Gericht

Tablet verschwunden: Familienstreit eskaliert

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Ein handgreiflich gewordener Streit hat einen 62-jährigen Olchinger und die 21-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin vor das Brucker Amtsgericht gebracht. 

Olching – Streitigkeiten hatte es innerhalb der Familie immer wieder gegeben, doch an einem Februarabend diesen Jahres eskalierte die Situation – verbal und körperlich. Sie schlug ihm mit einer Bierflasche an den Kopf. Der Senior schlug ihr daraufhin mit der Faust ins Gesicht und würgte sie. Dann warf er sie zu Boden und setzte sich auf sie, bis die Polizei eintraf.

Auslöser des Streits war wohl die Tatsache, dass ein Tablet aus dem Zimmer der Tochter verschwunden war. Als der 62-Jährige nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung auf der Anklagebank saß, erläuterte er seine Sichtweise. Unklar war nämlich, wer zuerst zugeschlagen hatte. Dem Senior zufolge habe ihn die 21-Jährige zuerst geschlagen, als er im Wohnzimmer auf der Couch saß. Er habe sich lediglich zur Wehr gesetzt. Sein Verteidiger ergänzte, die junge Frau sei psychisch krank, leide unter Wahnvorstellungen. In ärztlichen Berichten sei immer wieder von ihrer Aggressivität und Unbeherrschtheit die Rede. Sie hatte den 62-Jährigen mit der Flasche so heftig getroffen, dass er eine heftig blutende Platzwunde davontrug.

Außerdem habe sie vor Jahren ihre Mutter mit einem Messer bedroht und deren Lebensgefährten vergangenes Jahr mit einem Schraubenzieher verletzt, so der Verteidiger. Die Mutter bestätigte beide Vorfälle, erklärte aber, ihre Tochter leide unter der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Ihr zufolge hat die 21-Jährige an dem Februarabend tatsächlich mit einer leeren Bierflasche auf den Senior eingeschlagen. Doch nicht als er auf der Couch saß, sondern als ihre Tochter in einer Ecke in der Küche stand, der Angeklagte direkt vor ihr.

So schilderte es auch die 21-Jährige. „Ich habe mich bedrängt gefühlt, ich hatte Angst“, sagte sie. Sie wusste allerdings nicht mehr, ob er sie gewürgt und geschlagen hatte, bevor sie selber mit der Bierflasche zuschlug. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger waren sich letztlich einig, dass es nicht zu klären sei, wer Angreifer und wer Verteidiger war. Zugunsten des Angeklagten müsse man davon ausgehen, dass die 21-Jährige ihn zuerst angegriffen habe, so die Vertreterin der Anklage. Wie von ihr und dem Rechtsanwalt beantragt, wurde der 62-Jährige daher freigesprochen. „Notwehr ist nicht ausgeschlossen“, sagte der Richter.

Im Haus des Angeklagten und seiner Lebensgefährtin ist mittlerweile Ruhe eingekehrt, die Tochter ist ausgezogen. Sie lebt nun in einer Einrichtung für psychisch Kranke.  sus

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