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Nach extremer Trockenheit im Sommer: So sieht es am Sylvensteinsee heute aus

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Aktuell hat der Sylvensteinsee mit 751,38 Metern fast wieder die Winterstauhöhe erreicht.
Aktuell hat der Sylvensteinsee mit 751,38 Metern fast wieder die Winterstauhöhe erreicht. © Arndt Pröhl

Der Sylvensteinsee ist das Wasserreservoir für das Oberland und München. Im Sommer war der Pegel extrem gesunken. Da war der jüngste ergiebige Regen Gold wert.

Lenggries – Für Freizeitsportler war das vergangene Wochenende nichts. Schließlich schüttete es wie aus Eimern. Für den Sylvensteinstausee und generell den Wasserhaushalt im Landkreis war der ergiebige Regen dagegen Gold wert. Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt zuständig für die Talsperre, gibt einen Überblick über die Ist-Situation und blickt auf einen viel zu trockenen Sommer zurück.

Nach trockenem Sommer: Sylvensteinspeicher wieder gut gefüllt

Alle Oberflächengewässer hätten sich durch den Regen am langen Wochenende erholt, sagt Lang. Das gelte genauso für die Grundwasserpegel. Wobei man hier im alpinen Bereich ohnehin „noch sehr verwöhnt“ sei – „im Vergleich mit Franken oder Brandenburg“.

Mitte August lag der Seespiegel bei 745 Metern über Meereshöhe.
Mitte August lag der Seespiegel bei 745 Metern über Meereshöhe. © Arndt Pröhl

Gut gefüllt ist auch wieder der Sylvensteinspeicher. Mit einem Wasserspiegel, der am Donnerstagnachmittag bei 751,38 Metern über Normalnull lag, ist fast die Winterstauhöhe von 752 Metern erreicht. 60 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gab es am Wochenende. Der meiste Regen ging im Bereich Dürrach/Walchen/Achsensee nieder.

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In der Spitze strömten 250 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Stausee, in der Trockenphase waren es nur gut 7. „Am 3. Oktober stieg der Seespiegel innerhalb von einem Tag um drei Meter“, sagt Lang. Das ist etwa das 20-Fache von dem, was er während der Trockenphase an einem Tag verlor. In der Spitze flossen 125 Kubikmeter Wasser durch Bad Tölz. Zum Vergleich: Im Sommer waren es an vielen Tagen nur 18 Kubikmeter. Derzeit plätschern 22 Kubikmeter pro Sekunde durch die Kurstadt, in München sind es 125.

Sylvensteinsee: Wasserspiegel wieder gestiegen - Zauberwort heißt Staffellösung

Dass die Isar überhaupt Wasser hatte, verdankt sie dem Stausee und der „vorausschauenden und volumenschonenden Bewirtschaftung“ durch das Wasserwirtschaftsamt, sagt Lang. Denn viel Regen gab es nicht. Im Juli seien nur 50 Prozent der sonst üblichen Menge gefallen, sagt Lang. Im August waren es nur 20 Prozent.

Der Schlüssel zum Erfolg heißt Staffellösung. Eigentlich sollte die Behörde in den Sommermonaten mindestens 20 Kubikmeter Wasser durch Tölz fließen lassen – beispielsweise um den Gewässerlebewesen gute Lebensbedingungen zu garantieren. Seit 2011 gibt es aber die Vereinbarung mit dem Landratsamt, dass bei extremen Verhältnissen von diesem starren Wert abgewichen werden kann. „Ist der Stausee zu einem Drittel geleert, müssen es nur noch 18 Kubikmeter sein; bei der Hälfte sind es nur noch 15 Kubikmeter“, erklärt Lang. Es sei einfach sinnvoller, die Bewirtschaftung an die Naturbedingungen anzupassen. „So können wir die Wasserreserve sehr lange strecken.“

Bei alter Regelung wäre Sylvensteinsee so leer geworden wie 1962

22 Millionen Kubikmeter Wasser wurden so seit April aus dem Speicher an die Isar abgegeben. Ohne Staffellösung wären es 33 Millionen gewesen. Die Folge: Der See wäre nahezu leer gewesen, so leer, wie zuletzt im Herbst 1962, als die Ruinen des Dorfs Alt-Fall wieder aus dem Schlick auftauchten. Rund ein halbes Jahr dauerte damals dieser Zustand an.

Ab einer Stauhöhe von 736,4 Meter darf der See nicht mehr weiter abgesenkt werden. In diesem Sommer sank der Pegel aber nur auf rund 745 Meter ab. „Wie zuletzt 2018 oder auch im Frühjahr 2011“, sagt Lang. Obwohl der Sommer vergleichbar war, habe es 2003 viel weniger Wasser im Stausee gegeben. „Aber da gab es eben auch noch keine Staffellösung.“

Ganz werde man die Winterstauhöhe von 752 Metern in naher Zukunft wohl nicht erreichen, vermutet Tobias Lang. Denn erst ab Mitte Oktober könnte es wieder ergiebige Niederschläge geben. „Aber das kann sich alles noch verschieben.“ Momentan sei aber am Sylvensteinsee und den anderen Gewässern „alles im grünen Bereich“.

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