Verzweifelter Hilferuf

Tauben-Terror zermürbt Ehepaar: Sie wissen nicht mehr weiter

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Ärger auf dem Balkon: Jutta und Thilo Nohr wissen nicht aus noch ein. Bisher half gegen die Tauben kein Mittel. Attrappen stören die Vögel kein bisschen.

Taubendreck überall und keine Besserung in Sicht: Jutta (78) und Thilo (81) Nohr verzweifeln an der Tauben-Plage rund um ihren Wohnblock in Taufkirchen am Wald.

Taufkirchen – Auf der Bürgerversammlung machten sie ihrem Ärger nun Luft. „Wir vernichten die Nester, wir kratzen den Dreck von den Balkonen und Brüstungen ab, wir versuchen sie zu vertreiben, aber die Tauben bleiben unbeeindruckt“, schilderte Jutta Nohr die für sie unerträgliche Situation.

Die unappetitliche Hinterlassenschaft muss ständig beseitigt werden.

Die Rentnerin lebt seit 1970 in der Eichenstraße 2 in Taufkirchen, einem zwölfstöckigen Wohnblock der Münchner Wohnungsbaugesellschaft Gewofag. „Das Problem mit dem Tauben gibt es schon lange, aber so schlimm wie dieses Jahr war es noch nie.“

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie Paketschnüre über die Balkonbrüstung gespannt und daran mit Wäscheklammern Alufolie geklippt. Das reflektierende Sonnenlicht soll die Tiere vertreiben. Die aber zeigen sich unbeeindruckt, ebenso wie von der falschen Krähe, die Nohrs im Sommer in ihre Beete mit Tomatenpflanzen gesteckt hatten. „Die Tauben haben direkt daneben ihr Nest gebaut“, sagt Thilo Nohr und schüttelt den Kopf.

Beim Mieterzentrum der Gewofag in Taufkirchen waren die Nohrs schon einmal. „Die haben uns angeboten, ein Netz anzubringen“, erzählt Jutta Nohr. „Aber dann sitzen wir ja wie hinter einem Gitter auf unserem Balkon.“ Ihrer Meinung nach müsste die Gemeinde Maßnahmen ergreifen. „Es gibt die Möglichkeit, einen Falkner zu beauftragen“, erklärte Ordnungsamtsleiter Wolfgang Walser auf der Bürgerversammlung als erste Reaktion. Allerdings sei der Effekt immer recht kurzfristig.

Die Stadt München hat vor einem Jahr die Genehmigung für einen Falkner-Einsatz in der Nobel-Einkaufspassage „Hofstatt“ erteilt. Mit seinem Habicht „Hillary“ versuchte Falkner Günther Rau, der Plage Herr zu werden. „Es geht hauptsächlich darum, einen Feinddruck zu erzeugen, weil die Tauben sonst in der Stadt keine natürlichen Feinde haben“, erklärte Rau in einem Zeitungsinterview. Eine Taube selbst erwische Hillary „recht selten: Die sind kleiner und wendiger als sie“.

Zuständig für das Tauben-Problem in München ist das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU). Hier verfolgt man laut Sprecher zwei Ansätze im Kampf gegen die Tauben-Flut: Zum einen ein Fütterungsverbot, das vom Kreisverwaltungsreferat verfolgt und mit Bußgeldern belegt wird, und zum zweiten die Aufstellung von „Taubenhäusern“ in der Stadt. In den vom Tierschutz betreuten Häusern werden die Tierpopulationen an einem Standort gebündelt: Die Verschmutzung bleibt im Haus, und die Eier werden regelmäßig ausgetauscht, um die Vermehrung der Tauben zu unterbinden.

Und in Taufkirchen? „Die Taubenproblematik in München und Umgebung ist lange bekannt“, sagt Gewofag-Unternehmenssprecher Frank de Gasperi auf Nachfrage. Er selbst lebt in Schwabing und beobachtet des Öfteren, dass Anwohner die Tauben füttern. Für Gewofag-Mieter, die wie die Nohrs unter dem Taubendreck leiden, „seien Netze die erste Wahl“, sagt der Sprecher. Was man sonst unternehmen könne, müsse man eruieren.

Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) versprach bei der Bürgerversammlung, das Tauben-Problem bei seinen regelmäßigen Treffen mit dem Gewofag-Geschäftsführer ansprechen zu wollen – auch wenn die Flächen und Häuser an der Eichenstraße kein Eigentum der Gemeinde sind. „In der Vergangenheit haben solche Gespräch in zwei, drei anderen Fällen schon zu positiven Ergebnissen geführt“, sagte Sander.

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