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Wegen Stromsparen kein Christbaum? Plötzliche Kehrtwende in Gemeinde - „Erster solarbetriebener Baum“

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Von: Christoph Peters

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Peter Geiß (re.) und Sohn Stefan kennen sich aus mit Weihnachtsbäumen. Ihr Familienbetrieb Tannen Geiß stiftet den Christbaum für die Gemeinde Peiting. Stromkosten von 15 bis 20 Euro
Peter Geiß (re.) und Sohn Stefan kennen sich aus mit Weihnachtsbäumen. Ihr Familienbetrieb Tannen Geiß stiftet den Christbaum für die Gemeinde Peiting. Stromkosten von 15 bis 20 Euro © Herold

Die Nachricht, dass die Gemeinde Peiting wegen der Energiekrise auf den beleuchteten Weihnachtsbaum verzichten will, hat hohe Wellen geschlagen. Nun soll es doch einen Christbaum geben.

Peiting – Wenn es um Christbäume geht, weiß kaum einer besser Bescheid als Peter Geiß. Seit Jahrzehnten baut sein Peitinger Traditionsbetrieb Tannen und Fichten an, die zur Weihnachtszeit in vielen Wohnzimmern der Region festlich geschmückt ihren Platz finden. „Weihnachten ist Tradition und da gehört ein Christbaum einfach dazu“, sagt Geiß.

Kein Wunder also, dass der Peitinger es kaum glauben konnte, als er in der Heimatzeitung lesen musste, dass ausgerechnet seine Heimatgemeinde mit dieser Tradition brechen wollte. Um in der Energiekrise Strom zu sparen, sollte kein Weihnachtsbaum aufgestellt, sondern nur die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen aufgehängt werden, hatte Bürgermeister Peter Ostenrieder angekündigt. Ein sinnvoller Kompromiss fand man im Rathaus, zumal man bislang auch noch keinen Baum von den Bürgern angeboten bekommen hatte.

Weihnachtsbaum-Verzicht um Strom zu sparen? Christbaumhändler schaltet sich ein

Die Nachricht von der bayerischen Gemeinde, die in der Energiekrise sogar vor dem Abschalten des Christbaums nicht zurückschreckt, sie verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Auch bei Peter Geiß blieb das Handy nicht lange stumm. Mitglieder der Interessensgemeinschaft der Jungweihnachtsbaumanbauer, deren Vorsitzender der Peitinger ist, meldeten sich aus ganz Deutschland, um sich zu erkundigen, was denn da los sei.

„Meine Arbeit ist an dem Tag großteils liegengeblieben.“ Auch die erste Radioanfrage ließ nicht lang auf sich warten. Für Geiß war da schnell klar: „Wenn sich privat kein Baum findet, dann übernehmen wir das.“ Denn dass in seiner Heimatgemeinde kein Christbaum aufgestellt werde, das habe es nicht mal im Zweiten Weltkrieg gegeben. „Das geht gar nicht.“

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Mit dieser Meinung stand Geiß nicht allein. Auch im sozialen Netzwerk Facebook zeigten die Menschen kein Verständnis für das Vorgehen der Gemeinde. „Ihr merkt doch gar nicht mehr, was ihr den Familien, Kindern antut“, kommentierte ein Nutzer. Manch einer glaubte an einen schlechten Scherz. „Lieber schalte ich doch im Bürgeramt die Beleuchtung im Flur ab.“ Dass der Energiespareffekt nur marginal sei durch den Verzicht auf die Beleuchtung, betont auch Geiß, der gleich entsprechende Erkundigungen bei einem örtlichen Elektriker einzog. „Wir reden hier über eine knappe Kilowattstunde pro Tag, da sind wir insgesamt bei Stromkosten von 15 bis 20 Euro.“ Sollte es daran scheitern, werde sein Betrieb auch für diesen Betrag aufkommen.

Energiekrise: Bürgermeister stellt klar - Gab nie ein Christbaum-Verbot

Doch soweit wird es nicht kommen. Um die Kosten sei es ihm nie gegangen, sagt Bürgermeister Peter Ostenrieder, den das große Echo auf seine Ankündigung nach eigenen Angaben überrascht hat. Er habe nie ein Christbaum-Verbot ausgesprochen, wie es zum Teil in den Medien dargestellt worden sei. Der Verzicht auf den Weihnachtsbaum sollte vielmehr ein Zeichen setzen, dass auch die Gemeinde die Energiekrise ernst nehme. Dass es in der Bevölkerung solch eine hohe Wertschätzung für den gemeindlichen Weihnachtsbaum gebe, diesen Eindruck habe er zudem in den vergangenen Jahren nicht gehabt. „Doch jetzt ist ja noch genug Zeit, das zu lösen.“

Die Lösung, sie ist inzwischen auch schon gefunden. Gleich Donnerstagfrüh telefonierte der Rathauschef mit Peter Geiß, um das Baum-Angebot anzunehmen. Auch die Frage, ob er beleuchtet wird, ist mittlerweile beantwortet. Die örtliche Elektrikerfirma Markus Töger werde extra eine Solaranlage samt Batterie aufstellen, um die Beleuchtung mit Strom zu versorgen, kündigt Ostenrieder an. „Auch damit setzen wir ein Zeichen“, freut sich der Bürgermeister. „Es ist dann wahrscheinlich der erste solarbetriebene Christbaum.“ Eine Premiere, die auch Peter Geiß ganz sicher gefallen dürfte.

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