umfassend informieren. Der Tierschutz hat viele tolle und unterstützenswerte Pläne. (Nix mit Hund und Katz und Zuschuss). Wie da eine „sozial“ eingestellte SPD dagegen sein kann, ist unfassbar. Ob die weder Behinderte und deren Zukunft noch ihre Bürger und deren Wünsche und Bedürfnisse interessieren? Und wie können sie das Geld weg werfen, das ihnen der Tierschutz bietet? Bei Verkauf an privat verliert die Stadt und der Steuerzahler zahlt langfristig drauf, nämlich die Ausbildung der Behinderten, na danke! Bin eigentlich pro SPD, aber fasse nicht, was hier läuft.

A.S.Antwort
(3)(0)

Erst informieren, dann reden ...
Der deutsche Tierschutzbund hat, wie hier schon mehrfach erwähnt, ein umfassendes Konzept mit den Behindertenverbände in München und Umgebung erarbeitet. Darunter fällt auch die Möglichkeit, dass Menschen mit Behinderung auf Isarland eine Berufsausbildung erhalten, die es so in Deutschland noch nicht gibt. Und die angesprochenen Wohnung werden ausschließlich zur Unterbringung von menschen mit Behinderung genutzt. Es geht also weit über therapeutische Reiten hinaus ...
Experten aus ganz Deutschland bezeichnen das Konzept als wegweisend ...
Aber natürlich ist es viel besser, wenn ein wohlhabender Investor das Gestüt kauft, um dort einen kurzen Zeitraum auf die Änderung des Bebauungsplans zu warten und dann zum großen Bauleiter zu werden, oder?!