Gewaltexzess bei Spiel in Taufkirchen

Tritt gegen Kopf: Fußballer auf Platz verhaftet

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Der Fußballplatz in Taufkirchen: Hier stiefelte ein Taufkirchner Spieler (39) seinen Gegner (20) am Sonntag brutal ins Gesicht

Taufkirchen - Ein Fußballer hat in einem Spiel der C-Klasse seinem Gegenspieler in Taufkirchen mit einem Tritt gegen den Kopf schwer verletzt. Noch auf dem Platz wurde er verhaftet. 

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Das war kein Foul, das war ein Angriff auf Leib und Leben! Beim C-Klassen-Spiel zwischen den Fußballern des SV-DJK Taufkirchen und der Spvgg Höhenkirchen im Sportpark rastete am Sonntag ein 39-jähriger Spieler völlig aus. Stürmer und Kapitän Murat S. aus dem mit 4:1-siegreichen Heim-Teams trat mit seinen Stollenschuhen Matthias W. (20) gezielt ins Gesicht. Der junge Abwehrpieler lag zu diesem Zeitpunkt wehrlos auf dem Rasen. Der Höhenkirchner erlitt schwere Verletzungen: Doppelter Jochbeinbruch, Bruch der Augenhöhle, ein Hämatom und Rippenprellungen. Heute wird er in einer Münchner Klinik operiert. Die Polizei nahm Murat S. noch auf dem Fußballplatz fest. Gegen ihn läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Richter erließ Haftbefehl.

Zu der Eskalation ist es bei der letzten Aktion, einer Ecke, gekommen. „Ich habe den Stürmer gedeckt. Ganz normal mit Körpereinsatz“, sagt Matthias W. Plötzlich aber habe ihn Murat S. angespuckt und übelst beleidigt. „Da sind mir die Nerven durchgangen, dann habe ich auch gespuckt. Total blöd von mir“. Sekunden später wird die Partie regulär abgepfiffen.

Plötzlich aber stürmen zwei Taufkirchner Spieler auf den Wirtschaftsingenieur-Studenten zu. Sie reißen ihn zu Boden. Spieler von Höhenkirchen sprinten dazu, wollen helfen. Zu spät. Zwei Tritte treffen den 20-Jährigen. „Der erste gegen die Rippen, der zweite ins Gesicht“, sagt Matthias W. Er blutet aus der Nase, sein Kiefer ist irgendwie schief. Ein Krankenwagen bringt den Abwehrspieler dann ins Krankenhaus.

„So etwas gehört nicht auf einen Fußballplatz“, empört sich Hans Mader, Abteilungsleiter der Spvgg Höhenkirchen. Für ihn ist das nur die Spitze des Eisbergs. Schon seit längerer Zeit sei das Aggressions-Potenzial der Taufkirchner Fußballspieler hoch. So extrem war es allerdings noch nie. Darüber ist auch Taufkirchens Trainer Michael Ellinger entsetzt. Der Verein zieht deshalb harte Konsequenzen: „Wir haben die Mannschaft sofort vom Spielbetrieb abgemeldet, und der Spieler wird vom Verein ausgeschlossen.“ So etwas wolle man im Verein auf keinen Fall tolerieren.

Auch der Schiedsrichter der Partie, Fritz Pförtner (61) aus München, ist schockiert. „Das Spiel war vor allem in der zweiten Halbzeit ruppig“, sagt er zur tz. Allerdings kam er mit „nur“ drei gelben Karten aus. „Unmittelbar nach Schlusspfiff gab es dieses Handgemenge, das ich aus dem Augenwinkel gesehen habe. So was ist einfach unfassbar.“ Er hat die Geschnisse bereits in einem Bericht an den Bayerischen Fußballverband (BFV) gemeldet.

PK, JAM

Viele Spiele nur noch unter Aufsicht

Auch beim Bayerischen Fußballverband (BFV) hat man gestern schockiert auf die Vorkommnisse in Taufkirchen reagiert. Für Peter Schmid (54), Kreisspielleiter von München, ist es allerdings nur der bislang unrühmliche Höhepunkt einer bedenklichen Welle von Aggressivität auf Sportplätzen.

„Wir schicken bereits Aufsichten zu Spielen, die als besonders brisant gelten, auch in die untersten Ligen“, erzählt der Funktionär. Bis zu zehn Mann sind für eine Entschädigung von gerade mal 15 Euro unterwegs. „Bei 390 Mannschaften, die im Kreis München im Spielbetrieb sind, ist das nicht viel, aber ein Signal“, meint Schmid. Und tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass es bei Partien unter Aufsicht durchaus gesitteter zuging als erwartet.„Wir haben deutschlandweit vor allem in den Großstädten das Problem mit Gewalt“, haben er und seine Kollegen festgestellt. „Die Hemmschwelle ist gesunken, die Leute lassen der Wut freien Lauf.“

Auch an der Verbandsspitze ist der Exzess von Taufkirchen natürlich Thema. „Der Vorfall ist erschreckend, ohne Zweifel völlig inakzeptabel und wird von der unabhängigen Sportgerichtsgerichtsbarkeit des BFV sorgfältig und lückenlos aufgeklärt“, sagte Sprecher Thomas Müther der tz. „Grundsätzlich steht der Sportgerichtsbarkeit ein Strafmaß bis hin zum Ausschluss aus dem Verband zur Verfügung.“

DOS

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