Pfui! So schlimm war es wirklich in der Müller-Fabrik

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Sechs Mal musste Müller-Brot seit Herbst 2010 schlechte Ware vernichten - in drei Fällen war das Ekel-Brot bereits ausgeliefert.

Neufahrn - 21 Kontrollen seit 2009, zahlreiche Hygiene-Verstöße wie Motten, Schaben und Mäusekot in der Fabrik und hohe Bußgelder - die Müller-Ekel-Akte ist prall gefüllt. Wann das Unternehmen wieder backen will:

Insgesamt gab es 22 Kontrollen und 69 000 Euro Bußgeld. Schaben, Motten, Mäusekot und Dreck seien gefunden worden. Seit Juli 2009 inspizierten immer wieder auch auch Beamte der Spezialeinheit des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) das Unternehmen. Auch die Regierung von Oberbayern war von 2009 an beteiligt. Im März 2010 hat die Behörde den ersten Bericht über gravierende Mängel erhalten. Seit 10. Mai 2011 ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das heißt: Müller-Brot ist seit zwei bis drei Jahren keine Frage kleiner Kontrolleure mehr, sondern war in der Kommando-Kette weit nach oben geklettert.

Hygiene-Mängel: Hier wird das Müller-Brot entsorgt

Hygiene-Mängel: Hier wird das Müller-Brot entsorgt

Die Spezialeinheit stellt die Experten in der Fachbehörde LGL und unterstützt das Gesundheitsministerium direkt. Werner Schnappauf hatte die Einheit 2006 nach einem Gammelfleisch-Skandal gegründet - nach einem weiteren musste der Problem-Minister gehen. Und wie halten es die heute Verantwortlichen? Sie hätten nach Ansicht von Foodwatch sehr wohl bei „ekelerregenden Zuständen“ die Öffentlichkeit informieren können. Aber sie beobachteten seit Jahren, wie Eltern ihren Kindern Brezn kaufen.

Die tz hat Minister, Landesarzt und Landrat darum gefragt: „Wie können Sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren?“ Landrat Schwaiger sagt: „Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass unsere Lebensmittelüberwachung richtig gehandelt hat.“ Man habe engmaschig kontrolliert, immer wieder Verbesserungen erzielt - und letztlich für die Schließung gesorgt. Das Gesundheitsministerium antwortet: „Die Behörden haben konsequent nach gesetzlichen Vorgaben gehandelt.“ Landesarzt Zapf erklärt: „Weder auf noch in den Backwaren konnten bei mikrobiologischen Laboruntersuchungen Schädlinge oder Mäusekot festgestellt werden.“ Das habe sich erst Ende Januar geändert: Da waren die Schädlinge im Mehl.

Die Großbäckerei will in einer Woche die Produktion wieder aufnehmen. Am Donnerstagabend bat man beim Landratsamt um einen Abnahmetermin.

Die Ekel-Akte:

Kontrollen:

- 21 Kontrollen seit 2009, 7 mit Spezialeinheit

- darunter sieben Vollkontrollen mit bis zu 20 Leuten

- dazu die „Abnahme-Begehung“ am 3.2.2012

- gravierende Verstöße werden Regierung gemeldet

Verstöße:

- Altverschmutzungen sowie Wand-, Boden- und  Deckenschäden; Schädlinge (z.B. Motten, Schaben)  und Mäusekot in den Produktionsräumen

- vier auffällige Proben am 30.1.12: Schädlinge im Mehl

Bußgelder:

- 9000 € am 12.10.2009 (wegen mehrerer Fälle)

- 10 000 € am 15.6.2010

- zweimal 25 000 € Zwangsgeld nach Androhung

- einige Verfahren liegen noch beim Staatsanwalt

Rückrufe:

- sechsmal musste Müller Lebensmittel vernichten (2.10./9.12.10, 20.10/19.12.11, 19.1./30.1.12)

- davon wurde dreimal gelieferte Ware zurückgeholt

- darunter Toast, frische Backwaren, Teiglinge

David Costanzo

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