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„Inakzeptable Provokation“: Streit um Veranstaltung für Geflüchtete gipfelt in Hausverbot

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Von: Andreas Jäger

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Die Besucher des Festes waren hauptsächlich Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine
Die Besucher des Festes waren hauptsächlich Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine © Andreas Jäger

Es sollte ein Friedensfest werden, doch die geplante Veranstaltung gipfelte in einem Streit zwischen einer Flüchtlingshelferin und der Freien Evangelischen Gemeinde in Schongau. Ein Fest gab es trotzdem.

Schongau – Am vergangenen 6. Januar wurde in Ländern mit orthodoxem Glauben wie in der Ukraine Weihnachten gefeiert. Zu diesem Anlass plante eine Schongauer Flüchtlingshelferin (Name soll nicht genannt werden), für die nach Schongau geflüchteten Ukrainer eine Weihnachtsfeier zu organisieren.

Die Flüchtlingshelferin, selbst Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde in Schongau, fragte laut eigenen Angaben daher bereits Mitte Dezember die Kirchengemeinde an, ob die Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten stattfinden könne. „Dieser Anfrage sind wir nach kurzen Absprachen einstimmig und gerne nachgekommen. Die Initiative in dieser Richtung wollen wir gerne unterstützen und wertschätzen“, antwortete die Freie Evangelische Gemeinde der Organisatorin des Festes per Mail, die der Redaktion vorliegt.

Geflüchtete verschiedener Nationalitäten waren zu Weihnachtsfest eingeladen

In einem von ihr geleiteten Integrationskurs sprach die Flüchtlingshelferin daraufhin den anwesenden ukrainischen Flüchtlingen und ihren Familien die Einladung zum Weihnachtsfest aus. „Im Kurs sind aber nicht nur Ukrainer, sondern auch Menschen anderer Nationalitäten wie Eritreer oder Somalier“, so die Flüchtlingshelferin.

„Diese fragten mich, ob sie denn auch zu dem Fest kommen dürften. Spontan antwortete ich mit „ja“ und lud sie somit auch ein.“ Aus dem Weihnachtsfest für Ukrainer sollte dann ein allgemeines Friedensfest werden. Flüchtlinge vieler anderer Nationalitäten sowie die Türkisch-Islamische Gemeinde Schongau waren nun mit von der Partie.

Ende Dezember wandte sich schließlich die Freie Evangelische Gemeinde an die Organisatorin des Festes und schilderte ihr, dass sie aufgrund der geänderten Veranstaltung Bedenken und Sorgen bezüglich der Durchführbarkeit des Friedensfestes in ihren Räumen habe. Um die Frage zur Sicherheit der Besucher zu klären und nach tragfähigen gemeinsamen Lösungen zu suchen, lud die Kirchengemeinde die Organisatorin zu einem Gespräch ein.

Veranstaltung in Schongau: Freie Evangelische Gemeinde hatte Bedenken wegen Sicherheit

Dort kam man jedoch partout auf keinen gemeinsamen Nenner, und laut der Flüchtlingshelferin eskalierte der Streit schließlich. „Da aus unserer Sicht die Sicherheit des Festes in keinster Weise gesichert ist und wir keine Bereitschaft zur Zusammenarbeit gesehen haben, widerrufen wir die Zusage zur Nutzung unserer Räume am 6. Januar“, verkündete die Freie Evangelische Gemeinde Anfang Januar schließlich schriftlich.

Die Stadtkapelle Schongau besuchte das Friedensfest und gab einige Stücke zum Besten
Die Stadtkapelle Schongau besuchte das Friedensfest und gab einige Stücke zum Besten © Andreas Jäger

Die Organisatorin sieht in der Absage jedoch einen anderen Grund: „Eine Multikulti-Veranstaltung wollte man nicht. Das Friedensfest sollte ich absagen, weil die Gemeinde keine politische Aussage machen will“, sagt sie. Kurz darauf wandte sich die Organisatorin dann an unsere Zeitung und kündigte ein Friedensfest „im Bereich vor der Freien Evangelischen Gemeinde“ an.

Die Gemeinde jedoch sah darin eine „inakzeptable Provokation“ und sprach der Veranstalterin daraufhin ein Hausverbot für das komplette Gelände der Kirchengemeinde aus.

Friedensfest fand letztlich auf benachbartem Firmengelände statt

Letzten Endes fand das Friedensfest dann am vergangenen Freitagabend auf dem Firmengelände eines benachbarten Elektroinstallateurs in der Franz-Rupp-Straße in Schongau-West statt. Anwesend waren hauptsächlich Geflüchtete aus der Ukraine. Neben der Schongauer Stadtkapelle und den Altenstadter Sternsingern, die den Anwesenden mit musikalischen Darbietungen eine Freude bereiten wollten, besuchte auch der Schongauer Stadtrat Gregor Schuppe (ALS) die Veranstaltung. Er richtete einige Worte an die Gäste und wünschte ihnen vor allem eines: „Ein friedlicheres neues Jahr.“

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Die Heimatzeitung hat in diesem Zusammenhang natürlich Pfarrer Benjamin Spring von der Freien Evangelischen Gemeinde Schongau um eine Stellungnahme angefragt. Doch der hat trotz mehrmaliger Anfrage in den vergangenen Tagen nicht geantwortet.

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