„Mich hätte bald der Schlag getroffen“

Nach Supermarkt-Einkauf: Frau rennt mit diesen beiden Zetteln wutschnaubend zum Bürgermeister

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Einkaufsrechnung 12,09 Euro – Strafzettel 30 Euro: Das sind die Quittungen, die eine Moosenerin von ihrem kurzen Abstecher zum Edeka mitbrachte.

Nach einem Supermarkt-Einkauf ist eine Frau wutschnaubend ins Sekretariat des Bürgermeisters von Taufkirchen gestürmt. Sie hielt zwei Zettel in der Hand.

Taufkirchen – Wutschnaubend bahnt sich eine Moosenerin ihren Weg zum Sekretariat von Bürgermeister Franz Hofstetter. In der Hand hält sie einen weißen Kassen- und einen giftgelben Strafzettel. Das Knöllchen hat sie beim Edeka an der Landshuter Straße in Taufkirchen bekommen.

Wer es übersieht, eine Parkscheibe sichtbar hinter die Autoscheibe zu legen und dann länger als 90 Minuten für den Einkauf braucht, der kann mit 30 Euro zur Kasse gebeten werden.

„Ich habe am Vormittag meinen Großeinkauf gemacht, zuerst war ich beim Aldi, dann beim Müller und dann noch bei Edeka“, erzählt die Frau von diesem Donnerstag. „Ich habe überall geparkt, wie immer. Dann komme ich raus und es ist der gelbe Zettel dran. Ich dachte, es ist Werbung.“ Erst daheim sah sie sich den Zettel näher an, „da hätte mich bald der Schlag getroffen“. 30 Euro sollte sie bezahlen.

Also ging sie nachmittags zur Edeka-Geschäftsleitung, die ihr mitteilte, dass sie in der Angelegenheit nichts machen könne. Das sei Sache des Vermieters. „Ich werde vielleicht fünf Minuten drinnen gewesen sein. Ich habe ja nur ein Tragl gekauft.“ Dieses bezahlte sie um 10.08 Uhr, und um genau die gleiche Zeit wurde der Parkzettel ausgestellt. Sie habe weder einen Kontrolleur noch die Hinweisschilder bemerkt, die am Parkplatz an mehreren Stellen angebracht sind.

„Das ist geschäftsschädigend“: Apotheker Franz Stuckenberger hält die neue Parkregelung für eine „Oberfrechheit“. Einige seiner Kunden seien älter oder würden nur alle 14 Tage kommen.

„Ich überlege gerade, ob ich noch in Taufkirchen einkaufe. Ich kann auch nach Velden oder Dorfen fahren“, sagt die Frau stinksauer. Dass die Gemeinde von der Parkregelung auch nichts wusste und sie nicht Ansprechpartner für ihre Beschwerde ist, merkte sie schnell. Die Heimatzeitung erhielt auf Nachfrage beim Edeka-Markt ebenfalls keine Auskunft – nur den Verweis, in der Zentrale in Gaimersheim anzurufen. Auch andere Kunden an der Kasse reagierten erzürnt. Im Straffall würden sie hier nicht mehr einkaufen, kündigten manche im Gespräch mit der Heimatzeitung an. Neben Edeka sind auch die Boutique Cactus, die Vitalis-Apotheke und das Sanitätshaus Krüger von der neuen Parkregelung betroffen. Cactus-Mitarbeiterin Evelyn Werner erklärt, dass es eine zweiwöchige Probezeit gegeben habe, in der es nur Verwarnungen für parkende Autos ohne Parkscheibe gegeben habe. Von erbosten Kunden habe sie noch nicht viel mitbekommen. Sie vermutet, dass diese Regelung wohl wegen der vielen Dauerparker eingeführt worden sei.

Video: Rechtsirrtümer: Knöllchen

Das bestätigt Raphaela Braun vom Beschwerdemanagement der Edeka-Zentrale in Gaimersheim auf Nachfrage der der Heimatzeitung. „Wir haben sehr viele Falschparker. Die eigentlichen Kunden tun sich oft schwer, einen Parkplatz zu finden.“ Jeder Kunde dürfe mit Parkscheibe kostenlos parken.

Edeka sei auch nur Mieter und „verdient keinen Cent daran“, erklärt Braun über die Aktivitäten der Firma Park & Control. Über die geplante Einführung der Parkraumüberwachung habe der neue Eigentümer der Gebäude, die Swiss-Life-Tochter Corpussireo, alle Mieter vorab informiert.

Einer von ihnen ist Apotheker Franz Stuckenberger. Er äußerte großen Unmut über die Ankündigung seines Hausherrn. Seine Kunden hätten immer noch einen Parkplatz gekriegt, betont er. Taufkirchen sei ja keine Großstadt. Corussireo habe seine schriftlichen Bedenken zur Kenntnis genommen und ihm 1000 Parkscheiben geschickt, die er in den vergangenen zwei Wochen an seine Kunden verteilt habe. Zuerst habe es grüne Erinnerungszettel gegeben, jetzt werde „scharf geschossen“, ärgert sich Stuckenberger.

Unter seinen Kunden seien alte Menschen und Leute, die schon 14 Tage nicht mehr hier eingekauft hätten. „Wer sieht bitte das Schild?“, fragt er. Jetzt treffe das ein, was er prophezeit habe. Ihn ärgert, dass der Mitarbeiter von Park & Control nur drei Minuten warten müsse, bis er einen Strafzettel verteile. „Eine absolute Frechheit.“

Denn seine Kunden seien oft nur fünf Minuten bei ihm in der Apotheke. Er werde jetzt dem Eigentümer höflich, aber sehr bestimmt schreiben, was hier gerade passiere und darauf bestehen, dass die Regelung wieder zurück genommen werde. „Das ist total geschäftsschädigend für alle. Das geht nach hinten los.“

Der erste Strafzettel werde auf Antrag wieder zurückgenommen, berichtet Stuckenberger weiter. Dazu müsse man aber die AGBs lesen. „Ich sage es jedem Kunden, aber auf dem gelben Zettel steht nicht mal eine Telefonnummer.“ Die müsse man erst im Internet suchen, was für ältere Menschen oft beschwerlich sei.

Die „Oberfrechheit“ sei gewesen, als der Parkwächter neulich schon um 7.50 Uhr Tickets verteilt habe. „Ich weiß, wie die Burschen unterwegs sind“, schimpft Stuckenberger. Park & Control sei ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen, das sich hier an Menschen bereichere, die eigentlich gar nicht gemeint seien.

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Ein Kunde begrüßte zuletzt Polizisten in einem Supermarkt, dann nahmen sie ihn sofort fest.

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Der Discounter Lidl führt auf dem Parkplatz eine Neuheit ein, die wohl kaum einen Kunden erfreuen wird.  

Birgit Lang

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