Im Suff den Wirt halb totgeschlagen

Dachau - Weil sie den Wirt einer kleinen Kneipe in Dachau-Ost halb totgeprügelt hatten, müssen zwei junge Männer nun drei Jahre lang ins Gefängnis.

Dabei hatten der Dachauer (23) und sein einschlägig vorbestrafter Kumpel (25) aus dem Gemeindebereich Schwabhausen noch Glück: Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft zum Landgericht (LG) angeklagt, da eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags im Raum stand. Das LG nahm die Sache jedoch nicht an und verwies sie an das Schöffengericht Dachau, das laut Gesetz nur bis zu einer Höhe von vier Jahren richten darf. Doch auch Richterin Petra Nolte und ihre beiden ehrenamtlichen Kollegen aus dem Volk kannten wenig Gnade und schickten das Schlägerduo in den Knast.

Am 21. Oktober 2009, betraten die beiden Männer gegen 13 Uhr das Lokal Laterndl (heute Räuber-Kneißl-Stüberl). Und dann ließen sie es kräftig laufen: Bier, Goaßmaßn, Jägermeister. Gegen Mitternacht - mit 2,1 bzw. 2,3 Promille Alkohol im Blut - gingen sie dann plötzlich auf den Wirt los.

Der Jüngere schlug dem jungen, kräftig gebauten Mann (19) einen Maßkrug über den Schädel. Als sich der schwer Getroffene benommen auf eine Eckbank zurückzog, kamen die Angeklagten von links und rechts auf ihn zu, schlugen ihn mit der Faust und bewarfen ihn mit einer Weinflasche, einem gläsernen Aschenbecher und einem Halbliterglas.

Die Täter hätten sich in einen „Blutrausch“ hineingesteigert, sollte später ein Polizeisprecher kurz nach der Tat sagen.

Schwer verletzt gelang es dem Kneipenwirt, sich ins Freie zu retten und einen Notruf abzusetzen. Eine Passantin war schließlich seine endgültige Rettung. Die Frau fing den 19-Jährigen auf, wartete auf die Einsatzkräfte und hat sich „mustergültig verhalten“, so Richterin Nolte.

Erschütternd die Aussage der Frau: Sie schilderte, wie ihr das warme Blut des Wirts über ihre Hände geronnen sei. Und: „Aus seiner Hose ist das Blut geflossen.“ Das Opfer erlitt einen Schädelbruch, einen Bruch der Augenhöhle sowie multiple Prellungen und Schnittwunden.

Was schon vor einem Jahr unklar war, blieb auch in der Gerichtsverhandlung jetzt im Dunkeln: das Motiv. Nur eine zu spät erschienene Zeugin hatte dazu etwas zu sagen. Die Frau meldete sich während des Prozesses mehrfach verzweifelt zu Wort und wurde dann einmal kurz gehört. Laut ihren Angaben fehlten an diesem Tag 250 Euro in der Kasse. Und der Wirt habe Schulden in ähnlicher Höhe bei seinen Peinigern gehabt, meinte sie.

Bereits am Tag nach der Tat hatten sich die Schläger im Übrigen entschuldigt; sie schickten Brief und Blumen ins Krankenhaus. Mittlerweile sind 5000 Euro Schmerzensgeld überwiesen. Und bei der der gemeinsamen Zigarette nach der Verhandlung konnte man deutlich sehen: Täter und Opfer haben sich versöhnt. (zim)

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