Der tapfere Kampf der Daxenbergers

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Oma Daxenberger erzählt, wie die Kinder und sie die Trauer bewältigen und den Alltag zu meistern versuchen. „Mal ist es besser, mal meinst du, es erdrückt dich“, sagt die 70-Jährige. Hans Eder

München - Es ist ein Tag wie jeder andere. Theresia Daxenberger (70) ist wie immer schon am frühen Morgen auf den Beinen. Sie kehrt die Blütenblätter auf, die von den Geranien am Balkon auf den Boden gefallen sind.

In dem Moment denkt sie nicht daran, dass es jetzt ein Jahr her ist, dass Schwiegertochter Gertraud und Sohn Sepp kurz hintereinander gestorben sind. Gleichwohl ist der Gedanke immer gegenwärtig.

„Alle Tage“, sagt sie in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, grübelt sie, warum alles so kommen musste: „Mal ist es besser, mal meinst du, es erdrückt dich.“ Dann sagt sie: „Aber das ist halt so, mit dem musst du leben.“ Die Trauer lastet schwer auf ihrer Seele. „Es wird wohl irgendwann leichter werden.“

„Es“ – das sind vor allem die Sorgen um die drei Buben, die mit dem Verlust ihrer Eltern ganz unterschiedlich umgehen. Sie lassen sich nicht in ihr Inneres schauen. Das haben sie laut Oma Daxenberger von ihrem Vater. Auch er ließ sich kaum etwas anmerken.

Recht gelassen und „cool“ kommt der Älteste rüber. Felix, der Hoferbe. Dabei ist gerade auf ihn mächtig etwas eingestürzt. Er hat kurz nach dem Tod seines Vaters sein Forstwissenschafts-Studium begonnen, musste sich aber „nebenbei“ auch um den Hof kümmern – trotz der rüstigen Großeltern, die weiter fleißig mit anpacken.

Zu alledem kam der ganze bürokratische Kram auf ihn zu, der mit dem Tod der Eltern, mit der Übernahme des Hofs, mit all den Finanzierungen, Renten und Versicherungen. Und dann die Sorge: Wie geht es finanziell weiter? Denn: Die Familie ist geldtechnisch nicht auf Rosen gebettet.

Die Umstellung von den Milchkühen auf die Mutterkuh-Haltung hat zwar die Arbeit deutlich vermindert, aber auch die Einnahmen. Und von ihren Waisenrenten können die Buben keine großen Sprünge machen.

Abschrecken lässt sich Felix davon nicht. Der 21-Jährige hat im vergangene Jahr eine für sich wichtige Entscheidung getroffen: Er hat sein Studium an den Nagel gehängt. Das Studium, so sagt er, hat ihm „nicht mehr gefallen“. Es war ihm zu trocken. Bald beginnt er eine Lehre bei einer Landschaftsgärtnerei in der Nähe. Ein Vorteil dabei ist, dass er dadurch zumindest jeden Abend nach Hause kommt und „seiner“ Landwirtschaft näher ist. Doch auch hier, am Hof, muss er sich noch einfinden. Noch sind die Kompetenzen zwischen seinem Großvater und dem 21-Jährigen nicht klar verteilt. Die Arbeitseinstellungen sind bei den unterschiedlichen Generationen unterschiedlich. Bis sich die Arbeitsabläufe eingespielt haben, wird es wohl noch dauern. Zum Glück greift dann Oma Theresia Daxenberger ein, vermittelt. Sie versucht ihrem Mann klar zu machen, dass sich die Zeiten geändert haben: „Da musst dich dreinfinden.“ Aber auch sie sieht, dass es wohl noch dauern wird, bis sich Felix in seine Rolle als „Chef“ einfinden kann.

Der zweite Sohn, Kilian (18), hat mittlerweile sein Abitur gemacht und absolviert derzeit ein Soziales Jahr im Krankenhaus Traunstein. Auch er ist einer, der sich nicht in sein Gefühlsleben schauen lässt. Aber die Arbeit scheint ihm zu gefallen. „Und er kann auch ganz gut mit den Leuten umgehen“, sagt seine Oma. Ganz anders ist die Situation beim Dritten im Bunde. Bei Benedikt, dem Jüngsten, er ist erst 13. Ihm fehlen die Eltern, vor allem die Mutter, ganz arg. „Ich kann ihm nicht geben, was ihm seine Mama gegeben hat“, seufzt Oma Theresia, die mit ihrem jüngsten Enkelsohn immer wieder Diskussionen auszufechten hat. Benedikt ist in der Pubertät – und die Oma hofft, dass sich das bei ihrem Enkel bald wieder legt.

Doch das dauert wohl noch. Genauso wie die Trauer. „Ich weiß nicht, wie lange noch“, sagt Theresia Daxenberger. Die Trauer um den Sohn und die Schwiegertochter – und die Sorge um ihre Enkelkinder. Die sind durch die tragischen Umstände sozusagen zu ihren Kindern geworden. Sie gibt alles dafür, dass es den drei Brüdern gut geht.

In diesen Tagen aber holt sie das Gedenken an das tragische Geschehen von vor einem Jahr mit aller Macht ein. Die Familie Daxenberger bekommt viel Post, teilweise auch von Menschen, die ihr gar nicht bekannt sind. Fans des Politikers Daxenberger, der mit seiner Geradlinigkeit weit über das Lager der Grünen hinaus geschätzt wurde.

In der Post war auch eine schöne Gedenkkerze. Und ein Schreiben von Patres von Kloster Andechs, zu denen Sepp Daxenberger ein gutes Verhältnis hatte. Am „Heiligen Berg“ war die Daxenberger-Familie heuer schon mal zu Besuch: Am 10. April. Ein „schwerer Tag“, wie Theresia Daxenberger sagt. Es war Sepps Geburtstag, der erste nach seinem Tod.

tz

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