350 Feuerwehr-Einsätze im Landkreis München

Sturm stoppt S-Bahn und vernichtet Zeltlager

+
Bei Straßlach fegte der Sturm ein Pfadfinder-Zeltlager weg.

Ein weggefegtes Pfadfinderlager, eine gestoppte S-Bahn und zig Bäume auf Autos und Hausdächern: 350 Einsätze verursachten Sturm und Unwetter im Landkreis München. 

Landkreis - In Straßlach fegte der Sturm über ein Zeltlager, das St.-Georgs-Pfadfinder aus Hamburg auf einem Polder zwischen Isar und Isarkanal errichtet hatten. Sehr professionell, weit entfernt von Bäumen, die umstürzen könnten, betont der Straßlacher Feuerwehrkommandant Frederic Jakowatz. Er musste mit seinen Männern aber doch anrücken um kurz nach 22 Uhr. Da saßen die 44 Kinder und Jugendlichen, Buben und Mädchen plus ältere Betreuer und ein Geistlicher, schon zum Aufwärmen bei der Försterfamilie Kern in Epolding in der Stube. Ins Forsthaus hatten sie sich gerettet, nachdem Böen zwei große Versorgungszelte weggeblasen hatten. „Die hat der Sturm sicher 50 Meter weggeschleudert“, sagt Kommandant Jakowatz. „Die Gruppe hatte unglaubliches Glück.“ 

44 pitschnasse Kinder stehen vor dem Forsthaus

Förster Raphael Kern (35) und seine Frau Nina (31) hatten die Hamburger schon am Nachmittag gewarnt und ihnen Hilfe angeboten, sodass die Pfadfinder wussten, wo sie Zuflucht finden konnten. Sie waren alle versammelt, als das Unwetter losbrach. Als der Sturm die ersten Zelte loszureißen drohte, entschloss sich die Gruppe, das Lager zu räumen. Sie stapften etwa 20 Minuten nach Epolding. „Als es am dollsten geregnet hat, waren wir unterwegs“, sagt Gerrit Netzlaff (24) von den Pfadfindern. Das kann Förstersfrau Nina Kern bestätigen: „44 pitschnasse Kinder ohne alles standen da plötzlich vor uns mitten in der Nacht.“ 

Erstes Kommando: Raus aus den nassen Klamotten. Nina Kern und ihr Mann schleppten alles an Handtüchern und Decken heran, was der große Haushalt hergab. Die Pfadfinder saßen dann, in Decken gehüllt, in der Stube. Interessiert beobachtet von den Förstersbuben Jakob (dreieinhalb) und Vincent (eineinhalb). „Wir wurden super betreut“, schwärmt Gerrit Netzlaff. Die Feuerwehren Straßlach und Haar schafften Decken und Kopfkissen für ein Notlager heran. Kein Pfadfinder habe sich einen Schnupfen geholt, sagt die Försterin. Am Sonntag haben die Hamburger ihr Lager wieder aufgebaut, mit Unterstützung der Feuerwehr und der Pfadfinder aus Baierbrunn. Die Gruppe, am 12. August angereist, bleibt noch bis 27. August. 

Reisende sitzen vier Stunden in der S7 fest

Vier Stunden in der S 7 ausharren Vier Stunden lang mussten 150 Fahrgäste der S 7, unterwegs vom Hauptbahnhof Richtung Wolfratshausen, in der Sturmnacht eingeschlossen im Zug ausharren. Gegen 20.45 Uhr war ein Zug bei Hohenschäftlarn gegen einen umgestürzten Baum gefahren und stecken geblieben. Die Feuerwehren Hohenschäftlarn und Baierbrunn wurden erst kurz vor Mitternacht alarmiert, sagt Hohenschäftlarns Kommandant Daniel Buck, und evakuierten den Zug. „Wegen zahlreicher Unwettereinsätze mussten die Reisenden Wartezeiten von mehreren Stunden in Kauf nehmen, bevor Einsatzkräfte eintrafen“, sagt die Bundespolizei. 

Notfallmaßnahmen der Deutschen Bahn konnten wegen der großen Anzahl nahezu gleichzeitig eintretender Notfälle nur zeitverzögert eingeleitet werden. Die vielen Einsätze führten teilweise zum vollständigen Zusammenbruch der Kommunikation zwischen der Deutschen Bahn und der Bundespolizei.  

Fahrgäste bleiben gelassen

Dafür seien die Fahrgäste recht gelassen gewesen, sagt Feuerwehrkommandant Buck. „Die Stimmung im Zug war erstaunlicherweise recht gut. Alle waren nett zu uns, haben sich bedankt, keinerlei Aggression.“ Die Bahn hatte den Strom an der Oberleitung schon abgestellt, die Feuerwehr erdete die Leitung auch noch zur Sicherheit. Die Bahn steckte auf offener Strecke fest, etwa hundert Meter vor der Baumschule Erbersdorfer am Ortseingang von Hohenschäftlarn. Die Feuerwehr leuchtete den Unfallort aus und ließ die 150 Fahrgäste über Steckleitern aussteigen. Im Schein von Handlampen ging es dann im Gänsemarsch etwa 100 Meter die Gleise entlang und noch 200 Meter auf einem Feldweg zur Bundesstraße 11 an einen Sammelplatz. Da war es schon nach 1 Uhr. Taxis holten die gestrandeten Bahnkunden ab.

Die Bahnstrecke war am Sonntag immer noch nicht frei. Am Samstagvormittag war noch bei Pullach ein Baum in die Oberleitung der S-Bahn gestürzt und hatte sofort Feuer gefangen. 

Keine Verletzten, aber immenser Schaden

Das heftige Unwetter in der Nacht auf Samstag hat im Landkreis München  keine Verletzten gefordert, aber immensen Schaden angerichtet.  Die Einsatzmeldung „Baum auf Hausdach“ erhielt die Feuerwehreinsatz-Zentrale dutzendfach – von Schäftlarn über Putzbrunn bis in den Norden des Landkreises. 

Besonders schwer traf es Hausbesitzer aus Ottobrunn. Ein großer Baum krachte auf den Wintergarten und das Dach eines Wohngebäudes an der Drosselstraße. „Der Wintergarten ist schrott, der Schaden am Dach massiv“, sagt Ottobrunns Feuerwehr-Kommandant Eduard Klas. Kurios: Obwohl „Balken des Dachs brachen“, sogar Teile des Mauerwerks eingerissen wurden und das Dach einsackte, blieb es dicht“, sagt Klas. Rund 40 Einsatzkräfte der Ottobrunner Feuerwehr waren Freitagnacht sowie am Samstag wegen des Unwetters im Einsatz. 

Unter anderem leisteten sie ihren Kollegen aus Putzbrunn Unterstützung. In der Waldkolonie war ebenfalls ein Baum auf ein Hausdach gestürzt. Er „wurde nur durch die Dachrinne gehalten und drohte auf die nebenstehende Garage und auf die geparkten Autos zu stürzen“, erläutert Putzbrunns stellvertretender Kommandant Daniel Deml. Darum musste der Stamm mit Hilfe der Drehleiter der Ottobrunner Wehr und Unterstützung der Berufsfeuerwehr München vom Dach gehoben, auf die Straße gelegt und dort zerkleinert werden. Die Bewohner werden eine Überraschung erleben, wenn sie heimkommen: Sie sind nämlich derzeit im Urlaub. 

Unterführung überflutet

In Haar lief gegen Mitternacht die S-Bahnunterführung voll und musste abgepumpt werden. Zig Bäume krachen auf Autos Bei Sauerlach war ein Autofahrer auf der Staatsstraße 2573 zwischen Lanzenhaar und der A 8 gegen einen umgestürzten Baum gefahren. Ebenso im Taufkirchner Ortsteil Winning. Dort musste die Feuerwehr unter Kommandant Michael Huber den eingeklemmten Wagen mit Hebekissen unter dem Baum hervorholen. Der Fahrer blieb unverletzt. 

Bei Blechschäden blieb es auch in Grünwald und Pullach, wo drei Bäume auf vier Fahrzeuge fielen und einen Schaden von rund 30 000 Euro anrichteten, wie die Polizei berichtet. Zudem musste die Feuerwehr einen Baum vom Zaun des Wildgeheges am Forstenrieder Park in Baierbrunn heben und den Zaun wieder richten. 

Unter- und Oberschleißheim ohne Wasser

In Garching, Unterschleißheim und Unterföhring musste die Feuerwehr ebenfalls zahlreiche umgestürzte Bäume beseitigen und Straßen räumen. In Unter- und Oberschleißheim war gegen 23 Uhr die Wasserversorgung ausgefallen, wahrscheinlich wegen eines Blitzschlags. Um 1 Uhr floss das Wasser wieder aus dem Hahn. Bis dahin hatte es in der Unterschleißheimer und Oberschleißheimer Facebook-Gruppe bereits einen regen Austausch gegeben samt Warnungen, besser nicht mehr die Toilette zu benutzen. Eine Userin brachte es auf den Punkt: „Wie verunsichert man doch ist, wenn die Zivilisation nur mal kurz Pause macht.“

Auch interessant

Meistgelesen

Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Hohenlindenerin kämpft mit weichen Bandagen
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Münchner Wirt übernimmt Traditionsgaststätte
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Supermarkt stellt diesen ganz besonderen Kühlschrank auf - und wird dafür gefeiert
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 
Schwerer Unfall auf der Flughafentangente: Skoda kracht in Mercedes 

Kommentare