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Verstörende Szene am Tegernsee: Stand-up-Paddler verfolgen Schwan und prügeln mit Ruder auf ihn ein

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Von: Gabi Werner, Alexandra Korimorth

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Ein stattlicher Höckerschwan – wie dieses Exemplar aus der Schwaighofbucht – hat sich nun auch am Mangfallausfluss in Gmund niedergelassen. Offenbar gibt es auch dort Ärger zwischen Mensch und Tier.
Ein stattlicher Höckerschwan – wie dieses Exemplar aus der Schwaighofbucht – hat sich nun auch am Mangfallausfluss in Gmund niedergelassen. Offenbar gibt es auch dort Ärger zwischen Mensch und Tier. © Thomas Plettenberg

Zwei Stand-up-Paddler verfolgten offenbar einen Schwan in Gmund am Tegernsee und prügelten auf ihn ein. Studentinnen beobachteten die Szene und riefen die Polizei.

Gmund – Zwei Studentinnen aus Moosrain und Point, die sich am Mittwoch (6. Juli) gegen 22.30 Uhr zu einem Ratsch an der Gmunder Seeuferanlage am Tegernsee trafen, wurden Zeugen der unschönen Szene. Auf Höhe des Thomas-Mann-Denkmals entdeckten die beiden 23-Jährigen nach eigener Erzählung trotz der fortgeschrittenen Stunde zwei SUP-Fahrer, die hinter einem Schwan her gewesen seien. Die beiden Männer hätten das Tier verfolgt und von ihren Boards aus versucht, mit Paddeln auf es einzuschlagen.

Männer lassen schließlich von Schwan ab und verschwinden

Lautstark forderten die beiden Studentinnen von Land aus die jungen Männer dazu auf, das Treiben zu beenden. Diese hätten zunächst aber nur geantwortet, dass der Schwan seit Monaten die Leute am See tyrannisiere und dass sich die beiden Freundinnen nicht einmischen sollten – gefolgt von ein paar beleidigenden Worten in Richtung der Studentinnen. Doch immerhin ließen die beiden Männer von dem Schwan ab, zogen ihre Boards ans Ufer und verschwanden in Richtung Volksfest-Parkplatz.

Ob der ins Schilf flüchtende Schwan verletzt war oder nicht, ließ sich für die jungen Frauen nicht mehr feststellen. Sie riefen allerdings bei der Polizei Bad Wiessee an, um die Attacke auf den Schwan zu melden.

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Vize-Chef der Polizei hat wenig Verständnis für nächtliche Aktion auf dem See

Der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Loeffler bestätigt auf Nachfrage, dass eine entsprechende Mitteilung kurz vor 23 Uhr bei der Polizei eingegangen sei. Als eine Streife daraufhin vor Ort nach dem Rechten geschaut habe, „wurden aber weder Schwan noch SUP-Fahrer angetroffen“. Man werde dem Vorfall dennoch weiter nachgehen, erklärt Loeffler. Grundsätzlich zeigt der Vize-Chef der Wiesseer Polizei wenig Verständnis für Wassersportler, die sich zu solch später Stunde noch auf dem See aufhalten und damit Wildtiere in Aufruhr versetzen. „Irgendwann muss man den See auch in Ruhe lassen“, findet Loeffler, der zum ersten Mal von einem Mensch-Schwan-Konflikt in diesem Bereich gehört hat.

Tierschutzverein will Anzeige gegen unbekannt erstatten

Entsetzt über den Vorfall zeigte sich Johanna Ecker-Schotte vom Tierschutzverein Tegernseer Tal. „Das läuft jetzt wirklich aus dem Ruder“, ärgert sich die Vorsitzende. Die Natur – im Speziellen die Berge, der Wald und der See – würden nicht den Menschen alleine gehören, sondern seien auch Rückzugsorte für die Tiere. Sollte sich ein Wildtier auffällig benehmen, müsse man diesem Bereich eben fern bleiben, fordert Ecker-Schotte. „Es kann nicht sein, dass immer gleich Forderungen nach Abschüssen laut werden“, sagt die Rottacherin auch mit Blick auf die Graugänse, die vielen Menschen rund um den See ebenfalls ein Dorn im Auge sind. Wegen des Vorfalls in Gmund will Ecker-Schotte Anzeige gegen unbekannt erstatten.

Bislang liegt nur eine einzige Beschwerde wegen des Gmunder Schwans vor

Was es mit dem Gmunder Schwan auf sich hat und ob er – ähnlich wie sein Artgenosse aus der Schwaighofbucht – ein auffälliges oder gar aggressives Verhalten zeigt, lässt sich derzeit nicht sagen. Dem Tierschutzverein wurde laut Ecker-Schotte bislang eine einzige Beschwerde zugeleitet, in der es hieß, dass der Schwan Stand-Up-Paddler und Boote in massiver Weise angreife. Ob der stattliche Vogel damit sein Revier verteidigen möchte oder ob sich hier möglicherweise seine Brut befindet, ist unklar. Vogel-Experte Wolfgang Hiller jedenfalls hatte bereits im Frühjahr von einem Fall berichtet, als Angler in einem Boot von dem Wasservogel attackiert wurden.

Naturschutzwächter: „Der Schwan tut normalerweise nichts“

Einen ganz anderen Eindruck von dem Gmunder Exemplar hat Andreas Ihl, der als Naturschutzwächter vom Tegernsee regelmäßig in dem Bereich unterwegs ist. „Der Schwan tut normalerweise nichts“, sagt er. So lange man als Mensch einen „respektvollen Abstand“ zu den Wasservögeln halte, habe man nichts zu befürchten, glaubt Ihl. Wenn die Tiere auf dem See allerdings keine Ruhe mehr fänden oder bedrängt würden, „fühlen sie sich irgendwann bedroht“.

Landratsamt sieht derzeit keine Veranlassung einzugreifen

Schockiert über die Schilderungen von dem Zusammentreffen zwischen den offenbar rabiaten Paddlern und dem Schwan in Gmund zeigte sich am Donnerstag auch das Landratsamt Miesbach. Der Behörde ist bislang nur jene Beschwerde über den angeblich aggressiven Vogel im Bereich Gmund/Mangfall bekannt, die auch dem Tierschutzverein vorliegt. Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler erklärt: „Derzeit ist Brutzeit bei den Schwänen, und es könnte gut sein, dass der Schwan sein Gelege bewacht und Wassersportler als Gefahr für seinen Nachwuchs empfindet.“ Von amtlicher Seite her könne man aktuell schon allein aufgrund der Brutzeit nichts unternehmen. Unabhängig davon, dass ohne Beschwerden oder Schilderungen von Vorfällen ohnehin keine Veranlassung bestehe, einzugreifen. gab

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