Von der Südsee auf die Anklagebank

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Langenbach - Sieben Fernreisen hat sich ein Flughafenangestellter binnen eines Jahres gegönnt, ohne zu bezahlen. Der Schaden beläuft sich auf über 16.000 Euro. Nun wurde der Langenbacher wegen Computerbetrugs zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Offensichtlich war es dem Angeklagten mehr als nur einfach gemacht worden, sich 2009 vorzugsweise in die Karibik und auf den südamerikanischen Kontinent chauffieren zu lassen. Viermal flog der 27-Jährige in die Dominikanische Republik, je einmal nach Kuba und Kolumbien. Im Februar desselben Jahres hatte er zudem Paris besucht. Einen Flug nach Istanbul stornierte er angeblich. Insgesamt soll er sogar elf Flüge gebucht und vier nicht angetreten haben. Keinen einzigen bezahlte er.

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Dass das Freisinger Amtsgericht der geschädigten Münchner Agentur nicht zumindest eine Mitschuld zusprach, ist in sofern erstaunlich, da es dem Angeklagten augenscheinlich ein Leichtes war, die Flüge zu buchen. Das Sicherheitssystem der Agentur überwand der seinerzeit am Frankfurter Flughafen beschäftigte Angeklagte, indem er unterschiedliche Kombinationen seines Familiennamens und seiner beiden Vornamen eingab und diese mit jeweils vier verschiedenen Bankverbindungen und E-Mail-Adressen kombinierte. Der Computer erkannte nicht, dass es sich um ein und dieselbe Person handelte.

Als bevorzugte Art der Bezahlung kreuzte er das Lastschriftverfahren an. Keines seiner Konten war ausreichend gedeckt. Bis zum Ablauf der angestrengten Mahnverfahren verging dann offenkundig so viel Zeit, dass der Angeklagte, vom Erfolg seiner Gaunereien inspiriert, die betrügerische Masche fortsetzte.

Vor dem Gericht räumte er nun ein, dass da wohl einiges schief gelaufen sei. Ursprünglich hätte eine „vermögende Verwandte“ für seine Unternehmungen aufgekommen wollen. Seit einem Streit hatte sie die Zahlungen aber eingestellt. Leider habe er es seither versäumt, für seine Flüge aufzukommen, bedauerte der Angeklagte, betonte aber, sehr an einer Übereinkunft mit der geschädigten Agentur interessiert zu sein.

Gericht und Staatsanwaltschaft kamen zu dem Schluss, dass der 27-Jährige vorsätzlichen betrogen hatte. Bei einem monatlichen Nettoeinkommen, das nicht für einen einzigen der Fernflüge gereicht hätte, musste ihm klar gewesen sein, dass er die Kosten niemals hätte tragen können. Die Staatsanwältin warf ihm vor, eine „erhebliche kriminelle Energie“ an den Tag gelegt zu haben. Der Angeklagte habe sich „Luxus-Flüge“ gegönnt, die sich Menschen seiner Einkommensklasse gewöhnlich nicht leisten können - zumindest nicht in diesem Umfang. Angesichts der Vielzahl der Fälle und der Schadenshöhe sei eine Freiheitsstrafe unumgänglich. Neben der einjährigen Bewährung ordnete das Gericht eine Geldauflage in Höhe von 2500 Euro sowie Schadenswiedergutmachung an.

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