Prozess wegen versuchten Totschlags

Von Party geflogen - dann trat er seinem Opfer vier Mal mit dem Fuß gegen den Kopf

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Wegen versuchten Totschlags muss sich der 20-Jährige seit Donnerstag vor Gericht verantworten. 

Vier Mal soll Simone G. im August 2016 auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Taufkirchen Thomas B. (Name geändert) mit dem Fuß gegen den Kopf getreten haben. Seit Donnerstag steht der 20-Jährige wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

TaufkirchenDer 20-Jährige räumt die Vorwürfe weitgehend ein, habe jedoch keinerlei Tötungsabsicht gehabt. Vielmehr habe er aus Notwehr gehandelt.

Simone G. spricht leise, faltet die Hände im Schoß. An jenem 28. August 2016 fuhr er mit seinem Bruder in der S-Bahn auf das Volksfest in Erding. Auf dem Weg trank er bereits etwa einen halben Liter Wodka Feige, dort drei oder vier Mass Bier. Auf dem Rückweg wollte der Angeklagte sich mit seiner Freundin, mit der er sich gestritten hatte, am Giesinger Bahnhof treffen. Doch sie kam nicht. Gegen 1 Uhr lud ein Kumpel des Münchners per Kurznachricht zu einer Privatparty. Dort trank Simone G. weiter. Gin und Helles. Dann sei er aus der Wohnung rausgeworfen worden. Kurz nach sechs Uhr fing der Angeklagte am Bahnsteig in Taufkirchen an, rumzuschreien. „Ich war betrunken und sauer, weil ich von der Party geflogen bin und meine Freundin nicht getroffen habe“, sagt er.

Plötzlich beleidigte er das spätere Opfer, das auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig auf die S-Bahn Richtung München wartete. Thomas B. ließ sich provozieren, kam zum Angeklagten und schlug ihm laut Anklage zwei Mal mit der Faust ins Gesicht. Simones Bruder soll Thomas B. daraufhin von hinten in den Nacken geschlagen haben. Es kam zu einem Gerangel zwischen Simone G. und Thomas B., das sich gefährlich nah an die Bahnsteigkante verlagerte. Der Bruder des Angeklagten zog B. zurück, als eine S-Bahn einfuhr. Dabei stürzte Thomas B. und blieb auf dem Rücken liegen. Als dieser sich gerade wieder aufrichten wollte, versetzte der 20-Jährige seinem Opfer laut Anklage mit seinem Stoff-Turnschuh drei wuchtige Tritte gegen den Kopf. Thomas B. verlor das Bewusstsein. Noch einmal soll Simone B. seinem Opfer daraufhin gegen den Kopf getreten haben. Mit seinem Bruder sprang G. dann in die S-Bahn. Im Zug prahlte der 20-Jährige damit, er habe ein „Knacken“ wie bei einem Kieferbruch gehört. Ein Polizist, der zufällig in der S-Bahn saß, nahm Simone G. fest. Vor Gericht gab der Angeklagte zu, gar kein Knacken gehört zu haben. Er habe nur angeben wollen. Da er davon ausging, in Notwehr gehandelt zu haben, habe sich Simone G. festnehmen lassen.

Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er als Heranwachsender körperlich misshandelt worden sei. Der 20-Jährige sitzt bereits wegen eines anderen Vorfalls im Gefängnis und hat bereits etliche Vorstrafen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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