Der angekündigte Besuch sorgte für Wirbel

Sympathisanten der "Nachtwölfe" in KZ-Gedenkstätte Dachau

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Hier fahren die Fans der "Nachtwölfe" durch Dachau.

Dachau - Wer, wann und wie viele? Die Ankündigung der "Nachtwölfe", die Dachauer KZ-Gedenkstätte besuchen zu wollen, sorgte für Wirbel. Doch bis jetzt verläuft der Besuch äußerst ruhig.

Wann kommen Sie? Wie viele von ihnen? Und wer kommt überhaupt? Diese Fragen geisterten durch die versammelte Pressemenge in der Dachauer KZ-Gedenkstätte. Die Ankündigung des kremlnahen russischen Rockerklubs "Nachtwölfe", das ehemalige Konzentrationslager im Münchner Norden besuchen zu wollen, hatte für Wirbel gesorgt.

Niemand wusste so recht, ob die Rocker wirklich erscheinen. Und wie Polizei und Gedenkstätte auf den Besuch reagieren würden. Nach derzeitigem Stand bleibt nur die Erkenntnis: Es war viel heiße Luft. 

Am frühen Nachmittag trafen einige Sympathisanten der "Nachtwölfe" in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein. Die mit Motorrädern vorfahrenden Personen hatten Fahnen in den Farben weiß, blau und rot dabei, wie sie die russische Flagge ziert.

Ein Priester der russisch-orthodoxen Auferstehungskirche sagte, die Christen hätten Kerzen angezündet und gebetet. Der Besuch sei seit Monaten geplant. Anschließend wollten die Besucher das Museum der KZ-Gedenkstätte und das Krematorium besichtigen. „Wir wollen den Ort besichtigen“, sagte einer der Vier bei der Ankunft gegenüber Journalisten. „Wir haben nur Frieden dabei.“

Gabriele Hammermann, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte hat von dem Besuch der Russen in der Nacht auf Montag erfahren – zufällig, durch einen Zeitungsbericht im Internet. Nach kurzer Rücksprache mit Karl Freller, dem Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, hat sie entschieden, den vier Männern den Zutritt auf das Gelände zu erlauben. „Allerdings haben wir sie auf die Besucherordnung aufmerksam gemacht. Sie haben sich sofort kooperativ gezeigt und ihre Fahnen eingerollt.“

Der Besuch der Männer hat eine knappe Stunde gedauert. Hammermann sagte danach gegenüber unserer Zeitung: „Ich hatte eher den Eindruck, dass es ein politisches Statement war und weniger ein Besuch, um sich über die Gedenkstätte zu informieren.“

Die Bundesregierung steht einer sogenannten „Siegestour“ des Motorradclubs zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Deutschland zwar skeptisch gegenüber, plant aber keine Maßnahmen dagegen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Grundsätzlich wird die Bundesregierung nicht verhindern, wenn Menschen 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs dieses Anlasses gedenken wollen.“ Die Regierung habe Kenntnis von dem geplanten Konvoi und gehe davon aus, dass sich die Teilnehmer an Recht und Gesetz hielten.

Das Auswärtige Amt bestätigte, dass einzelnen Personen aus Russland am Flughafen Berlin-Schönefeld die Einreise verweigert worden sei. Es habe sich dabei um drei führende Mitglieder der „Nachtwölfe“ gehandelt. Diejenigen, die am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow Blumen niederlegen wollten, seien aber keine führenden Köpfe des Clubs. Ein Ministeriumssprecher sagte, man gehe davon aus, dass sie ein „würdevolles Erinnern“ planten und die Idee der Aussöhnung der ehemaligen Kriegsgegner in den Mittelpunkt stellten.

Nach Angaben der Bundespolizei handelt es sich bei den am Sonntag nach Bayern eingereisten russischen Motorradfahrern nicht um Mitglieder der „Nachtwölfe“,sondern um Sympathisanten oder Familienangehörige des Rockerclubs. Alle Personen hielten sich legal im Land auf, sagte ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Sie wurden an der Autobahn Salzburg-München (A8) und am Münchner Flughafen kontrolliert.

Das bayerische Innenministerium beobachtet die Gruppe während ihres Aufenthalts im Freistaat genau. „Sofern es zu strafbaren Handlungen kommen sollte, wird die bayerische Polizei konsequent einschreiten“, sagte ein Sprecher. „Das betrifft insbesondere extremistische Propaganda.“

Die Tour der kremlnahen Rocker war am 25. April in Moskau gestartet und soll an diesem Samstag (9. Mai) in Berlin enden. Russland begeht dann den Tag des Sieges über Hitlerdeutschland. Die „Nachtwölfe“, deren Präsident Alexander Saldostanow mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin befreundet ist, unterstützen Positionen prorussischer Kräfte in der Ukraine. Saldostanow wies Vorwürfe zurück, die Biker wollten mit ihrer „Siegestour“ provozieren. „Eine Provokation ist es, uns das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zu verwehren“, sagte er.

dpa

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