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Um täglich 15 Zentimeter: Pegel am Sylvensteinspeicher sinkt - Weiter kein Regen in Sicht

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Immer breiter werden die Uferstreifen am Sylvenstein. Derzeit liegt der Seespiegel etwa 3,5 Meter unter der für diese Jahreszeit üblichen Stauhöhe. 60 Prozent der Reserve sind noch übrig Die schlimmste Trockenheit gab es im Winter 62/63
Immer breiter werden die Uferstreifen am Sylvenstein. Derzeit liegt der Seespiegel etwa 3,5 Meter unter der für diese Jahreszeit üblichen Stauhöhe. 60 Prozent der Reserve sind noch übrig Die schlimmste Trockenheit gab es im Winter 62/63 © Pröhl

Der Spiegel des Sylvensteinspeichers sinkt derzeit jeden Tag um rund 15 Zentimeter - und es ist erst einmal kein Regen in Sicht. Dennoch ist am Stausee noch jede Menge Wasser übrig.

Lenggries – 15 Zentimeter – um so viel sinkt der Wasserspiegel des Sylvensteinstausees derzeit jeden Tag. Die sichtbaren Uferstreifen werden langsam immer breiter. Mittlerweile liegt der Pegel fast dreieinhalb Meter unter der normalen Sommerstauhöhe von 750 Metern über Normalnull. Tendenz: weiter fallend.

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„Laut Vorhersage für die nächsten drei Wochen bleibt es sehr trocken. Wir merken aber auch, dass die Temperaturen nicht mehr so extrem sind“, sagt Andrea Kröner, Betriebsbeauftragte für den Sylvensteinsee am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt. Die Behörde beobachtet die Lage, Anlass zur Besorgnis gibt es bislang aber nicht. Letztlich erledige der Sylvenstein genau die Aufgabe, für die er in den 1950er-Jahren gebaut wurde, sagt Kröner: Er sorgt durch kontinuierliche, wohldosierte Abgabe dafür, dass die Isar immer genug Wasser hat. Dass der Speicher dadurch im Ernstfall auch vor Hochwasser schützen kann, ist ein willkommener Zusatznutzen.

Sylvensteinsee: Erst 40 Prozent der Niedrigwasserreserve sind verbraucht

Trotz der immer breiter werdenden Uferstreifen gibt es derzeit noch jede Menge Wasser im See. „Wir haben bislang 40 Prozent unserer Niedrigwasserreserve ausgenutzt. Das heißt aber auch: 60 Prozent sind noch übrig“, sagt Kröner. In Tage umgerechnet bedeutet das, dass das Wasser im Speicher derzeit noch für knapp sechs Wochen reicht.

Auch danach ist der Stausee natürlich nicht komplett leer. Aber ab einer Stauhöhe von 736,4 Metern ist das Wasserwirtschaftsamt nicht mehr daran gebunden, so viel Wasser abzugeben, dass in Bad Tölz und München die vereinbarten Wassermengen in der Isar ankommen. Denkbar wäre dann, dass nur noch das abgegeben wird, was durch die Zuflüsse in den See kommt. Derzeit sind das rund 7,3 Kubikmeter pro Sekunde, abgegeben an die Isar wird knapp das Doppelte.

Sylvensteinspeicher: In Bad Tölz kommt nicht vereinbarte Mindestmenge in Isar an

Vereinbart ist eigentlich, dass mindestens 20 Kubikmeter pro Sekunde durch Bad Tölz strömen müssen. Das ist wichtig, damit das Kraftwerk am Isarstausee Strom erzeugen kann. „Seit 2011 gibt es aber die Vereinbarung mit dem Landratsamt, dass wir bei extremen Verhältnissen von diesem wasserrechtlichen Bescheid etwas abweichen können“, sagt Kröner.

Tatsächlich fließen derzeit nur 18 Kubikmeter pro Sekunde durch die Kurstadt, weil man sich eben bemühe, den Sylvenstein möglichst vorausschauend und volumenschonend zu bewirtschaften. Dazu gehört auch, dass nun Gespräche mit dem Walchenseekraftwerksbetreiber Uniper geführt werden. Denn an dieser Stelle kann dazu beigetragen werden, dass aus der Loisach ausreichend Zustrom an die Isar erfolgt. „Wir stimmen uns hier ab“, sagt Kröner.

Für das Tölzer Kraftwerk ist geringere Menge wegen Turbinenschaden kein Problem

Am Tölzer Kraftwerk ist die etwas geringere Menge übrigens kein Problem: Nach einem Schaden läuft dort im Moment ohnehin nur eine Turbine. „Würde derzeit mehr Wasser vom Sylvenstein kommen, müsste diese Menge aufgrund des Turbinenschadens sozusagen ungenutzt über das Wehr laufen“, sagt Martina Geisberger, Pressesprecherin der Stadtwerke, „Das zurückgehaltene Wasser im Sylvensteinsee können wir nach Reparatur der Turbine später besser und damit umweltfreundlicher energetisch nutzen.“

Sylvensteinspeicher: Auch bei der Isar in München ist noch alles im grünen Bereich

In München kommen im Moment über 50 Kubikmeter pro Sekunde an, „da haben wir noch Luft“, sagt Kröner. „Aber in zweieinhalb Wochen kann das natürlich anders aussehen.“ 40 Kubikmeter müssen es mindestens sein, damit beispielsweise die Müllverbrennungsanlage oder das Heizwerk der Stadt München funktionieren oder die Elefanten im Tierpark Hellabrunn baden können.

„Eine vergleichbare Situation gab es zuletzt 2018“, sagt Kröner. Auch damals sorgte ein heißer, trockener August dafür, dass der Sylvensteinspeicher einiges leisten musste. Am Ende sank der Seespiegel aber auch damals durch eine vorausschauende Bewirtschaftung nur um 4,5 Meter.

Ist die Absenkung des Seespiegels im Sommer noch zeitgemäß?

Da die Trockenperioden offenbar länger werden, könnte man doch darüber nachdenken, den Seespiegel im Sommer nicht generell um zwei Meter abzusenken. Das wird erst seit 2006 gemacht – als Folge des Augusthochwassers von 2005 und aus der Überlegung heraus, mehr Stauraum zu haben. „Bei jeder Trockenphase kommt diese Diskussion auf“, sagt Kröner. Natürlich schaue man sich das an. „Man muss aber auch sagen, dass wir bislang alle Niedrigwasserphasen ohne Probleme gemanagt haben.“

Die schlimmste Trockenheit gab es im Winter 1962/63

Die schlimmste Trockenheit gab es in den vergangenen Jahrzehnten übrigens nicht in einem Sommer, sondern im Winter 1962/63. Bereits Mitte Oktober war die Niedrigwasserreserve von 40 Millionen Kubikmetern aufgebraucht. Rund ein halbes Jahr blieb der Speicher auf dem niedrigst möglichen Wasserstand – und in der Isar floss nicht einmal halb so viel Wasser wie laut Bescheid vorgegeben.

2015 tauchten die Reste von Alt-Fall aus dem Schlamm auf

Auf 739 Meter sank der Seespiegel dann 2015 – damals allerdings mit voller Absicht. Nötig war das, um am Grundablassstollen arbeiten zu können. Aus dem Schlamm tauchten die wenigen Überreste des Dorfs Alt-Fall auf, das für den Bau des Speichersees hatte weichen müssen. Die Grundmauern avancierten für einige Wochen zur Touristenattraktion.

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