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Hohe Spritpreise nach Tankrabatt ärgern Autofahrer – „Haben Angst, dass es noch teurer wird“

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Von: Max Wochinger

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Nix los an der Tanke: Am ersten Tag nach Auslaufen des Tankrabatts war die Stimmung der Autofahrer miserabel, wie hier an der Bavaria Petrol in Ottobrunn.
Nix los an der Tanke: Am ersten Tag nach Auslaufen des Tankrabatts war die Stimmung der Autofahrer miserabel, wie hier an der Bavaria Petrol in Ottobrunn.  © Wochinger

Der Tankrabatt ist ausgelaufen – das zeigt sich deutlich an den Tankstellen. „Es ist traurig“, sagt ein Autofahrer in Oberhaching. 46 Liter hat er getankt. Seine Rechnung: 106 Euro. 

Landkreis – Egal ob in Ottobrunn oder Oberhaching: Die Stimmung an den Tankstellen ist miserabel. In der Nacht zum Donnerstag ist der sogenannte Tankrabatt ausgelaufen, jetzt zahlen Autofahrer für einen Liter Benzin rund 25 Cent mehr. Das sorgt bei vielen Autofahrern für Frust.

Am Tag nach Auslaufen der Steuerentlastung sind die Tankstellen auffallend leer. Ein Grund: Viele Sparfüchse haben noch am Mittwoch getankt – dem letzten Tag der Spritsteuersenkung.

Davon berichten die Verkäufer in den Tankstellen. „Gestern haben die Leute noch den Tankrabatt ausgenutzt“, sagt die Mitarbeiterin einer Tankstelle in Ottobrunn. Der Andrang sei groß gewesen. Heute dagegen: Katerstimmung. „Das pendelt sich schon wieder ein“, sagt die Verkäuferin. Schließlich ist der am Mittwoch aufgefüllte Tank irgendwann wieder leer.

Tankrabatt ausgelaufen: „Leute haben Angst, dass es noch teurer wird“

„Die Leute haben Angst, dass es noch teurer wird“, erzählt ein Mitarbeiter im Tankstellen-Shop der Avia in Oberhaching. Zumindest er gibt Entwarnung: Der Verkäufer denkt, dass die Preise zunächst auf dem jetzigen Niveau bleiben werden.

Die hohen Spritpreise führen auch zu immer mehr Tanktouristen. Teilweise mit Kanistern fahren Menschen nach Österreich, um güstigeres Bezin oder Diesel zu tanken.

Dass der Sprit die vergangenen drei Monate günstiger war, lag an der Steuersenkung auf Kraftstoffe, die Bundesregierung hatte das Entlastungspaket nach zähem Ringen geschnürt. Die Vergünstigung sollte die Preise für Benzin um insgesamt 35 Cent pro Liter und Diesel um 17 Cent herabsetzen. Schon vor drei Monaten waren die Sorgen wegen der steigenden Inflation groß – der Tankrabatt sorgte zumindest für eine kurze Verschnaufpause bei Autofahrern.

Wieder hohe Spritpreise nach Ende von Tankrabatt: Bei Rechnung mit 50 Litern macht das 15 Euro

Damit ist jetzt Schluss. Die Preise sind wieder auf einem hohen Niveau: Laut adac.de kostete Diesel heute Mittag an der Shell-Tankstelle in Unterschleißheim 2,37 Euro, Benzin gab’s für 2,27 Euro. 24 Stunden vorher waren es für Benzin satte 30 Cent weniger. Bei einer Rechnung mit 50 Litern macht das ganze 15 Euro aus.

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„Es ist traurig, aber wahr“, sagt Autofahrer André Hau an der Avia-Tankstelle in Oberhaching. 46 Liter hat er heute getankt. Seine Rechnung: 106,40 Euro. Gut, dass der Diesel vom Firmenkonto abgebucht wird, sagt der angestellte Bauleiter. Er fordert trotzdem, dass Steuern für Kraftstoffe dauerhaft gesenkt werden – es seien zu viele davon.

Gleich daneben tankt ein anderer Autofahrer seinen schwarzen Audi, er kommt aus Freiburg. Von den Spritpreisen wurde er heute nicht überrascht: „Es war zu erwarten.“ Bei diesen Preisen müsse er aber über jede Fahrt nachdenken, ob sie sein müsse.

Kein Tankrabatt mehr: „Wir lassen das Auto bei den Preisen öfters stehen“

An den eigenen Geldbeutel denkt auch Familie Lebere aus Ottobrunn. „Wir lassen das Auto bei den Preisen jetzt öfters stehen“, sagt Rentner Gerhard Lebere. Er meint aber, dass die Energiekrise in zwei, drei Jahren überwunden sei. „Öl ist ja nicht knapp, sondern die Fördermengen werden nur von den großen Konzernen bestimmt.“

Wie Lebere sind viele Autofahrer verärgert über die Mineralölkonzerne. Auch der ADAC übt an den gestiegenen Spritpreisen Kritik: „Angesichts voller Tanks an den Tankstellen, die bis gestern zu niedrigen Steuersätzen befüllt wurden, ist das gegenüber den Verbrauchern in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh heute. Die Rohstoffkonzerne sind die großen Gewinner der Krise.

Und die Verlierer? Angestellte, Handwerker, Azubis und Senioren. Ihnen bleibt nur ein Mittel gegen Spritpreise: Das Auto stehen lassen – sofern dies im ländlichen Raum möglich ist. So macht’s zumindest Rentner Gerhard Lebere: Er schwingt sich eh viel lieber aufs Radl.

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