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Archäologen finden drei Skelette auf Baugrund – Rätsel um Tote von Taufkirchen

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Von: Laura May

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Drei Skelette aus dem Mittelalter haben Archäologen in Taufkirchen entdeckt.
Drei Skelette aus dem Mittelalter haben Archäologen in Taufkirchen entdeckt. © Maa?

Archäologen haben in Taufkirchen drei Skelette aus dem Mittelalter auf einem Baugrund entdeckt. Viele Fragen sind aktuell noch offen.

Taufkirchen - Es war ein gruseliger Fund, den Archäologen vor wenigen Tagen mitten in Taufkirchen (Landkreis München) machten. Beim Baggern auf einem Grundstück am Saxhuberweg endeckten sie drei Skelette. Sofort stellte sich die Frage: Wer sind die Toten? Schnell konnten die Experten klären, dass es sich hier um mittelalterliche Gräber handelt – und um mindestens einen Mordfall!

Taufkirchen: Drei Skelette entdeckt - Archäologe geht von Mordfall aus

Denn aus den gut erhaltenen Funden kann Archäologe und Grabungsleiter Hardy Maaß Vermutungen über die Begrabenen ableiten: Im ersten Grab befand sich ein 50- bis 60-jähriger Mann. In seiner letzten Ruhestätte fanden die Archäologen neben seinem Skelett auch eine Waffe. Ein „kleines einschneidiges Hiebschwert“ – im Fachjargon auch Sax genannt. Dieses hing an einer Gürtelgarnitur um das Skelett. Das sei durchaus ein „lustiger Zufall“, freut sich Maaß, da das Grab des älteren Mannes mit Sax nahe des Saxhuberweges gefunden wurde.

Aufgrund der Verbindung von Waffe und Straßennamen wurde der Gefundene jedenfalls gleich auf den Namen Saxhuber getauft. Experte Maaß bedauert, dass für eine DNA- und C14-Analyse der Skelette keine Finanzierung bestehe. Dann könnte mehr über mögliche Verwandtschaftsbeziehungen der Toten zueinander herausgefunden werden. Und vielleicht der Mord geklärt werden…

Anfang Dezember gab es in Taufkirchen auch Wirbel um 44 leerstehende Wohnungen.

Rätsel um Tote von Taufkirchen - spannender Fund aus dem Mittelalter

Denn neben dem bewaffneten Saxhuber wurden zudem eine jüngere Frau und ein etwa 30- bis 40-jähriger Mann gefunden. „Dem wurde der Schädel eingeschlagen und ein Messer steckte in seinem Körper“, erklärt Archäologe Maaß. Keine Frage – eindeutig Mord! Was genau damals passiert ist, bleibt aber ein Rätsel. Ob die junge Frau nun Tochter oder Ehefrau des Saxhubers war und ob der andere Mann womöglich in ein Familiendrama involviert war?

Das könne nur spekuliert werden. Dennoch lasse der Fund Rückschlüsse zu, wie Leute früher in Taufkirchen gelebt haben. „Gräber sind immer Teil der Kulturlandschaft, in welche sie eingebettet sind.“ Wie haben Menschen gewohnt, wie wurden sie bestattet, welche Kleidung trugen sie? Übrigens: Die drei Toten wurden nicht auf einem Friedhof beerdigt, sondern unter ihren kleinen Häuschen begraben.

Taufkirchen: Archäologen finden Gräber aus dem 7. Jahrhundert

Zudem bestätigen die Funde wieder, dass es schon zu Zeiten der Völkerwanderung in Taufkirchen Siedlungen gab – und dass es wohl auch wild herging. Hardy Maaß und sein Team haben außerdem neben den drei frühmittelalterlichen Gräbern (aus der Mitte des 7. Jahrhunderts) auch Keller, Gruben und zwei Häuschen gefunden, deren Ursprung über vier verschiedene Zeithorizonte reicht – vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit. Die Forscher können aus den Funden auch interessante Schlüsse über damalige Siedlungsformen, Begräbnissitten, Handelsbeziehungen und Technikentwicklungen ziehen. Und klar – vor allem die frühmittelalterlichen Gräber seien laut Maaß sehr interessant.

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Taufkirchen sei aber natürlich viel älter als die nun neu entdeckten Funde. Menschliches Leben gab es in dem heute 17 600-Seelen-Ort schon in der Jungsteinzeit, Tausende Jahre vor Christus, wie archäologische Funde beweisen. Kein Wunder: „Überall, wo wir Süßwasser haben, lassen sich Menschen bevorzugt nieder“, erklärt Archäologe und Grabungsleiter Hardy Maaß. Und hier war Taufkirchen halt schon früher ein absolut perfekter Ort. (Laura May)

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